Aufnahme: 1979
Die Sandscheider Kapelle
Der 1914 verstorbene Heinrich Sassenberg stiftete um 1908 ein Grundstück für eine Kapelle in Sandscheid. Die Kapelle sollte in der Nähe der Schule gebaut werden. Dieses Grundstück hatte Heinrich Schoroth senior, dessen Frau eine Nichte von Herrn Sassenberg war, in Bewirtschaftung. Nach dem 2. Weltkrieg bemühte sich Heinrich Schoroth senior mit einer Anzahl anderer Bürger um die Verwirklichung dieses Planes.1
Nach der Währungsreform 1948 nahm das Vorhaben unter Pfarrer Wichert Gestalt an. Die Genehmigung erteilte der damalige Erzbischof von Köln Joseph Kardinal Frings. Die Kapelle durfte nur zu Schulgottesdiensten benutzt werden, sonst hätten die Sandscheider keine Genehmigung bekommen. Ein Architekt aus Köln hatte die Zeichnungen für die Kapelle entworfen.
Die Bürger der näheren Umgebung stellten eine Liste zusammen und sammelten für den Kapellenbau in Sandscheid. Als sie genug Geld gesammelt hatten, konnte mit dem Kapellenbau begonnen werden.2
1952 wurde dann der Grundstein, in dem sich eine Urkunde befindet, gelegt.3
Die Arbeit am Kapellenbau leisteten hauptsächlich Freiwillige aus der Umgebung. Der Grundstein befindet sich links vom Eingang der Kapelle. Die Kapelle wurde aus Bimsstein hergestellt. Der Dachstuhl wurde von einem Mann der näheren Umgebung gezimmert.
Die Bänke hat der Schreiner Olbert aus Berghausen angefertigt. Den Altar hat ein Bekannter aus der Umgebung gebaut. Zum Kauf eines Tabernakels hat die Familie des ehemaligen Sandscheider Lehrers erhebliche Mittel beigesteuert.4
Die Reliquien im Altar stammen aus der Oberpleiser Kirche. Den Hahn auf der Turmspitze stiftete Herr Steinmann, der in einer Kunstschmiede arbeitete. Die Schellen sind von einem Pfarrer aus Erpel gestiftet worden. Der Weihwasserkessel an der Tür ist aus einer Kartusche vom letzten Weltkrieg angefertigt worden. Frau Elisabeth Schoroth und die Haushälterin von Kaplan Oster haben die Messgewänder genäht.
Die Bedeutung der Glasbilder in den Fenstern: Trauben und Ähren bedeuten Brot und Wein, Eiche bedeutet Beständigkeit. Efeu bedeutet Treue und die roten Flammen stellen einen brennenden Dornbusch dar. Am 9. Mai 1954 wurde die Kapelle von Pfarrer Wichert eingeweiht. Die Kapelle ist der hl. Maria zum Frieden geweiht.5
Es fehlte damals noch der Tabernakel und das Mosaikbild.6
Weil kein Geld mehr vorhanden war, mußte erst wieder gesammelt werden, um das Mosaikbild und die Heizung anzuschaffen. Erst viel später wurde dann das Mosaikbild über dem Altar angefertigt7
.
Rechts vom Altar ist die Eingangstür zur Sakristei. In der Sakristei ist der größte Teil der Heizung. Auch die Wasserleitung, der Paramentenschrank und der Ankleideschrank befinden sich in der Sakristei. Einmal wurde in die Kapelle eingebrochen, dabei haben die Täter in der Sakristei alles durchwühlt. Sie haben aber nichts mitgenommen. Auf der rechten Seite vom Eingang hängt ein Bild, das Maria mit dem Jesuskind zeigt (Ausschnitt nach Grünewald).
