Aufnahme: 1979
Die Kapelle in Uthweiler, heutige Filialkirche St. Michael
Die Kapelle St. Michael Uthweiler feiert in diesem Jahre ihr 100-jähriges Bestehen, und erstellt eine eigene Festschrift. Aus diesem Grunde erscheint in dieser Festschrift kein umfassender Beitrag über die Geschichte der Kapelle, sondern nur ein kurzer Abriß der Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, um ein vollständiges Bild der Kirchen und Kapellen in der Pfarre Oberpleis zu geben.
Die Kapelle Uthweiler wurde durch einige Bürger aus dem Orte ins Leben gerufen. Hierüber existieren noch Unterlagen, so z.B. das erste Kassenbuch aus dem Jahre 1879. Die Gründung der Kapelle fällt in die Zeit des sogenannten Kulturkampfes, in eine Zeit heftiger Auseinandersetzungen zwischen der röm.-kath. Kirche und dem preußischen Staat, in deren Verlauf der Kölner Erzbischof Paulus Melchers verhaftet und in das Gefängnis Klingelpütz eingeliefert wurde. Dieser Kampf wurde auch in unserer Pfarre spürbar. Der damalige Pfarrer Hertel durfte seinen Dienst nicht mehr versehen und wohnte auf Burg Niederbach. Es ist aus der Situation der damaligen Zeit sicher kein Zufall, daß der Entschluß zum Bau einer Kapelle gefaßt wurde.
Das genaue Datum dieses Entschlusses ist nicht mehr feststellbar. Aber aus dem Kassenbuch geht als erste Eintragung das Datum vom 17. 6. 1879 hervor. Da Uthweiler zum damaligen Zeitpunkt zu zwei Pfarrbezirken gehörte, ist auch die Eintragung im Kassenbuch verständlich, die lautet: „Die nötigen Gelder sind aufgebracht von Einwohnern Pleiser- und Stieldorfer-Uthweiler und sonst noch durch freiwillige Beiträge von den nachher bezeichneten Guttätern." Vor der Grundsteinlegung waren so schon 760 Mark zusammengekommen.
Sicher ist nach der eingemauerten Urkunde der 29.6.1879 der Tag der Grundsteinlegung. In dieser Urkunde heißt es:
„Heute, am Feste Peter und Paul, dem 29. Juni 1879, im Pontifikat Seiner Heiligkeit Papst Leo des XIII., als Pfarrer Johannes Hertel und Franz Dorent Kaplan in dieser Pfarre waren, sowie in der Regierung Seiner Majestät Kaiser Wilhelms des l. unter dem derzeitigen Bürgermeister Peter Heuser von Oberpleis, wurde zu dieser Kapelle der Grundstein gelegt und eingesegnet. Dieselbe ist von den unterzeichneten Nachbarn gebaut worden. .....“
Das Grundstück wurde von Karl Wierig zum Preise von 17 Mark gekauft. Nach mündlichen Überlieferungen wurde die Kapelle im Jahre 1880 durch den Dechanten Sämanns benediziert, so daß sie nicht nur Bet- und Andachtsstätte war, sondern auch zur Durchführung der Meßfeier verwendet werden durfte.
Die Mittel für die würdige Ausstattung und Erhaltung der Kapelle wurden von den Einwohnern übernommen. Später übernahm diese Aufgabe der 1907 gegründete und 1908 ins Vereinsregister eingetragene Kapellenverein der Nachbarschaft Uthweiler e.V.
Seit der Errichtung wurden in dieser Kapelle neben Andachten im Monat Mai und bei Sterbefällen auch Gottesdienste gehalten. Dies geschah regelmäßig am 1. Mai und am Festtage des Kapellenpatrons St. Michael, sonst aber nur in Zeiten, in denen ein auswärtiger Geistlicher am Orte weilte. Im übrigen waren die Einwohner von Uthweiler gehalten, die für sie zuständige Pfarrkirche in Oberpleis, Stieldorf und Rott aufzusuchen. Dies waren teilweise Anmarschwege bis zu 4 km.
