Die Quirrenbacher Schule
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Aufnahme: 1978

Die Quirrenbacher Schule

Quirrenbach, die Geschichte eines Dorfes

von Peter Anders

3. Teil

Erster Hauptlehrer in Eudenbach war Hermann Josef de Bück aus Schwerfen. Hauptlehrer de Bück gedachte in Eudenbach zu bleiben. Er baute sich daher in der Nähe der Schule ein großes Landhaus, eine Villa, wie das Haus heute noch heißt. Von Hauptlehrer de Bück sagt man, daß er stark Schnupftabak nahm und immer eine Schnupftabakdose bei sich trug. Bevor er diese Dose öffnete, klopfte er zweimal auf den Deckel. Seine Anregung an die Schüler war der Ausspruch: „Munter, Junge, sonst muß ich klopfen“. Oder ein anderes stetes Wort: „Juck dich der Bart, laß doch den Bart in Ruhe“. Ansonsten war man mit seiner Lehrweise sehr zufrieden. Ab 1888 war am 27. Januar jeweils eine Schulfeier. Dann versammelte sich die ganze Schule im Schulsaal auf dem ersten Stock. Es wurden patriotische Lieder gesungen und Gedichte vorgetragen. Am Schluß bekam jedes Kind einen Wecken zum Gedächtnis an Kaisers Geburtstag. Auch die Kinder, die in dem betreffenden Jahr schulpflichtig wurden, durften an der Feier teilnehmen und bekamen ebenfalls einen Wecken. Sie freuten sich besonders darauf.

Hauptlehrer de Bück betrieb nebenbei eine kleine Baumschule. Zur Pfiege dieser Baumschule zog er gerne die älteren Schüler heran. Als Anerkennung schenkte er dann den Jungen ein Obstbäumchen. Ein solches Bäumchen hat viele Jahre im Garten der Familie des Schreibers dieser Zeilen gestanden und reichlich Birnen getragen. Hermann Josef de Bück legte großen Wert darauf, daß man das „de" seines Namens auch französisch aussprach, d, h. mit kurzem, flüchtigem „e" und nicht mit einem langen, wie etwa de oder gar te. Die Leute sagten meistens te Bück, und das mochte der Hauptlehrer nicht. Hermann Josef de Bück, wurde am 14.7.1854 geboren und starb in Eudenbach am 5. 4. 1914. Er hatte ein Einkommen von 1050 Talern im Jahre.

