Aufnahme: 1977

JODOKUS zum HÖREN: Wat us Ahle säte (Teil 2)*


Lehrer haben es heutzutage mitunter recht schwer - Lehrerinnen natürlich auch. Und wenn im Rahmen ihrer Tätigkeit dann auch noch mundartliche Liedertexte aus der Ahnenkiste auftauchen, sind die Eltern der anbefohlenen Pänz nicht selten die letzte Übersetzungshoffung. Kein Wunder, denn nicht alle Lehrer und Lehrerinnen sind mit einem örtlichen Dialekt auf der Zunge groß geworden oder haben ihn gar mit der Muttermilch eingesogen.

So bekamen denn im Monat November irgendwo Kinder und Eltern ein paar dialektische Nüsse zu knacken, die es in sich hatten. Genauer gesagt, kurze St. Martin-Liedertexte aus Großvaters Zeiten:

„Zänt Mätes wolle iere mier. - Met Löchte on Zänt Mätesflüe."

Eine gewissenhafte Mutter wollte es genau wissen. Mit vereinten Kräften kamen wir hinter das Geheimnis der ersten Zeile: „Sankt Martin wollen ehren wir . . ." Auch die „Löchte" brachten uns nicht in Verlegenheit, schließlich sind damit die vielen Laternenlichter gemeint. Bei „Zänt Mätesflüe" aber war der Ofen aus. Das Wort verfolgte mich zwei Stunden lang und überlagerte sogar unser ganzes Mittagessen. „Mätesflüe" - was konnte damit gemeint sein? Sollte der Gaul von Sankt Martin vielleicht Flöhe haben? Wenn es wirklich so wäre, wer ehrt dann aber einen so großen Heiligen schon mit Laternen und Flöhen?

Die Pferdeflöhe ließen mich einfach nicht mehr los, bis am Nachmittag mein Goldstück Amanda beiläufig fragte: „Wann wüd dann ejentlich en Dolldep et Mätesfüe  affjebrannt?"

Das war die Erleuchtung. In „Zänt Mätesflüe" hatte der Tippfehlerteufel ein überflüssiges L hineinpraktiziert. Es mußte einfach „Zänt Mätesfüe" heißen. Und damit hatte der Liederreim plötzlich einen Sinn, nämlich: „Sankt Martin wollen ehren wir, mit Leuchten und Sankt Martinsfeuer." Ganz einfach, wenn mans weiß. - Und nun wieder viel Vergnügen mit einer weiteren Fortsetzung:

Wat us Ahle säte
„Fößje bei Mol hale" eß jet, wat högkzedag kom noch ene det. - Us Ahle äffer woßten net andisch. E kleen Jehöch, en Jeß em Stall, ene Holzbock em Schopp, on dobei ene Schwarm Wechter, dat me ovends aan de zehn Fingere affzälle mot, öm ze wesse, off se alle dehem wore. Do konnt kene jruß Feddiche en de Luff bloose. On wenn dann imme noch e paar Pänz dobeikome, wud metunger och at ens ene Joß Wasser en de Jersch on Äepel jeschodt. De Ahle maaten do ke Hehl drus, on wenn e schluchich Kend en Schnuut maache dät, säten se: „Wat wellste dann. - Wo de Säu vill sen, do wüt et Jeschläbbisch dönn."

Et wor net imme Flesch em Döppe, jeläjentich dät me sich sujar met jepellte Quallmänner bejnöje. Dovon stond dann en janze Komp voll om Desch, on wem me mem Kniepche e Stechelche Botte an de Ömmes jedon tat, dät me de Äepel en et Salzdöppe stippe on met enem Täßje Muckefuck jenöchlich verkimmele. Us Ahle han net vill op de huh Kant jeläch. Do blev off net emol jet Sonndagsjeld fü de Pänz üvverig. Wenn ene deswäje dann en Schnüß trecke wollt, helt ehm de Vatte de oppe Hand vür et Jeseech in sät: „Dann plöck me do ens e Hoor druus!"

