Aufnahme: 1976 (ca.)
Ölberg - Auelberg - Auel - Uhle - Topf
Herkunft und Bedeutung des Namens, ausgelegt von Prof. Dr. Werner Heinen
Der Auelberg als höchster und in seiner Form einmaliger Gipfel des Siebengebirges, als Mittelpunkt des schon frühmittelalterlichen, ja vorkarolingischen Auelgaus, hat in deutschen Mittelgebirgen nicht seinesgleichen.
Nach ihm ist auch der ganze Bereich des Mittelrheins seit undenklichen Zeiten benannt worden.
Die Leser der Siebengebirgs Zeitung schulden daher sowohl einem der berühmtesten Dichter der romantischen Schule, Ernst Moritz Arndt, sowie dem Geschichtsprofessor Heinrich Neu großen Dank dafür, dass Prof. Neu nach einer ebenso verständnisvollen wie allgemeinverständlichen und gründlichen Einleitung einen wesentlichen Teil des Werkes von Ernst Moritz Arndt: "Wanderung um Godesberg und seine Umgebung" der unverdienten Vergessenheit entrissen und hier dem Leser unserer Tage und sicherlich auch künftigen Generationen dargestellt hat. (Ausgaben Nr. 4, 6, 8, 10, 1'2/36. Die Redaktion).
Wenn ich mich an dieser Stelle zu Wort melde, so geschieht dies keineswegs als Kritik an dem Dichter E. M. Arndt, einem der bahnbrechendsten Dichter der Romantischen Schule, der erst 1860 in Bonn gestorben ist, noch an der verdienstvollen Arbeit von Prof. Neu, sondern nur, weil Arndt, der die Bezeichnung "Ölberg" ablehnt und nur von Auelberg spricht, sowie vom Auelgau, eben dieses Wort "Auel“ wohl doch nicht ganz richtig von einem "zerklüfteten Gebirgsstau" herleitet, obwohl wie ich an dieser Stelle zu beweisen beabsichtige das Wort "Auel“ von Uhle = Topf herkommt.
Vom Auelberg nach Norden gibt es noch einen kleinen, in der Tertiärzeit nicht durchbrochenen Basalthügel, der von den Einheimischen als "Kleiner Ölberg" bezeichnet wird. Nicht weit davon entspringt der Lützbach (mittelhochdeutsch = kleiner Bach), der die Straße von Oberpleis nach Dollendorf bei dem Gasthaus „Auel" unterquert. Hier taucht der Name "Auel" zum ersten Mal auf.
Einige hundert Meter weiter nach Hasenboseroth befindet sich ein seit vielen Jahrhunderten immer wieder benutztes, sehr tiefreichendes Tonbergwerk, das in meiner Kinderzeit von den Einheimischen bescheidenerweise das "Erdenkühlchen" genannt wurde. (Ein eindrucksvolles Foto dieser besonders wichtigen, uralten Tongrube findet sich auf dem Titelbild der Siebengebirgs Zeitung Nr. 35 vom 28. 8, 1975). (Foto: Paul Bachem).
Am Westende der Provinzialstraße von Dollendorf nach Oberpleis befindet sich ein kleines Haus, das einst der Gemeindeverwaltung gehört haben muss, denn hier wohnte der Gemeindepolizist, der übrigens keine obrigkeitlichen Befugnisse hatte. Die hatte der damals gefürchtete "Schandarm", dessen Name und Wohnort ich vergessen habe. Es ist ja auch schon beinahe achtzig Jahre her. Besagtes Haus hieß allgemein die "Kannefabrik".
Um nun wieder auf die Bezeichnung "Auel“ = Uhle, Topf, zurückzukommen, sei auf verschiedene Punkte hingewiesen, bzw. Ortschaften, denen die Bezeichnung "Uhle" = Topf zugrundeliegt.
Am nördlichen Auelberg entspringt ein zweiter Bach, der durch Heisterbacherrott fließt und bei Birlinghoven in den Pleisbach mündet. An seinem Unterlauf liegt das Dorf Oelinghoven.
Der frühmittelalterliche Auelgau, der wahrscheinlich schon in die vorkarolingische Zeit zurückreicht, erstreckte sich zu beiden Seiten des Rheines, etwa von Rheinbrohl bis zum Niederrhein. Hier begegnen uns immer wieder, jedoch nur in Tallagen oder Senkungen, Orts und Flurbezeichnungen mit dem Wortteil "Uhl" und „Auel“. So in den Niederungen der Eifel etwa Schwammenauel, an der Agger das Schloß Auel und im mittleren Bröhltal die Ingersauelermühle. Und in Siegburg gibt es eine Auelgasse.
In der niederrheinischen Gegend erklärt man sich die Benennung des im Süden von Essen gelegenen Sport- und Ausflugsziels Uhlenkrug durch eine Verdoppelung der beiden Wörter Uhle und Auel = Krug, wenngleich es dort auch Meinungen gibt, die den Ursprung des Namens auf Eulental zurückführen.
