Wochenendfahrt der Kolpingsfamilie Oberpleis nach Trier und Luxemburg -Nachlese-

Aufnahme: 1977

Wochenendfahrt der Kolpingsfamilie Oberpleis nach Trier und Luxemburg -Nachlese-

Nun gehört sie der Vergangenheit an, die am 14. und 15.5.1977 durchgeführte Fahrt. Fünfzig mal Freude, Spaß und Entspannung bescherte sie; denn 50 Mitglieder und Freunde der Kolpingsfamilie machten von der gebotenen Möglichkeit Gebrauch, in unser Nachbarland Luxemburg nach Übernachtung in Trier mal kurz hineinzuschauen. Vorbereitung der Fahrt, Programm und Reiseleitung lagen in der bewährten Hand des Andreas Müllenholz, dem für die ehrenamtliche Organisation an dieser Stelle Dank gesagt sei!

Pünktlich am Samstag in aller Frühe begann die Fahrt in dem bereits von der Wien-Fahrt her bekannten Reisebus. Sie führte über Bonn, Meckenheim, Altenahr, Ulmen und Wittlich an die Mosel. Bekannte Weinorte wie Piesport, Dhorn und Klüsserath ließen uns Teilnehmer an die im Programm vorgesehene Weinprobe in Trier denken. Unser Tagesziel war nämlich Trier an der Mosel. Diese um 15 n. Chr. von den Römern gegründete Stadt erreichten wir am frühen Vormittag. Vor der vorgesehenen Stadtrundfahrt unter Führung eines Fremdenführers wurde erst einmal der Petrisberg erfahren und hier in dem gleichnamigen Hotel eine Kaffeepause eingelegt. Herrlich war die Aussicht auf das unter uns liegende Trier! Die Kolpingsfamilíe scheint bei ihren Ausflügen das schöne Wetter gepachtet zu haben, denn es schien sogar die Sonne.

Nun zu Trier selbst: Es wird behauptet, daß vor Rom diese Stadt bereits stand. Bevor die Römer das Gebiet eroberten, sollen gallísch-keltische Stämme hier in der durch eine Moselfurt begünstigten Talweite gesiedelt haben. Funde aus der vorrömischen Zeit erhärten diese Behauptung. Während der Besichtigung der Stadt kann man seinem Vorstellungsvermögen freien Raum geben. Ob man vor der Porta Nígra steht und im Geiste die alten Römer durch die Pforte ziehen sieht, oder ob das von Erzbischof Poppo daneben erbaute Simeonsstift zurückwandern läßt in das 11. Jahrhundert, immer ist man angetan von den Leistungen, die Menschen in der Vergangenheit erbrachten.

Will man die Geschichte der Stadt zurückverfolgen, dann sollte man das städtische Museum aufsuchen. Es verfügt über viele stadt- und kunstgeschichtliche Bestände. Der Trierer Dom, imposant in seiner Vielgestaltigkeit, verkörpert die hohe Baugesinnung und die architektonische Kraft der salischen Kaiserzeit und steht an Monumentalität den römischen Großbauten nicht nach. Ja, die Römer! Sie wußten zu leben und zu gestalten. Ihre Bauwerke findet man auf Schritt und Tritt. Allein die von Kaiser Konstantin etwa um 300 n. Chr. errichtete Aula Palatina, die sogenannte "Basilika", die noch als Teil seiner ehemaligen Residenz erhalten ist, legt Zeugnis hiervor ab. Diese Basilika ist späterhin vielseitig genutzt worden. Nach der Römerzeit saßen die jeweiligen Erzbischöfe als Landesherren in dem Palatium. Dem danach eintretenden langsamen Verfall machte im 19. Jahrhundert der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. ein Ende, der die Restaurierung veranlaßte und die Basilika der evangelischen Gemeinde von Trier als Gotteshaus übergab. 1944 wurde sie durch Brandbomben zerstört. Auf Betreiben unseres Alt-Bundespräsidenten Theodor Heuß wurde sie jedoch vor dem Verfall gerettet. Seit 1956 dient sie wieder der evangelischen Gemeinde als Kirche. Für Sauberkeit und Entspannung schufen sich die Römer zu Konstantins Zeiten die Kaiser-Thermen im Osten der Stadt und die Barbara-Thermen unweit der Römerbrücke. Diese Anlagen sind noch heute durch Fundamentreste markiert. Das römische Amphittheater am Hange des Petri-Berges wurde um 100 n. Chr. errichtet. Noch heute läßt es den Betrachter die Freizeitgestaltung der Römer erahnen.