Arm sen wor ken Schand, me mot et nur en Ihre drage. Et jov äffer och Lögk, die met de letzte Jrosche sühle jinge on dehem ken Schnett Brudt em Schaaf hatte. Von dene säten dann de Nopere: „Jo, jo, - Kirmes op de Strooß on Quatember em Hus."

Frößele von  Hell bis Stechendüster. - Tööle konnte me nur aan Fierdäg. Irsch wann samstags de Ovendjlocke kleppe däte, säten de Buure: „Et lögk en de Sonndagsbotz-." Dann wor em Stüffje et Jebönn jeschuurt, on dann kom och en Spreet op de Desch. Manchimol  sujar en janz schöne, wo de Jroß ode de Tant en Iwigket lang dran jehäkelt hat.

Wann fröher ene rührije Vatte en sigem Familieschmölzje och noch e Jerenn Mädche hat, wor off de Düwel em Bösch. Dann hesch et net selden: En Hääd Fraulögk eß schwere ze hööde, als ene janze Sack voll Flüh."  Et Karrassiere wor bei suvill Wiever och imme e bißje kompliziert. Do soll emol ene Vatte met de Fuhs op de Desch jehaue on für su ene Kabänes wödich jesat han: „Verdammich nochemol, unger minge Fraulögk wüd net jemus.  - He jeht et jefällichs de Reih no." Kom et dann äffer doch vür, dat et jüngste Mädche vür de äldere Schwestere hierode dät, säten de Lögk:  „Bei dene wihes och at de Jromerich durch et ahle Jras."

Et Mene on Sage log jo fröher janz noh beieneen. Selvs wann et öm Krankhete jing, nohm kene e Blatt vür de Muul. On wenn dann em ieskale Wenter och noch ene uussoh, als könnt me ehm et Evangjelium durch de Bakke bloose, hesch et off : „Dä wüd och de Kuckuck net mie sänge hüre." Nur wann de Jroßvatte selvs öndlich de Peps hat on de Tant Jriet sich e bißje vill öm de Jesondhet vom ahle Mann kömmere dät, ment de Opa: „Mach de ken Sorg, Jriet - ech sen ene friede Knuure. - On date Bescheed weß, met dinge Knauche wäden ech noch no de Nöß schmieße."

Ihrlich, off jingen enem de Uusdröck von de Ahle bis unger de Hudt, besondisch wann öm de Meddagszigk de Dudejlock lögge dät on de Opa sät: „Hadde  jehürt? -Do hät at widde ene singe Löffel falle jeloße."

Högk sen de Lögk jo all vill pinibele on sagen net mie ihrlich wat se denke. Äffer trotzdem - hoffe me, dat me all use Löffel noch lang en de Hand hale könne, 

ment JODOKUS

Übersetzung ins Hochdeutsche:

Was unsere Alten sagten (Teil 2)

„Fößje bei Mol hale“ (?) ist etwas, das heutzutage kaum noch einer tut. Unsere Alten aber wussten nicht anders. Eine kleine Behausung, eine Geiß im Stall, ein Holzbock im Schuppen, und dabei ein Schwarm Kinder, dass man abends an den zehn Fingern abzählen musste, um zu wissen, ob sie alle daheim waren. Da konnte keiner groß Federchen in die Luft blasen. Und wenn dann immer noch ein paar Kinder dazukamen, wurde mitunter auch schon einmal ein großer Guss Wasser in die Gerste-und-Kartoffelsuppe geschüttet. Die Alten machten daraus keinen Hehl, und wenn ein Kind ohne  Appetit eine Schnute zog, sagten sie: „Was willst du denn. Wo der Schweine viele sind, wird das Geschlabberte dünn.“

