100 Jahre Kapellengemeinde Uthweiler

Aufnahme: 1979

100 Jahre Kapellengemeinde Uthweiler

Mit einem Festgottesdienst, zele­briert vom Siegburger Abt Dr. Placi­dus Mittler von der Abtei Michelsberg, begannen die zweitägigen Festlichkeiten der 100-Jahrfeier der Kapellengemeinde Uthweiler. Der Kapellenchor sang die vierstimmige lateinische Messe in Es-Dur von Löhle unter der Stabführung von Paul Radermacher. Diesem ersten Pontifikalamt schloß sich ein Festzug der Uthweiler Bevöl­kerung zur Festhalle Dahs in Jüngsfeld, angeführt vom Tambourkorps der Freiwilligen Feuerwehr Uthweiler, an. Dort begrüßte der Vorsitzende, Dr. Ferdinand Beck, die zahlreichen Ehrengäste.

Den Reigen der Gratulantenschar eröffnete Pfarrer Gottfried Stein  von der Nachbargemeinde Oberpleis. Er betonte, daß sich Uthweiler glücklich schätzen könne, 100 Jahre nun eine Kapelle zu haben, die vor elf Jahren mit Hilfe des Erzbistums zu einer Kirche wurde, „um die die Oberpleiser Euch beneideten, als wir noch in der Notkirche saßen. Wir freuen uns heute mich  Euch, daß  Euren  Initiativen in den vergangenen 100 Jahren ein solcher Erfolg zuteil wurde und Ihr ein so schönes Gotteshaus, mit Euren großzügigen Spenden so würdig aus­ gestattet, Euer eigen nennt. Möge in den kommenden Jahrhunderten an al­len Sonn- und Feiertagen das Lob Gottes hier erklingen und allen Bewohnern des Ortsteiles Uthweiler eine reiche Segensquelle sein."
Pater Columban, Geistlicher an der Uthweiler Kirche, erinnerte an die Gläubigkeit der Menschen an Gott und Oberstudienrat Josef Weyler erinnerte in heiteren Anekdoten in rheinischer Mundart an die gute alte Zeit in Uthweiler. Die Vertreter der einzelnen Vereine sprachen ihre Glückwünsche aus und überreichten dem Vorsitzenden des Kapellenvereins, Dr. Ferdinand Beck, Blumen und Geld zur Ausgestaltung des Gotteshauses.

Am Pfingstsonntagmorgen  wurden die Feierlichkeiten mit einem Gottesdienst, zelebriert von Pater Columban, fortgesetzt, der Kapellenchor sang Ausschnitte aus der „Deutschen Messe" von Haydn sowie als Einlagen „Die Himmel rühmen" und „St. Ma­ria". Dem Gottesdienst, der wiederum sehr gut besucht war, schloß sich  an der Westseite der Kirche die Einweihung des Ehrenmals in Form eines renovierten Holzkreuzes an. Pater Columban sprach die Segensgebete. Dr. Ferdinand Beck erinnerte in seiner Ansprache daran, daß bereits die Vorfahren an diesem Kreuz ihrer Toten gedacht haben. Beim Abbruch der alten Kirche mußte es ebenfalls  weichen und soll nun an dieser Stelle eine neue würdige Stätte erhalten. Eine Gedenktafel für die Toten und Gefallenen wird zu einem späteren Zeitpunkt noch angebracht. Bei der Kranzniederlegung spielte die Feuerwehrkapelle das Lied vom „Guten Kameraden".

Zum Frühschoppen in der Festhalle Dahs spielten das Bläserkorps des Hegeringes Hennef und das Eitorfer Tanzorchester auf. Zu Mittag gab es Erbsensuppe aus der Gulaschkanone. Wie es vor 100 Jahren zum Bau der Kapelle gekommen ist, kann heute nicht mehr mit Bestimmtheit gesagt werden. Es liegen keine schriftlichen Dokumente vor. Lediglich eine Notiz von Robert Hartleib, daß im Jahre 1879 das Uthweiler Kreuz verfallen war und durch einen massiven steinernen Bau ersetzt werden sollte. Erhalten ist das erste Kassenbuch, das mit einer Eintragung vom 17. Juni 1879 vom geplanten Bau einer Kapelle berichtet. Aus den zwei Pfarrgemeinden Oberpleis und Stieldorf hatten sich in privater Initiative die Gläubigen zusammengetan, um in Uthweiler eine kleine Andachtskapelle aus eigenen Mitteln und Geldspenden zu erstellen. Berichtet wird von einer großen Opferfreudigkeit der Bevölkerung. Die Grundsteinlegung erfolgte am Feste Peter und Paul des Jahres 1879.


Das Grundstück, auf dem die Kapelle gebaut werden sollte, wurde von einem Bürger namens Wierig zur Verfügung gestellt. Es war verhältnismäßig klein mit einer Rute und 41 Fuß. Für den Bau der ersten Kapelle wurden Ziegelsteine aus dem inzwischen stillgelegten Braunkohlenbergwerk am Kollberg verwandt. Fertiggestellt wurde die Kapelle im Jahre 1880. Doch konnten nicht regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden. Für die Innenausstattung und die Ausschmückung der Kapelle mußten die Einwohner selbst Sorge tragen. Am 15. Dezember 1907 wurde offiziell der Kapellenverein Uthweiler gegründet. Zu diesem Verein schlossen sich die benachbarten Ortschaften Uthweiler, Jüngsfeld, Blankenbach, Niederbuchholz,  Freckwinkel, Nieder- und Oberscheuren, Düferoth und Bockeroth zusammen.

Die Beziehungen zum Kloster Michelsberg in Siegburg wurden geknüpft, als der damalige Abt Dr. Ildefons Schulte-Strathaus vor den Nazis auf der Burg Niederbach in Oberpleis Zuflucht suchte. Doch trotz aller Kirchenfeindlichkeit in den damaligen Jahren konnten ab 1940 regelmäßig Gottesdienste stattfinden. Bald erwies sich die Kirche als zu klein. Mehrere Möglichkeiten lösten das Problem nicht. Eine  Baugenehmigung  wurde im „Dritten Reich" nicht erteilt. Doch Pater Gabriel fand einen Ausweg. Er beantragte die Genehmigung für ein Ehrenmal. Das wurde gestattet. Und so wurde beides gebaut. 1942 wurde ein Kapellenchor gegründet. Eine weitere Vergrößerung der Kapelle wurde 1949 mit der Antragstellung in die Wege geleitet und 1954 beendet. Zu Pfingsten 1968 wurde dann ein neues Gotteshaus, das heutige Wahrzeichen von Uthweiler, geweiht. gst.
 

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 23, vom 08.06.1979; Foto: Willi Joliet; Bericht: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ); Willi Joliet: Foto
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Aus den Dörfern ringsum Kapellen Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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