90 Jahre Anna-Kapelle in Pleiserhohn

Aufnahme: 1975

90 Jahre Anna-Kapelle in Pleiserhohn

Wie bereits in der vorigen  Ausgabe kurz berichtet, wird in diesem Jahre die  Anna-Kapelle in Pleiserhohn 90 Jahre alt.

Über die Geschichte der 90 Jahre verdanken wir der 16-jährigen Gabriele Krämer interessante Aufzeichnungen. Vor vier Jahren wurde den Schülerinnen und Schülern der Oberpleiser Realschule ein heimatkundliches Thema für einen Aufsatz gestellt. Gabriele Krämer nahm sich der Dorfkapelle in Pleiserhohn, ihres Heimatortes, an. Mehr als zwei Monate benötigte sie, in intensiver Kleinarbeit Material für einen Aufsatz zusammenzutragen. Jede freie Minute opferte die damals 12-jährige Gabriele als"Heimatforscherin" für ihre gestellte Aufgabe. Ihre Mühen waren nicht umsonst und haben sich gelohnt. Für ihren 24 Seiten umfassenden bebilderten Aufsatz wurde ihr die beste Note der Klasse gegeben. Gabriele Krämer bestand übrigens vor wenigen Wochen mit Erfolg ihre Reifeprüfung. Gabriele Krämer forschte bei den ältesten Einwohnern des Dorfes. So fing sie bei der Oma an. Doch die wußte nur von der vor zehn Jahren erfolgten Renovierung zu berichten.

Das war der Gabriele aber nicht genug. Und so ging sie zu einer achtzigjährigen Dame, die 40 Jahre die Kapelle betreut hat. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts soll es gewesen sein. Da befand sich im unteren Dorf ein Hochkreuz an der linken Straßenseite. Auf dem Längsbalken war der Corpus Christi eingeschnitzt. Es soll sich um eine wundervolle Schnitzereiarbeit gehandelt haben. Bei Sterbefällen, Geburten und bei der Maiandacht blies ein Mann in ein Horn.  Dann  versammelten sich die Dorfbewohner zum gemeinsamen Gebet. Das Horn ist noch vorhanden, ist 45 Zentimeter lang und sieht wie ein Alphorn aus. Das Horn trägt die Jahreszahl 1777. Auch viele Buchstaben sind auf dem Horn eingeritzt. Später fanden es die Bewohner Pleiserhohns nicht mehr  richtig, unter freiem Himmel zu beten. Kälte und Regen waren unangenehm. So beschloß man, eine Kapelle zu bauen. Man wählte den Platz beim Dorfbrunnen. Ein Dorfbewohner mit Namen Engelbert Eschbach fand auf seinem Grundstück große Basaltbrocken, die für das Fundament bestimmt wurden. Viele Wochen  waren  notwendig, um diese Brocken aus der Erde herauszuholen. Heinrich Losem zerkleinerte die Steine auf die für das Fundament bestimmte Größe. Die Erdlöcher sind noch heute zu sehen.

Peter Schneider baute die Kapelle dann mit Unterstützung aller Dorfbewohner, die vor 90 Jahren fest zusammenhielten. Als der Rohbau fertig war, wurde eine Zwangspause eingelegt.   Schuld daran war der strenge Winter. Im Jahre 1885 war es dann soweit.  Unter Teilnahme  aller Dorfbewohner wurde die Kapelle feierlichst eingeweiht. Auf der Vorderseite der kleinen Kirche sieht man auf einem Podest stehend die Madonne mit Kind. Warum die Kapelle nach der Mutter Anna genannt wurde, ist unbekannt. Der schöne Holzaltar, der von einer Dame aus Bonn gestiftet wurde, mußte wegen Holzwurmbefalls vor einigen Jahren durch einen Steinaltar ersetzt werden. Dabei wurde auch die Eichekommunionbank entfernt. Vor zehn Jahren wurde die Kapelle renoviert. Die sich hinter dem Altar befindliche Madonna wurde von dem verstorbenen Pfarrer Wichert aus Oberpleis gestiftet. Sie ist sehr wertvoll und stammt aus dem 17. Jahrhundert. Da im Zweiten Weltkrieg einige Fenster zerstört wurden, stiftete Pfarrer Wichert zwei Buntfenster in Bleiverglasung.

Die anderen zerstörten Fenster wurden von einem ehemaligen Dorfbewohner repariert. Die Kniebänke stammen noch aus  dem Jahre 1890. Bei der letzten Renovierung wurde auch der Fußboden erneuert und mit graublauen Steinplatten versehen. Der vor 90 Jahren errichtete Betonboden war rissig geworden. Über der Eingangstür zur Kapelle ist eine Gedenktafel. Darauf sind die Namen von drei gefallenen Kriegern verzeichnet, die sich um die Kapellengemeinde und um das Dorf verdient gemacht hatten. Sehr interessant ist auch der Kerzenleuchter aus dem Jahre 1889, der auch bei Versehgängen benutzt wurde. Vorhanden ist auch noch ein sogenanntes Nachbarschaftsbuch. In ihm sind alle  wichtigen Ereignisse aus dem Ort aufgezeichnet worden. Die Eintragungen in dem Buch beginnen schon im Jahre 1905. Im Juli dieses Jahres (1905) gründete man die Kapellengemeinde und einen Kirchenvorstand. Johann Wissmann wurde Hauptverwalter und erhielt dafür jährlich eine Vergütung von fünf Mark. Zur Deckung der Unkosten zahlte jede Dorffamilie pro Monat fünf Pfennig. In dem Buch sind auch alle Verstorbenen des Dorfes eingetragen worden.

Pfarrer Johannes Preuß zelebrierte in der Kapelle am Patronatstag eine Festmesse. Durch die Mitwirkung des Musikzuges "Bergklänge " aus Heisterbacherrott wurde der Gottesdienst besonders feierlich gestaltet. Im Anschluß daran vereinte man sich auf dem Platz bei der Kapelle zu einem zünftigen Frühschoppen, zu dem Musikanten aus Heisterbacherrott aufspielten. Bei diesem Frühschoppen hofften die Bürger, so wurde jedenfalls zum Ausdruck gebracht, daß ihre Kapelle in diesem oder im nächsten Jahre ein schöneres Aussehen erhält. Die Kapelle muß einen neuen Dachstuhl, ein neues Dach sowie einen Innen- und einen Außenanstrich erhalten. Außerdem soll der Kapellenvorplatz neu gestaltet werden. Die Kosten wurden mit rund DM 23 000,-  angegeben. Die Pleiserhohner können jedoch höchstens DM 6 000,- an  Spenden und Arbeitsaufwand erbringen. Man hofft, den Rest durch Zuschüsse der kirchlichen Behörden und der Stadt Königswinter decken zu können.  gst.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 31, vom 01.08.1975; Foto und Text: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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