Es war nicht immer Fleisch im Topf, gelegentlich begnügte man sich sogar mit gepellten Kartoffeln. Davon stand dann eine ganze Schüssel voll auf dem Tisch, und wenn man mit dem Küchenmesser einen kleinen Stich Butter an den Brocken getan hatte, tunkte man die Kartoffeln in den Salztopf und verschmauste sie zufrieden mit einem Tässchen Malzkaffee. Unsere Alten haben nicht viel auf die hohe Kante gelegt. Da blieb oft nicht einmal etwas Sonntagsgeld für die Kinder übrig. Wenn einer deshalb eine Schnute ziehen ziehen wollte, hielt ihm der Vater die offene Hand vor das Gesicht und sagte: „Dann pflücke mir da einmal ein Haar heraus!“

Armsein war keine Schande, man musste es nur in Ehren tragen. Es gab aber auch Leute, die sich mit den letzten Groschen suhlten (?) und daheim keine Schnitte Brot im Schrank hatten. Über die sagten dann die Nachbarn: „Ja, ja, Kirmes auf der Straße und Quatember (Fastenzeit) im Haus.“

Arbeiten von Hell bis Stockdunkel. - Faul sein (?) konnte man nur an Feiertagen. Erst wenn samstags die Abendglocken läuteten, sagten die Bauern: „Es läutet in die Sonntagshose.“ Dann war im Stübchen der Holzfußboden gescheuert, und dann kam auch eine Decke (?) auf den Tisch. Manchmal sogar eine ganz schöne, an der die Großmutter oder die Tante eine Ewigkeit lang gehäkelt hatte.

Wenn früher ein rühriger Vater in seinem Familiengrüppchen auch noch ein Gerinn (?) Mädchen hatte, war oft der Teufel im Busch. Dann hieß es nicht selten: „Eine Herde Frauen ist schwerer zu hüten als einen ganzen Sack voller Flöhe.“ Das Freien war bei so viel Weibern auch immer ein bisschen kompliziert. Da soll einmal ein Vater mit der Faust auf den Tisch gehauen und zu so einem Kerl wütend gesagt haben: „Verdammt noch einmal, unter meinen Frauen wird nicht gemaust. Hier geht es gefälligst der Reihe nach.“ Kam es dann aber doch vor, dass das jüngste Mädchen vor den älteren Schwestern heiratete, sagten die Leute: „Bei denen wächst auch schon der Jromerich (?) durch das alte Gras.

Das Meinen und Sagen lag ja früher ganz nah beieinander. Selbst wenn es um Krankheiten ging, nahm keiner ein Blatt vor den Mund. Und wenn dann im eiskalten Winter auch noch einer so aussah, als könnte man ihm das Evangelium durch die Backen blasen, hieß es oft; „Der würde auch den Kuckuck nicht mehr singen hören.“ Und wenn der Großvater selbst ordentlich erkältet war und die Tante Grete sich ein bisschen viel um die Gesundheit des alten Mannes kümmerte, meinte der Opa: „Mach dir keine Sorgen, Grete, ich bin ein fester (?) Knorren. Und dass du Bescheid weißt, mit deinen Knochen werde ich noch nach den Nüssen werfen.“

Ehrlich, oft gingen einem die Ausdrücke der Alten bis unter die Haut, besonders wenn um die Mittagszeit die Totenglocke läutete und der Opa sagte: „Habt ihr gehört? Da hat wieder einer seinen Löffel fallen gelassen.“

Heute sind die Leute ja schon viel pingeliger und sagen nicht mehr ehrlich, was sie denken. Aber trotzdem – hoffen wir, dass wir alle unseren Löffel noch lange in der Hand halten können,

meint JODOKUS.

Anmerkung der Museumsredaktion: Wenn Sie uns bei den Mundartausdrücken, die wir oben nicht übersetzt, sondern übernommen haben, oder deren Übersetzung wir mit einem Fragezeichen versehen haben, hinsichtlich ihrer Bedeutung weiterhelfen können, sind wir Ihnen dankbar. Melden Sie sich bitte gegebenenfalls über den Link ganz unten. Vielen Dank!

Medien & Downloads

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Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 50 vom 16.12.1977; Text: Jodokus (Jean Assenmacher)
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ) Zum Hören hier klicken.
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