In der Umgebung von Oberpleis, um hier den Kreis zu schließen, gibt es eine Waldgemarkung, die seltsamerweise "Haus Ölgarten" heißt, wobei man freilich auch an die Zwiebel denken könnte, die hierzulande Öllich heißt. In der flachen Senke zwischen den Honnefer Bergen und der Löwenburg schließlich gibt es noch das "Auge Gottes". Ich möchte mich hier nicht festlegen, aber es ist durchaus möglich, dass es sich auch hier um eine Ableitung von "Auel" handelt.
Mit diesen wenigen Beispielen, denen man noch viele andere hinzufügen könnte, möchte ich doch sagen dass der Name "Auelgau" ziemlich eindeutig auf Auel = Uhle = Krug zurückzuführen ist, wenn auch andere Erklärungen nicht grundsätzlich abzulehnen sind.
Was meine hier dargelegten Deutungen der Bezeichnung "Auel" anbetreffen, so beruhen sie, abgesehen von dem Interesse, das ich an meinem Heimatort Oberpleis, wo ich geboren bin und Kindheit und Jugend verlebte habe, auch auf eingehenden kulturhistorischen Forschungen und Vorarbeiten zu einigen meiner Bücher und Schriften, die im engeren oder weiteren Heimatbereich spielen:
1934 erschien beim Verlag Kösel in München mein Roman "Rubin im Basalt', worin vom Stollenbergbau im Schürfen nach Erzen im gesamten rheinischen Mittelgebirge, so auch im Hinterland von Oberpleis, von der Römerzeit bis in die Jahrhundertwende und darüber hinaus die Rede ist. 1949 erschien bei der "Bonner Buchgemeinde" in Bonn "Die Insel", Geschichte einer Kindheit, wo das Oberpleis zu Anfang dieses Jahrhunderts den Rahmen bildet. Hier geht es mehr oder eigentlich um menschliche Beziehungen. Wohingegen in meinem langen epischen Gedicht "Die Sturmglocke von Oberpleis", erschienen in den zwanziger Jahren, allein die Kulturgeschichte von Oberpleis zugrundeliegt. Nebenbei möchte ich erwähnen, dass eben jene von mir behandelte „Sturmglocke" in den Separatistenkämpfen zerschlagen wurde und heute als mahnendes und einzigartiges Kriegerdenkmal auf dem alten Friedhof neben der Oberpleiser Kirche steht, wo früher einmal der Fachwerkbau der alten Volksschule stand.
Schließlich und endlich werden sich noch viele ältere Einwohner von Oberpleis und Umgebung an mein „Oberpleiser Tausendjahrspiel" erinnern können, das zur Tausendjahrfeier von Oberpleis im Jahre 1948 eine Woche lang im ausverkauften Saal Bellinghausen unter der Regie von Helmut Reuter und der einfühlsamen Bühnenausstattung des verstorbenen Adolf Dahs vom Kolpingsverein mit ausgezeichneten Laienspielern aufgeführt wurde. In diesem Spiel habe ich die Menschen in diesem Teil des „Auelgaues" dargestellt, die um die Jahrtausendwende zumeist von der Töpferei lebten und Krüge und jegliche Tonwaren herstellten und kein leichtes Leben hatten unter den Fronvögten.
Zur Veranschaulichung sei zum Schluß noch einmal das „Töpferlied" aus dem 2. Akt hier wiedergegeben:
Aus dem "Oberpleiser Tausendjahrspiel" 2. Akt, 1. Szene.
(Drei Töpfer aus Oberpleis sind bei ihrem Handwerk und treten mit ihrem Füßen die schwere Töpferscheibe. Über der Mitte der Scheibe steht die Säule, auf dieser wiederum eine zweite Scheibe, auf der unter Drehung mit den Händen des Töpfers sich die Form der Gefäße bildet.)
Töpferlied
Dreh dich Scheibe, drehe, drehe,
Mir zum Wohl und nicht zum Wehe,
Dass ich so mit meinen Händen
Und auch mit der Kraft der Lenden
Forme einen schönen Krug,
Wie ihn einst Rebekka trug
Auf dein Haupte bei dem Bronnen.
Isaak wartete versonnen.
Dreh dich, dreh dich, schwere Scheibe,
Dass die klare Form verbleibe.
Langsam formt sie so der Teller,
Bringt nur einem feilen Heller.
Glocke tönt mit dumpfem Schall,
Bettler hocken am Portal.
Wie ich dich mit Füßen stoße,
Bleibt der Bettler in der Gosse.
Dreh dich Scheibe, dreh dich, drehe,
Bitter wie die Frucht der Schlehe
Ist die Liebe, ist das Leben.
Ton muss an den Händen kleben,
Eh die reine Form gelingt,
Wenn der Tag herniedersinkt.
Krug und Teller wächst zu schmalen
Klingend feinen Blumenschalen.
(In der nächsten Szene dringen die Büttel des Fronvogtes ein, überwältigen die Töpfer und zerschlagen die Tongefäße.)
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.