Aufnahme: 1975

Ortserschließung Bennerscheid - Mit gutem Willen und Gemeinsinn

"Die Einweihung von BAB-Teilstücken, neuen Umgehungs- oder Stadtstraßen ist ein häufiger Vorgang. Wenn aber eine große Erschließungsgemeinschaft die Einweihung ihrer fertiggestellten Straßen feiert, dann dürfte dies etwas Besonderes sein. So geschehen am Wochenende in Bennerscheid. Es begann vor 10 Jahren. Ein Einfamilienhaus entstand neben dem anderen; Bennerscheid wurde um etwa 2/3 vergrößert. Es wurde der Kanal gebaut und zur Kläranlage geführt. Die Vorgärten wurden individuell angelegt. Nur die Flächen für die vorgesehenen Straßen machten einen beängstigenden, teilweise gefährlichen Eindruck und waren zeitweise je nach Wetterlage nicht oder schlecht passierbar.

Aber auch diese Tatsache gehört nunmehr der Vergangenheit an. Gewissermaßen als Abrundung des Lebenswerkes einer jeden Familie, nämlich dem Bau eines eigenen Hauses, sind herrliche Parkstraßen entstanden. Eben mit gutem Willen und Gemeinsinn! Als vor zwei Jahren der Bürgerverein anregte, den Ausbau in Angriff nehmen, da schienen viele Schwierigkeiten dieses Vorhaben unmöglich zu machen. Die Anlieger mussten 90 Prozent der Kosten tragen und bei vielen war – und wo ist das schon anders — nach dem Hausbau die Kasse leer. Da gab es Schwierigkeiten und Ärger mit der Verwaltung der Stadt, die der Vertragspartner bei einer Erschließungsgemeinschaft ist und die restlichen 10 Prozent der Kosten tragen muss.
 
Aber dies wurde alles geordnet und ausgelotet. Unter der Federführung eines vierköpfigen Gremiums wurde mit den Anliegern gesprochen, die Gesamtkosten ermittelt und jedem Anlieger die Einzelkosten ausgerechnet. Schließlich waren 35 Anlieger überzeugt und bereit; es wurde ein gemeinsames Konto eingerichtet — und auch fleißig eingezahlt. Hierzu parallel liefen die Planungen der Stadt, die großzügig, schnell und entgegenkommend ihren Teil dazu beitrug, das angestrebte Ziel möglichst schnell zu erreichen, zumal das offizielle Ausbauangebot sehr günstig schien. So rückten im Frühsommer dieses Jahres die Baumaschinen an und schließlich war der Plan verwirklicht, war das Bild abgerundet, waren die vielen schönen Bungalows eingerahmt und eingefasst von neuen sauberen Straßen und Gehwegen.

Alle gemeinsam, die Anlieger, Vertreter der Stadt, Vertreter des Bürgervereins Königswinter-Ost, der Bauingenieur und auch der Inhaber der Baufirma haben nach getaner Arbeit diesen gelungenen Abschluss gefeiert. Mit Sicherheit war dieser Ablauf ein Zeichen dafür, dass solche Maßnahmen durchaus durchführbar sind. Allerdings müssen alle Beteiligten bereit sein, Opfer zu bringen und gemeinsam zu handeln. Die Fertigstellung der neuen Straßen feierten die Bürger Bennerscheids trotz strömenden Regens mit einem Straßenfest, welches man jedoch späterhin in einen Garagenraum verlegte. Bürgermeister Hank durchschnitt ein weißes Band an der Straße ‚Bennerscheider Heide‘ und gab somit die neuen ausgebauten Straßen für den Verkehr frei.
 
Bürgermeister Hank lobte diese wohl in der Bundesrepublik einmalige Initiative einiger Bürger. In seiner weiteren Rede sagte er, dass er in diesem Jahre bei seinem Frankreichurlaub französische Bürger getroffen habe, die ihn gefragt hätten, ob er Bennerscheid kennen würde. Als er dies erstaunt bejahte, meinten die Franzosen: ‚Wir kennen Bennerscheid auch, besonders das Schloß Neuglück. Dort haben wir für das französische Fernsehen gefilmt.‘ Bei den Franzosen handelte es sich um das Team der Kameramänner des französischen Fernsehens.
Dann wurde bei einem Glas Bier - oder mehreren - und einem Klaren, die Fertigstellung der Bennerscheider Straßen tüchtig gefeiert."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 49 vom 05.12.1975; Foto und Bericht: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Heimatverein Siebengebirge e.V. Königswinter
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