Aufnahme: 1979
Der Erzbergbau bei Bennerscheid
Die geförderten Erze brachte man mit Pferdefuhrwerken bis nach Niederdollendorf und von dort rheinaufwärts bis nach Linz. Oberhalb Linz wurden die Erze in einer Schmelze, Steinberghütte genannt, verhüttet. Anfangs waren die Transportwege bis zum Rhein nur bessere Feldwege. Das wurde anders, als in den Jahren. 1853/54 die Nieder-dollendorf-Kircheiper Straße gebaut wurde. Danach gingen die Transporte über eine feste Straße bis zum Rhein. Später wurden die Erze in Niederdollendorf auf Lastkähne verladen. Ob die Erze alle mit betriebseigenen Fuhrwerken gefahren oder ob auch einheimische Fuhrleute hierbei eingesetzt wurden, ist nicht bekannt. Es wird aber erwähnt, dass die Fuhrleute neben dem Erztransport auch andere Waren besorgten. Auf dem Heimweg brachten sie einheimischen Geschäftsleuten Waren vom Rhein mit. Fehlten solche Aufträge, kamen sie über Aegidienberg wieder zurück. Im Jahre 1863 erfolgte die größte Förderung. Es wurden 2 957 Tonnen Zinkblende und 105 Tonnen Bleierze transportiert.
Zuletzt war die Anlage bei Neuglück in Betrieb. Als der Abbau unrentabel geworden war, wurde der Bergbau eingestellt. Die Stolleneingänge wurden zugemauert. Das geschah im Jahre 1871. Oberhalb Sandscheid hat vor dem Ersten Weltkrieg eine Firma mit einem Erzbergbau begonnen, jedoch mit geringem Erfolg. Die Grube nannte man wegen ihres 'vorbildlichen' Zustandes 'Grube Elend'. Die preußische Forstverwaltung als Eigentümerin des Grubengeländes hat schon früh versucht, die Haldenflächen aufzuforsten, was schon im Forstwirtschaftsplan vom Jahre 1846 steht. Wegen des bleihaltigen Bodens waren aber alle Aufforstungsversuche vergeblich. Heute noch sind die Halden ohne jeden Aufwuchs. Vor einigen Jahren sind auf dem ehemaligen Grubengelände einer Siegener Firma Versuchsbohrungen niedergebracht worden, die wahrscheinlich bezweckten, noch abbauwürdige Vorkommen zu finden.
Das Ergebnis ist nicht bekannt, vermutlich war es negativ. Zusammen mit dem Erzbergbau bei Bennerscheid muss der sogenannte germanische Ringwall genannt werden. Die Anlage wird verschieden beurteilt. Einige Personen sind nach wie vor der Ansicht, dass es sich um einen germanischen Ringwall handelt. Dr. Robert Flink, Köln, nennt die Anlage in der 'Geschichte von Oberpleis' eine mittelalterliche Motte, das ist eine Wasserburganlage. In dem Buch über die Wald- und Forstgeschichte des Siegkreises wird dagegen die Ansicht vertreten, dass es sich um eine teichartige Anlage zum Waschen der Erze gehandelt hat. Auch glaubt man, dass die Anlage zu klein und für eine Wasserburganlage kein Platz war. Hauptlehrer_Schonauer aus Thomasberg hat viel Geschichtliches aus der engeren Heimat veröffentlicht. Er schreibt in der 58. Fortsetzung seiner Abhandlungen, dass dort keine Burg gestanden hat. Er nimmt an, dass die Anlage bergbaulichen Zwecken diente. An anderer Stelle wird die Ansicht vertreten, dass dort eine Saynsche Burg war.
Ob am Ringwall eine Burg gestanden hat, ließe sich leicht klären, wenn man auf dem Wall oder in der Mitte der Anlage entsprechende Grabungen durchführen würde. Man musste Reste von Fundamenten finden können. Der Bergbau ist auch der Ursprung des Schlösschens Neuglück. Gegenüber dem Grubengelände bei Neuglück stand ehemals eine Steigerwohnung. Der letzte bekannte Steiger hieß Schmidt. Diese Steigerwohnung wurde von der Familie Hölterhoff aus Honnef gekauft. Die Tochter Hölterhoffs ließ sie im Laufe der Jahre nach und nach um- und aufbauen, so wie wir das Anwesen heute kennen. Bekannt wurde das Besitztum insbesondere durch den bekannten französischen Dichter Apollinaire, der dort in den Jahren 1901 und 1902 gewohnt hat. Er war der Hauslehrer der Komtesse Gabriele de Milhau. Apollinaire fiel im Ersten Weltkrieg.
Benutzte Quellen:
Robert Flink: Die Geschichte von Oberpleis, 1955, Seiten 24, 47 und 83.
Herbert Schmidt: Aus der Wald- und Forstgeschichte des Siegkreises, 1973, Seiten 80, 81 und 106.
Matth. Schonauer: Geschichtliches aus der engeren Heimat, 58. Fortsetzung, März 1929.
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