Früher wurde einmal im Jahr das Patronatsfest gefeiert.8
Zweimal in der Woche wird jetzt in der Kapelle die Schulmesse gehalten. Heute werden auch Trauungen in der Kapelle gefeiert. Für die Begleitung des Kirchengesanges steht ein Harmonium zur Verfügung.9
Seit 1966 hat die Kapelle auch eine Heizung.10
Im Protokollbuch des Kapellenvereins heißt es:
Niederschrift Nr. 1
„Einem jahrzehntelang geführten Plan folgend, innerhalb der Dorfgemeinschaft in Berghausen eine Kapelle zu errichten, wurde durch eine in den Märztagen des Jahres 1949 erfolgte Abstimmung aller bodenständigen katholischen Familien dahingehend entschieden, daß es zweckmäßig sei, ein derartiges Gotteshaus in Verbindung mit der Schule in Sandscheid erstehen zu lassen. Nachdem das Abstimmungsergebnis vorlag, und man sich mit 62 von 68 abgegebenen Stimmen für Sandscheid entschied, war nunmehr alle Veranlassung gegeben, die katholischen Familien des gesamten Schulbezirks zu einer diesbezüglichen Besprechung in die Schule Sandscheid einzuladen. Wenn auch die auf Sonntag, den 10. April 1949, anberaumte Versammlung nicht den gewünschten Besuch aufwies, so ließ doch die geführte Aussprache die berechtigte Hoffnung aufkommen, dem nunmehrigen Plan einen guten Schritt nähergekommen zu sein.
Als erstes wurde von den Versammlungsteilnehmern ein Vorstand gebildet, der sich wie folgt zusammensetzt:
Vorsitzender: Bernhard Winterscheid, Berghausen
Kassierer: Heinrich Schoroth sen.. Sandscheid
Schriftführer: Anna Büllesfeld, Sand
Beisitzer: Heinrich Limbach, Berghausen
Matthias Gödt, Berghausen
Peter Heinz, Berghausen
Johann Westhofen, Bennerscheid
Josef Löwen, Sand
Wilhelm Manz, Waschpohl
Ziel und Aufgabe des Vorstandes sollte zunächst sein, allmonatlich eine listenmäßige Haussammlung durchzuführen, erstmalig im Monat Mai. Die Organisation dieser Sammlung sollte dem Vorstand überlassen bleiben. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen.
Nr. 2
In der auf Dienstag, den 26. April 1949, angesetzten Besprechung des Vorstandes arbeitete dieser einen durchdachten Plan aus, wie die Versammlung durchgeführt und wie die jeden Monat eingenommenen Beträge beim Kassierer abgerechnet werden sollten. Sechs Sammelbezirke wurden eingerichtet und hierzu die ehrenamtlichen Sammler in Vorschlag gebracht. Man war einstimmig der Ansicht, daß das begonnene Werk trotz der schwierigen Zeitverhältnisse durchgeführt werden sollte. Weiter wurde eine öftere Zusammenkunft des Vorstandes wie auch der Sammler angeregt, um über die Sammlerergebnisse wie auch über die sich weiterhin ergebenden Aufgaben zu beraten. Mit dem Wunsche, um ein gutes Gelingen der uns gestellten Aufgabe, unserer Nachwelt ein Gotteshaus zu bauen, wurde die Besprechung geschlossen.
Nr. 3
Eine am Freitag, dem 4. August 1950, stattgefundene Besprechung des Vorstandes ließ eindeutig erkennen, daß wir auf dem Wege des uns gesteckten Zieles einen guten Schritt weitergekommen sind. Vor allem war es für uns ein befriedigendes Gefühl, daß unsere rührigen Sammler, die allmonatlich in den einzelnen Familien vorsprechen und eine Spende entgegennehmen, schon manche Bausteine dieser Art zusammengetragen haben. Das Gesamtergebnis dieser Versammlungen, wie eingegangene außerordentliche Geldspenden und dergleichen, soll in einem Kassenbericht bei der Hauptversammlung am Sonntag, dem 6. August 1950, bekanntgegeben werden. Mit dem Wunsche und der Hoffnung, daß die wenigen noch Abseitsstehenden recht bald mit uns eines Sinnes sind und in absehbarer Zeit den Weg der Gemeinschaft mit uns beschreiten der in nicht allzu fener Zukunft zur Verwirklichung unseres Planes führt, fand die Besprechung ihren Abschluß.“
2 Aus der Schulchronik:
„Den ersten Spatenstich für eine Kapelle in Sandscheid machte heute, am 22. November 1951, der 86jährige Josef Bennerscheid aus Berghausen.Es soll zunächst das Fundament hergestellt werden und im Frühjahr 1952 mit dem Aufbau begonnen werden. Eine Chronik über die Einzelheiten des Baues wird besonders geführt."