Aus der Tatsache, daß Hermann Josef de Bück Hauptlehrer war, kann man auf eine zweite Lehrerstelle in Eudenbach schließen. Das war nötig, weil die Schule 1890 immerhin 55 Knaben und 58 Mädchen umfaßte, die in zwei Gemeinschaftsklassen für Knaben und Mädchen zu unterrichten waren. Es gab also eine zweite Unterstufe, 1. - 3. Schuljahr, und eine Oberstufe, 4,– 8. Schuljahr. Die Unterstufe unterrichtete der zweite Lehrer, Johann Esser aus Kirchheim (1882). 1884 folgte als zweiter Lehrer Hubert Josef Forsbach aus Buchheim. Ihn löste im Jahre 1885 der Lehrer Ewald Schützendorf aus Forsthaus Salchenbusch bei Blankenheim ab. Schützendorf wohnte im Schulhaus. Er war und blieb Junggeselle. Er wohnte auch während des Ersten Weltkrieges noch dort. Aus Mangel an Beamten teilte Schützendorf in den Kriegsjahren die Brotkarten aus. Er war auch zuständig für die Mehlkarten der Bauern, d. h. für die Erlaubnisscheine, in der Mühle ihn eine gewisse zustehende Menge Korn mahlen lassen zu dürfen. Schützendorf war ein wenig beliebter Lehrer. Er griff schnell zum Stock und schlug unbarmherzig zu. Auch die Mädchen schonte er nicht. Er schlug die Mädchen in die offene Handfläche, und zwar mitunter in jede Hand fünf bis zehn Schläge, so daß die Handfläche anschwoll. So ist es oft den beiden Mädchen Anna und Maria aus Komp passiert. Nach dem Tode von Hauptlehrer de Bück unterrichtete Schützendorf die Oberstufe. Man muß daher davon ausgehen, daß die Mädchen immerhin 12 bis 14 Jahre alt waren, wenn sie noch in die Hände mit dem Stock geschlagen wurden. Es erscheint heute unerklärlich, daß die Eltern da nicht eingriffen. Ob die Mädchen zu Hause nichts erzählt haben? Oder hatten die armen Eltern keinen Mut, ihre Kinder vor einem derartig brutalen Lehrer zu schützen? Heute wäre so etwas auf jeden Fall unmöglich. Die Jungen wurden nicht weniger mit dem Stock verprügelt. Sie brachten es aber fertig und stachen den Lehrer mit einer Nadel in die Beine, wenn sie übers Knie gelegt wurden. Bei den Schlägen an den Kopf hielten die Jungen den spitzen Griffel ans Ohr, wobei der Lehrer dann selbst das Nachsehen hatte. Es kam auch vor, daß der Lehrer Schützendorf den Kindern auf die Tafel spuckte, um dann mit den Fingern ihre Rechenaufgaben auszuwischen. Eine schlechte Sitte für einen Lehrer und Erzieher, selbst für die damalige Zeit. Trifft man heute noch ältere Menschen, die bei Schützendorf in der Schule waren, so wissen sie wenig Gutes über diesen Lehrer zu erzählen. In den zwanziger Jahren hat dann Schützendorf Eudenbach verlassen.

(Der Redaktion wurde noch folgende Begebenheit über Lehrer Schützendorf zugetragen: Als er einmal im Dunkeln unterwegs war, bezog er von unerkannten Oberhauern Bürgern eine Tracht Prügel. In der Annahme, daß es sich um eine Verwechslung handele, schrie der so malträtierte: „Aber, aber, ich bin der Lehrer Schützendorf", worauf er nur zu hören bekam: „Der sollste och sen.")

Bedingt durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre wechselten die Lehrer und Lehrerinnen häufig an der Schule in Eudenbach. Abschließend zu diesem Thema sei noch erwähnt, daß am 3. Juli 1949 der Grundstein für eine vierklassige Schule in Eudenbach gelegt wurde.

Kehren wir nach Quirrenbach zurück. Die christliche Religion war tief und fest verwurzelt in diesem Dorf, und die religiöse Tätigkeit sowie der Wille, zu Gottes Lob und Ehr Opfer zu bringen, waren groß. Trotz der damaligen Armut brachten die Bewohner von Quirrenbach und Umgebung die Energie auf, am 29. August 1734 – lt. Chronik im Kirchenarchiv von Oberpleis — im Dorf ein Missionskreuz zu errichten und später um dieses Kreuz eine Kapelle zu bauen. Aber lassen wir die Chronik selber sprechen. Die Sprache der Chronik versetzt uns in die damalige Zeit zurück und ist deutlicher als jede Umschreibung oder Deutung. Es heißt da also: „Es war im Jahre 1734, da Hiesige ein Kreuz der heiligen Mission zu Oberpleis bei den Wohlerwürdigen Missionars hat benediciren lassen. Das Holz zum h. Missionskreuz hat der ehrsame Peter Quirrenbach und Johann Jakob Limbach von Severin Kirschbaum gekauft für 2 Reichstaler“. Von den beiden Männern Quirrenbach und Limbach ging auch die Anregung aus, um das Kreuz eine Kapelle zu errichten. Die Chronik berichtet, daß „die beiden wohlachtbaren Nachbarn Limbach und Quirrenbach ihre Mitbürger angemahnt um eine Beisteuer zu einem Bau um das h. Kreuz die Andacht bei verdrießlchen Wetter im Regen und Winter verhinderlicht zu halten, also ein jeder Nachbar nach seinem Vermögen und belieben eine Beisteuer geleistet auch die Vorschläge getan, um eine Kapelle zu bauen“.