Während des 2. Weltkrieges erteilte das Erzbischöfliche Generalvikariat in Köln mit Schreiben vom 3.2.1941 formell die Erlaubnis, in der Uthweiler Kapelle zunächst während der Kriegszeit den Gottesdienst abzuhalten. Gleichzeitig wurde Kaplan Düster zum Rektor der Kapelle ernannt. Später war dies Abt Dr. lldefons Schulte-Strathaus von der Abtei Siegburg. Ein Glücksfall für die Kapellengemeinde war es, daß der als Sanitäter eingesetzte Pater Gabriel Busch nach Uthweiler kam und den Gottesdienst bis zum Jahre 1952 übernahm. Immer wieder waren es Patres der Abtei Michelsberg, die Uthweiler versorgten und dies bis zum heutigen Tage durch Pater Columban Esser OSB in dankenswerter Weise tun.
Im Jahre 1943 kam dann der Entschluß, die Kapelle zu erweitern. Es wurde ein Streifen eines Nachbargrundstückes hinzugekauft und trotz der Kriegswirren mit der Erweiterung begonnen. Trotz anfänglicher Ablehnung durch die Kreisbehörde konnte nach langen Verhandlungen der Erweiterungsbau durchgeführt werden.
Da die Kapelle immer noch zu klein war, wurde im Jahre 1949 nach Genehmigung durch die Kreisbehörde der 2. Erweiterungsbau begonnen. Die treibende Kraft war, wie auch in den Jahren vorher, Pater Gabriel Busch.
Die Bausumme war mit 5.000,- DM veranschlagt. Wie auch in all den Jahren vorher wurde das Geld von den Einwohnern aufgebracht ohne Unterstützung von Staatswegen. Ebenso wurde die Unterhaltung der Kapelle durch die Einwohner finanziert. Seit 1949 wurden nach und nach die neuen Buntfenster angeschafft. Welch künstlerischen Wert diese Fenster hatten, geht aus einem Artikel der Siegburger Rundschau aus dem Jahre 1954 hervor. Im Jahre 1955 kamen die 3 neuen Glocken für die Kapelle. Diese Glocken wurden auch in die neue Kirche übernommen.
Seit dem Jahre 1957 liefen Bestrebungen, das Nachbargrundstück zu erwerben, da der Pachtvertrag abgelaufen war. Nach den langen Jahren des Verhandelns erklärte sich das Generalvikariat in Köln bereit, dieses Grundstück zu kaufen. Dies war der Grundstock für den Kapellenneubau. In den Jahren 1960-1965 wurden dann seitens des Kapellenvereins Uthweiler und des Kirchenvorstandes Oberpleis mehrere Gesuche an das Generalviktariat wegen eines Neubaues gerichtet. Im Jahre 1967, am Todestage des damaligen Pfarrers Wichert, ging dann in Oberpleis der erste Teil der Bausumme für die neue Kapelle ein.
Mit dem Abbruch der alten Kapelle ist die Geschichte der Kapellengemeinde Uthweiler abgeschlossen; am Pfingstsonntag 1968 begann die Geschichte der neuen Filialkirche St. Michael in Uthweiler. Aber auch beim Bau dieser Filialkirche wäre vieles nicht möglich gewesen, wenn nicht die Einwohner wieder zu ihrer Kirche gestanden hätten.
Aufgrund der erhöhten Einwohnerzahlen wurden im Jahre 1973 dann die ersten Pläne zur Erweiterung der Filialkirche erstellt. Die Sakristei war bis zu diesem Zeitpunkt im 2. Seitenschiff untergebracht, das durch eine Holzwand vom Kirchraum getrennt war. Nach langen Vorbesprechungen und Verhandlungen wurde mit dem Anbau der Sakristei begonnen. Anfang 1976 war dann alles fertig. Hierzu gehört auch die Außenanlage, die im Zusammenhang mit dem Sakristeibau gestaltet wurde. Wie in den fast 100 Jahren vorher stand auch hier immer wieder die Bevölkerung durch den Kapellenverein hinter ihrer Kirche und war jederzeit zu Opfern hierfür bereit.
Wenn nun in diesem Jahre das 100-jährige Bestehen gefeiert wird, ist dies auch das Verdienst der vergangenen Generationen und der Geist der aktiven Kirche.
Diesem Bericht lagen die Festschriften zum 75-jährigen Jubiläum und zur Einweihung der Filialkirche zugrunde. Ebenso wurden verwandt das alte Kassenbuch und die Akten des Kapellenvereins.
Filialkirche St. Michael, Uthweiler, im Weihejahr 1968
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