3 In einem Zeitungsartikel heißt es:
12. Oktober 1952
Tausendjähriger Stein im Fundament
„Feierliche Grundsteinlegung für eine Kapelle in Sand bei Oberpieis. Am Sonntag, wurde von Kaplan Thomé aus Oberpleis in Vertretung des Oberpleiser Pfarrers Wichert in Sand der Grundstein für eine neue Kapelle gelegt. Aus den Orten des Schulbezirkes Sandscheid, der zur Kirchengemeinde Oberpieis gehört, nahmen zahlreiche Bürger an der Feier teil. Unter Leitung der Lehrerschaft zogen die Schulkinder am frühen Nachmittag in einer Prozession zu dem nahe der Schule gelegenen Grundstück, das von einem einheimischen Landwirt für den Kapellenbau gestiftet worden war. Nach einigen von Schulkindern vorgetragenen Gedichten und Liedern des Gesangvereins Sand unter Leitung von Herrn Zens dankte der zweite Vorsitzender des Kapellenbauvereins allen, die zur Verwirklichung des Kapellenbauplans beigetragen haben. Hauptlehrer Klein, der Schriftführer des Kapellenbauvereins, forderte die Kinder auf, künftig die Schulgottesdienste rege zu besuchen. Kaplan Thomé segnete die Stelle, an der in Zukunft der Altar stehen wird und weihte den Grundstein, der dem Mauerwerk der Oberpleiser Kirche entnommen worden war.
Tausend Jahre habe dieser Stein überstanden, ohne Schaden zu nehmen. Er sei ein Sinnbild des felsenfesten Glaubens. In den mit der Jahreszahl 1952 versehenen Stein wurde eine Urkunde eingemauert, auf der die Geschichte des Schulbezirkes Sandscheid verzeichnet ist. Dann wurde der Stein als Eckstein in das Gemäuer eingelassen. Die Kapelle soll 90 Quadratmeter groß werden. Ein moderner Dachstuhl ist vorgesehen. Vorläufig sollen in der Kapelle nur Schulgottesdienste abgehalten werden. Schon 1899, als aus den Orten Pützstück, Waschpohl, Sand, Sandscheid, Bennerscheid und Berghausen der Schulbezirk zusammengefaßt wurde, entstand der Plan, eine eigene Kapelle zu bauen. Erst heute kann er feste Gestalt annehmen.“
4 In der Schulchronik heißt es dazu:
„24. Oktober 1963
Die Kapelle in Sandscheid erhält ein Tabernakel. Das Generalvikariat in Köln gab den Stahltresor und die Familie Pelzer, (Vater ehemals Lehrer hier in Sandscheid von Oktober 1906 bis Juli 1920} spendete Geld für die künstlerische Gestaltung des Tabernakels. Das Äußere des Tabernakels ist mit geschliffenen Steinen verziert, die in Gold eingefaßt sind."
5 Ein besonderer Fest- und Freudentag war heute unserem Schulort beschieden.
9. Mai 1954
„Bei herrlichem Sonnenwetter fand heute morgen die Einweihung der neu erbauten Kapelle, die „Maria zum Frieden" geweiht wurde, statt. Die Einweihung vollzog unser Pfarrer Wichert, Oberpleis. Verschönert wurde das Levitenhochamt durch den Gesang des Kirchenchors aus Oberpleis und durch den Bläserchor von Buchholz. Als Gäste waren erschienen: Amtsdirektor Lindenstreich, Amts- und Gemeindebürgermeister Anton Weber aus Boseroth, Architekt Feiten, Köln, der Kirchenvorstand von Oberpleis. Die Kapelle konnte die Gläubigen nicht alle fassen. Von nun ab findet der Schulgottesdienst in der Kapelle statt. Wir hoffen aber auch, daß in den nächsten Jahren auch sonntags Gottesdienst stattfindet."
