Aufnahme: 1975
Bockerother Feuerwehr wurde ein Vierteljahrhundert alt
„25 Jahre Feuerwehrgeschichte bedeuten vor allem ernsten und verantwortungsbewußten Einsatz und stetige Bereitschaft im Dienst für den Nächsten. Ohne diese stetige Einsatzbereitschaft der Löschgruppe wäre manches wertvolle Gut des Einzelnen wie der Gesamtheit und manches Menschenleben verloren gewesen", betonte Stadtbrandmeister Willi Gassen bei der Festfeier zum 25jährigen Jubelfest der Löschgruppe Bockeroth im Festzelt. Gassen sprach weiter den Wunsch aus, daß dieser freiwillig übernommene Dienst am Nächsten besonders für die Jugend Ansporn und Mahnung sein möge. Indem Gassen die Glückwünsche der Gesamtwehr der Stadt überbrachte, überreichte er als Geschenk eine Planspieltafel.
Bürgermeister Hank und Stadtdirektor Schmitz sprachen die Grüße und die Glückwünsche des Rates und der Verwaltung aus und überreichten Geldgeschenke. Kreisbrandmeister Wilhelms überreichte dem Wehrführer Klosterhalfen die Ehrenplakette des Kreisfeuerwehrverbandes zur Vollendung des ersten Vierteljahrhunderts. Sehr gut besucht war der Festabend im Zelt. Kein Platz war mehr zu haben. Auch die Stimmung war ausgezeichnet, so gut, daß der Liedersänger Ulrik Remy zu vorgerückter Stunde nicht mehr durchkam. Seine Lieder kamen jedoch bei Beginn des Abends beim Publikum, vor allem bei der Jugend, sehr gut an.
Das dreitägige Jubelfest wurde mit der Eröffnung eines Zeltlagers eingeleitet. Begrüßungsworte sprach dazu Stadtjugendwart Felix-Peter Bäßgen. Die Leitung des Lagers hatte Bernd Walter übernommen. Jugendliche aus Oelinghoven, Wachtberg-Villiprott, Uthweiler, Eudenbach und selbstverständlich aus Bockeroth nahmen am Lagerleben und an den Übungen der Jugend teil. Zwei Angriffsübungen wurden auf der Bockerother Straße durchgeführt. An der anschließenden Zugübung der erwachsenen Wehrleute nahmen die Löschgruppen Eudenbach, Uthweiler und Bockeroth teil. Durch das DRKL wurden „Verletzte“ geborgen.
Die "Sternschnuppen" erfreuten mit einigen Tänzen und betätigten sich anschließend in ihren schmucken blauen Kostümen als Kellnerinnen und sie verkauften Lose für die mit Gewinnen bestückte Tombola. Hauptpreise waren zwei Fahrräder, die als „Einsatz-Fahrzeuge" aus den Goldenen 50er Jahren ausgestellt waren. Der letzte Tag des Jubelfestes begann am Sonntag mit dem Wecken der Dorfbewohner durch mehrere Musikzüge der Feuerwehr der Stadt Königswinter. Unter der Mitwirkung des Bockerother Männerchores und des Bläserkorps Ittenbach wurde im Festzelt ein Gottesdienst zelebriert. Mit den Ittenbacher Bläsern schloß sich ein Frühschoppen an. Das Fest endete mit dem gemeinsamen Mittagessen.
Auf Betreiben der damaligen Amtsverwaltung Oberpleis unter Amtsbürgermeister Heinrich Horn wurde die Löschgruppe Bockeroth ins Leben gerufen. Als erster Brandmeister wurde Paul Schlimbach und als dessen Stellvertreter Jakob Mohr gewählt. Nachdem Ausrüstungsgegenstände gekauft worden waren, fand das offizielle Gründungsfest am 5, Februar 1950 statt. Schon bald wurde ein unterirdischer Brandweiher gebaut. Der Wehr wurde eine 800-Liter-Motorspritze zur Verfügung gestellt. In Eigenarbeit wurde ein Anhänger umgebaut, so daß man eine fahrbare Spritze erhielt. Erster Einsatz war bei einem Großbrand in Eisbach. Doch die fahrbare Spritze machte sich selbständig, überholte die Löschmannschaft und wurde in Düferoth erst durch eine Scheune gebremst.
Als man dann schließlich nach Behebung der Schäden in Eisbach ankam, war das Feuer bereits ausgegangen. Michael Schild war der erste Aktive, der eine Uniform besaß und sie den übrigen Wehrkameraden zur Verfügung stellte, wenn es hieß, ein Bild für den Wehrausweis zu schießen. Manche paßten zweimal in den Rock — Sofakissen dienten als Ausstopfmittel. 1925 zählte die Wehr bereits 25 aktive und 22 inaktive Mitglieder. Da inzwischen auch Schlauchmaterial beschafft worden war, konnte die Motorspritze benutzt werden. Im Volksmund hieß sie „Tausendzünder", denn erst nach vielen Versuchen sprang die Spritze an.
1955 wurde der Bau eines Gerätehauses beschlossen und von den Mitgliedern selbst durchgeführt. 1959 wurde ein VW-Combi mit neuer Spritze angeschafft. Noch im gleichen Jahr begann der Einsatz auf der Autobahn. Schließlich erkannte man aber, daß die Uthweiler Wehr schlagkräftiger war. Also wurde der Plan gefaßt, zwei dieser gut ausgebildeten Feuerwehrleute nach Bockeroth zu verpflichten. Da sie jedoch von selbst nicht gekommen wären, mußten sie überlistet wenden. So „opferten" sich zwei hübsche Mädchen, eins aus Düferoth und eins aus Bockeroth. Sie eroberten für die Wehr die beiden Klosterhalfens, die inzwischen in der Bockerother Wehr den 1. und 2. Brandmeister stellen.
Zu den Einsätzen der Wehr gehörte auch gelegentlich die Bergung von Tieren. So war am 15. März ein Ochse in eine Jauchegrube gefallen. Mit einem geübten Lassowurf a la Bonanza holte man das Tier wieder aus der verfänglichen Situation. 1965 war die Mitgliederzahl auf 98 angestiegen. In diesem Jahre ging ein Brandstifter um. In einer Nacht mußten drei Brände, in Hoholz, Stieldorf und Vinxel bekämpft werden. Im Juni 1969 wurde das neue Feuerwehrhaus fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben. Noch im selben Jahr wurde die Jungwehr gegründet. Am 16. August 1973 begann dann eine neue Ära: Ein neues Löschfahrzeug wurde getauft. gst.
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