Noch vieles wurde unserer Reisegesellschaft vor Augen geführt. Alles aufzuzählen, würde zu weit führen. Besser ist es, wenn man selbst sieht und hört. Die Einnahme des Mittagessens im Restaurant "Alter Domstein" verlief nach Programm, so daß rechtzeitig im "Eurener Hof" in Trier- Euren die Nachtquartiere zugeteilt werden konnten. Nach dem gemeinsamen Abendessen kam nun die Stunde der Weinprobe in den Kellern der Bischöflichen Weingüter in Trier. An 10 Weinsorten in der Preislage von 5,-- DM bis 80.-- DM je Flasche konnte jeder kostenlos und unverbindlich seine Geschmacksfähigkeit erproben. Nachschlag wurde sogar gewährt und der Brötchenkorb mußte oft aufgefüllt werden. Kein Wunder, daß wir langsam aber sicher zu singen anfingen. Sogar der Kellermeister, der uns durch seine Erläuterungen mit den Weinsorten vertraut machte, bekam ob des Probierens rote Backen. Am nächsten Morgen ging es nach einem deftigen Frühstück um 7.30 Uhr nach Luxemburg hinein. Unser Busfahrer, Peter Krautscheid, witzelte, daß unsere Reiseleitung ja ganz gut sei. Jedoch etwas längeren Schlaf hätte sie uns schon gönnen können. Nun, wir mußten uns ja beeilen, rechtzeitig in der Hauptstadt des kleinen Großherzogtums einzutreffen, da es aller Wunsch war, noch vor der Stadtbesichtigung zur Messe zu gehen. Luxemburg ist ein Großherzogtum mit 2586 qkm Fläche und 335.000 Einwohnern. Die Hauptstadt gleichen Namens hat ca. 90.000 Einwohner. Der Norden des Landes heißt Ösling und umfaßt einen Teil der Ardennen, der südliche Teil, Gutland genannt, gehört zum lothringischen Stufenland und ist sehr fruchtbar. Die Amtssprache ist französisch, "letzeburgisch", die Umgangssprache der Bevölkerung. Da letzeburgisch ein moselfränkischer Dialekt ist, kommt man mit unserem Deutsch gut zurecht.

Bevor wir die Hauptstadt des Landes erreichten, machten wir einen Abstecher zu dem amerikanischen Soldatenfriedhof Hamm und zu dem deutschen Soldatenfriedhof Sandweiler. Monumental der amerikanische mit dem offiziellen Namen "Luxembourg-Cemetery" und seinen 5076 bestatteten Soldaten. Dem gegenüber wirkt der deutsche Soldatenfriedhof mit seinen 10.885 Toten einfacher. Meiner Meinung nach lädt er aber eher zu einem stillen Gebet ein. Beide Friedhöfe sind bestens gepflegt.

Rechtzeitig zum Beginn des Gottesdienstes erreichten wir die Stadt Luxemburg. Hätte unser Reiseleiter gewußt, daß wir Gelegenheit bekamen, in der Kathedrale Notre Dame einem Pontifíkalamt beizuwohnen, an welchem der Großherzog mit Familie, Regierungsmitgliedern und hohe kirchliche Würdenträger teilnahmen - u.a. waren Kardinal Frings und Weihbischof Plöger anwesend - er hätte sicherlich das Vormittagsprogramm nur hierauf ausgerichtet. Es war ein Erlebnis! Die anschließende Stadtrundfahrt, bei welcher uns die Geschichte Luxemburgs nähergebracht wurde und uns durch Ober- und Unterstadt führte, ließ den Eindruck des Erlebten in der proppenvollen Kathedrale nicht verwischen. Das Pontifikalamt wurde aus Anlaß des Abschlusses einer Gebetswoche zu Ehren Mariens gehalten. Am Nachmittag führte eine Prozession durch die Innenstadt. Innenstadt und Palast des Großherzogs waren deshalb reich geschmückt. Wir konnten allerdings nicht teilnehmen, denn erstens mußten wir nach dem Mittagessen, das wir in dem Restaurant "Op der Genn" (auf der Tenne) einnahmen, die Rückfahrt antreten und zweitens hatte uns der Großherzog nicht zum Empfang geladen, den er nach der Prozession gab. Auf dem Rückweg durchfuhren wir einen Teil des Ösling und zwar durch das Mullertal in der luxemburgischen Schweiz, um nach Vianden zu gelangen. Durch Straßenbauarbeiten bedingt, konnte der Bus nicht in die Stadt hinein, so daß die hier vorgesehene Kaffeepause erst in Neuerburg in der Eifel eingelegt wurde. Durch das Umfahren der Stadt Vianden bekamen wir aber einen guten Eindruck von der Mächtigkeit des bekannten Kovernen- Kraftwerkes. Über Prüm, Stadtkyll, Blankenheim und Bad Münstereifel ging der Heimweg. Bad Münstereifel wurde uns von Andreas Müllenholz, der hier einen Teil seiner Schulzeit verlebte, durch eine Stadtrundfahrt nahegebracht. Gegen 20.00 Uhr hatte uns Oberpleis wieder. Es war ein schönes Wochenende!

Wer eine Fahrt mit der Kolpingsfamilie noch nicht mitgemacht hat, dem gilt meine Anregung: Mach mal mit! Übrigens: Für den 24. bis 30. September 1977 ist eine Studienfahrt nach Paris mit Ausflug zu den Schlössern an der Loire geplant. Anmeldung bis 31.7.1977 bei der Kolpingsfamilie Oberpleis, Siegburger Straße 244, 5330 Königswinter 21, Tel.: 02244/2542.

Kurt Petrikowski

Quelle
Pfarrfamilie St. Pankratius Oberpleis Nr. 4 / Aug. / Sept. 1977 1972
Zur Verfügung gestellt von
Edith Jarzombek / Pfarrbüro St. Pankratius Oberpleis Zur Galerie: Der Müllenholz Matthias
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