6
7. Mai 1957. Die Kapelle erhielt ein neues Bild, das die Mutter Gottes mit dem Jesuskind darstellt. (Ausschnitt a.d. Grünewald-Altar)
NB. Diebe drangen vor kurzer Zeit in die Kapelle ein, plünderten den Opferstock und erbrachen die Tür zur Sakristei. Andere Sachen ließen sie nicht mitgehen.
7
„11. März 1962. Enthüllung des neuen Altarbildes in der Kapelle. Ein Altarmosaik. Entwurf und Ausführung durch F. Eckersdorf aus Meschede. Der Betrag von 2000 DM wurde durch Spenden der Schulgemeinde aufgebracht. Das Bild stellt die Wiederauffindung Jesu im Tempel dar."
Zu 7)
General-Anzeiger Bonn
14. März 1962
„Sandscheid: Kapelle noch schöner. Neues Altarmosaik feierlich geweiht. Um die Jahrhundertwende wurde an der Kreuzung zweier alter Straßen östlich von Berghausen mitten in waldreicher Lage eine Schule errichtet. Den Kindern von Berghausen und den Dörfern und Weilern um den heutigen Ort Sand ersparte man damit den täglichen zweimaligen weiten Schulweg nach Oberpleis. Erst zwei Generationen später konnte ein schon früh geäußerter Wunsch der damals gegründeten Schulgemeinde Sandscheid seine Erfüllung finden. Die Spendefreudigkeit der Bevölkerung, bereitwillige Mitarbeit und großzügige Stiftungen haben einige Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges den Bau eines kleinen Kirchleins in unmittelbarer Nähe der Schule ermöglicht. Es ist vor allem für den Schulgottesdienst bestimmt. Die regelmäßigen Schulmessen werden auch von vielen Erwachsenen besucht. An der Ausgestaltung der Kapelle zeigt die Schulgemeinde reges Interesse. Der Altar ruht schlicht auf einem Block aus heimischer Grauwacke, das Gestühl ist formschön und entspricht dem Charakter des Raumes.
Die Kapelle besitzt jetzt auch eine Kommunionbank und ein Instrument zur Begleitung des Volksgesanges. Das neue Altarmosaik wurde von dem Mescheder Künstler Alfred Eckersdorff geschaffen. Es fügt sich zwanglos in den Raum ein und entspricht der Bestimmung des Kirchleins einzig. Das Bild stellt in leuchtendem Mosaik die Szene der Wiederfindung Jesus im Tempel dar. Jesus ist nicht gezeichnet als Kind, das der mütterlichen Hut bedarf, sondern als der Gottessohn in hochpriesterlicher Gewandung.Er kommt aus dem Gespräch mit den Schriftgelehrten, in einer Hand die Rolle mit der Heiligen Schrift und mit der Rechten zum Himmel weisend: „Wußtet Ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?" Die Gebärde Mariens zeigt, wie sie die Antwort entgegennimmt - voller Erstaunen aber ganz in Demut. Über dem Haupte Christi erscheint visionär das Kreuz, das Symbol der Vollendung seiner Liebe. Die feierliche Weihe des Bildes vollzog am Sonntag Kaplan Kronen aus Oberpleis. Ihm obliegt die seelsorgliche Betreuung der Sandscheider Schulkinder. Die Kosten für das Mosaik betragen 2000 DM.“
8
28. Mai 1967. Sonntag, 10 Uhr, Messe in der Kapelle anläßlich des Patroziniums, anschließend Autoweihe auf dem Schulhof (etwa 50-60 Autos).
9
21. März 1960. Eine Hohner „Organa" 40 wurde von der Fa. Melden in Bonn für die Kapelle geliefert (675DM - 10%)
10
19. März 1966. In die Kapelle wird eine Heizung eingebaut. Die Firma Mahr-Söhne, Aachen, ist mit den Ausführungen der Arbeiten beauftragt worden. Kostenpunkt DM 7000, dazu kommen noch die Nebenarbeiten. Am 24. März konnte die Heizung benutzt werden.
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