Die Bürger des Dorfes kamen überein, eine Kapellengemeinde zu gründen, zu der auch die Ortschaften Neuenhof, Hühnerberg, Gratzfeld und Rostingen gehören sollten. Dank der starken und tatkräftigen Eigeninitiative hat lt. Chronik der Rohbau bereits am 29. November 1734 gestanden.

Im Jahre 1948 hat die Kölnische Rundschau zu ihrem Artikel: „Tausend Jahre Quirrenbach" in ihren Heimatblättern für den Siegkreis die Chronik weiter befragt und festgestellt, daß besonders folgende Spender zum Bau der Kapelle beigetragen haben: Peter Quirrenbach, der fünf Reichstaler, 22 Albus und an hundert Fuß Bauholz beigesteuert hatte, sein Namensvetter Hans Heinrich Quirrenbach, Johannes Jakob Limbach, Frings, Quink, Hans Görg Neuenhöfer, Gumbrich Greiff, Katharina zu Gratzfeld und ihr Éidumb Johannes Theis, die alle Geld, Holz und andere Baumaterialien unentgeltlich zur Verfügung stellten. Andere Nachbarn waren als „Terminarii" (Almosensammeln) im Kirspel Gilgenberg gewesen und damals eingebracht 10 Reichstaler“.

Die Chronik geht dann weiter ins Einzelne, indem sie die Löhne für die fachgerechten Maurer und Zimmerleute aufführt. Sie weiß zu berichten über die Anschaffung von „steinernen Bildern" aus Königswinter, die Auslagen für die „Glock", den Altar, für zwei Engel mit den Passionszeichen „Meister Isac Ferber hat den Tabernakel auf dem Altar gemacht für zehn Taler“. Der Tabernakel war so gehalten, daß die vordere Seite eine Bekleidung hatte, die man je nach Bedarf umdrehen konnte. So hatte beispielsweise der Tabernakel bei einer Seelenmesse eine schwarze Vorderseite, während bei den übrigen Messen die weiße Seite nach vorne gekehrt wurde. Die Altartücher ließ man bei den Kapuzinern in Linz weihen.

„Anno 1735, den 7. Dezember, ist das Klöckelchen zu Cöln bei Meister Engelbert Joseph Fuchs durch Herrn Johann Heinrich Quirrenbach gekauft worden. Das Klöckelchen ist ins Türmchen gehängt worden am 20. September 1735, auf den Namen Xaverius“. Der Leser wolle gütigst übersehen, daß dem Chronisten hier ein kleiner Fehler unterlaufen sein muß. Das „Klöckelchen" , kann nicht gut ins „Türmchen" gehängt worden sein, bevor es gekauft war. Es wäre möglich, daß die beiden Daten vertauscht wurden, daß man die Glocke im September 1735 kaufte und im Dezember 1735 montierte.

Die Familie Quirrenbach hat sich sehr um das Wohl der Kapelle verdient gemacht. „Anno 1742, den 6. September, hat Peter Quirrenbach als ein Gutthäter und sonderbarer Eiferer der Andacht, wie auch ersterer Urheber des Kreuzes und der Kapelle beim Generalvikariat Köln die Erlaubnis zum Messelesen beantragt“. Damit sollte der Bevölkerung der weite Kirchweg nach Oberpleis erspart werden. Man erreichte, daß an 24 Tagen im Jahr eine Messe gelesen wurde. Die Kapelle hatte eigens Kirchengewänder für Priester und Meßdiener. Ein kleines Harmonium sorgte für die Ausschmückung des Gottesdienstes. So hatte Quirrenbach vorerst für über hundert Jahre eine würdige Stätte für gottesdienstliche Verpflichtungen. Die im Laufe der Zeit auftretenden Schäden wurden stets von der Bevölkerung selbst behoben.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 6 vom 10.02.1978; Fotograf unbekannt; Bericht: Peter Anders
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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