Aufnahme: 1975
Bericht Karneval 1975
Eine so kurze Session hatte die Narrenwelt lange nicht mehr erlebt.
Als ich im November 1974 einige Aktive ansprach und sie bat, sich langsam auf die 1. Sitzung vorzubereiten, sah ich verdutzte Gesichter und bekam zur Antwort, es sei doch noch reichlich früh. Als aber als Termin der 11. Januar genannt wurde, gab es nachdenkliche Gesichter. Die Hauptvorbereitungen fielen somit in die Adventszeit.
Den Kartenvorverkauf übernahm diesmal die Narrenzunft selbst im Vorraum des Oberpleiser Kinos. Für alle 3 Sitzungen begann am 28.12.1974 der Vorverkauf, der ohne großes Gedränge und Komplikationen begann. Weiter ging`s am 4.1.1975. Die restlichen Karten wurden im Kaufhaus Hillen anschließend verkauft. Für die 2. Sitzung blieben noch ca. 30 Karten übrig, sonst waren die Sitzungen restlos ausverkauft.
Wie schon erwähnt, fand am Samstag, dem 11.1.1975 die erste Sitzung mit Prinzenproklamation statt. Proklamiert wurden: Seine Tollität Kurt II. Und ihre Lieblichkeit Martha I. (Eheleute Hödtke). Alle Eingeweihten hatten gut dicht gehalten, somit war die Überraschung groß, als das Prinzenpaar in neuen Kostümen und bester Laune in den Saal einzog.
Die Begrüßung war entsprechend. Leider konnte die Proklamation erst in vorgerückter Stunde erfolgen, da Herr Bürgermeister Hank noch andere Verpflichtungen hatte und Stadtdirektor Schmitz erkrankt war. Die Sitzung nahm trotz der kurzen Vorbereitungszeit einen sehr guten Verlauf. Der Erfolg wurde anschließend im „Alten Zoll“ noch gebührend begossen.
Erwähnt werden muß noch, dass die Narrenzunft durch einen tiefen Griff in die Kasse zu einem eigenen Verstärker und zu einer eigenen Lautsprecheranlage gekommen ist. Die Lautsprecherboxen stellte unser Elferatsmitglied Reinhold Bellinghausen in seiner Schreinerei selbstlos her. Die Bedienung der Anlage übernahm unser Elektrofachmann Heinz Mohr. Alles funktionierte herrlich, bis die Altstätter aus Köln etwas verspätet, jedoch sehr zahlreich die Bühne bis zum letzten Quadratmeter füllten. Da fiel dann beim Schunkeln unser frisch gefüllter Pokal um und sein Inhalt floß über den neuen Verstärker, der daraufhin weinselig seinen Geist aufgab.
Am Freitag, dem 17.1.1975 fand die I. Sitzung des Rot-Blau-Auelgau statt. Diese wurde selbstverständlich vom Prinzenpaar und Gefolge besucht. Eine Überraschung war das ehemalige Aueler Fanfarencorps, welches sich zu einer prächtigen Musikkapelle entwickelt hatte und einen Melodienreigen quer durch deutsche Lande servierte.
Tags darauf zogen unsere Blau-Weißen Funken nach Heisterbacherrott und tanzten auf der dortigen Sitzung mit guten Erfolg.
Sonntag, 19.1.1975, hatten wir unsere II. Sitzung. Obwohl alle Mitwirkenden reife Leistungen brachten, der Verstärker seinen Rausch ausgeschlafen hatte, muß noch eine Episode besonders erwähnt werden: Der Club Hupp 17 hatte einen Arbeitstag auf der Oberpleiser Post parodiert und dabei das Personal, sowie auch das Publikum in gekonnter Weise auf die Schippe genommen. Eine Kundin stellte Karl-Heinz Lindlar in seiner unnachahmlichen Art als „Hüh Traut“ dar. Das Original „Hüh Traut“ befand sich im Saal und erschien bald mit Handwägelchen und Kartoffelschalen auf der Bühne. Der Erfolg war enorm, das Publikum konnte sich vor Begeisterung kaum mehr beruhigen. Das war, wie unser Präsident Helmut Reuter richtig sagte, echter Pleeser Fastelovend, den man in dieser Form fast nirgendwo mehr erleben kann.
Der Ball des Bundes der Heimatvertriebenen und die II. Sitzung des Rot-Blau-Auelgau folgten am 25.1.1975. Auf beiden Veranstaltungen war selbstverständlich das Prinzenpaar mit Gefolge vertreten. Unter den letzten Vertriebenen, die aus dem Saal vertrieben wurden, war natürlich wieder wie immer, das Aufgebot der Narrenzunft.
Die Ittenbacher Funken und Bläser hatten ursprünglich gar nicht vor, eine Sitzung zu veranstalten, entschlossen sich dann doch noch zu Dienstag, dem 28.1.1975. Unser Prinz Kurt hatte an diesem Tage berufliche Verpflichtungen, die ihn verhinderten. Darum zogen wir unter dem Motto „Jahr der Frau“ mit unserer Prinzessin Martha nach Ittenbach, wo dieser ein jubelnder Empfang bereitet wurde. Martha bewies, dass auch eine Prinzessin eine zündende Ansprache halten kann und eroberte sich schnell die Herzen der Ittenbacher.
In diesem Jahr waren unsere bewährten Leiter und Organisatoren der Kindersitzung, K.-H. Assenmacher und Frau Olga durch berufliche Ausbildung so beansprucht, dass sie stark entlastet werden mußten. Herr Merten, der Verfasser des Protokolls stellte sich dankenswerterweise zur Verfügung und bewies ausgezeichnetes Organisationstalent. Um eine Überfüllung des Saales zu vermeiden, wurden die Eintrittspreise auf 2,50 Mark für Kinder und 5,00 Mark für Erwachsene angehoben und außerdem 2 Sitzungen vorgesehen.
Die I. Kindersitzung war am 29.1.1975 und begann um 16,00 Uhr. Für die höheren Eintrittspreise konnte den Kindern entsprechend mehr geboten werden. Größere Bewegungsfreiheit führte dazu, daß die Kinder sich austoben konnten und beglückt mit Orden, Preisen, Süßigkeiten und Luftballons heimzogen. Selbstverständlich besuchte auch unser Prinzenpaar mit Gefolge die Sitzung.
Die Eudenbacher Karnevalsgesellschaft „Spitz pass Op“ hatte ein Zelt für ca. 500 Personen aufgebaut, welches zur Sitzung am 31.1. vollbesetzt war. Auch hier war wir wieder vertreten.
Am gleichen Abend veranstaltete der Kapellenchor Uthweiler seinen traditionellen gemütlichen Abend, bei dem wir selbstverständlich auch erscheinen durften. Die Bahnhofswirtschaft war bis zum letzten Platz besetzt; der Empfang war sehr herzlich. Leider konnten wir nicht lange bleiben, da der Platzmangel dies nicht zuließ.
Am Samstag, dem 1.2. fand unsere III. und letzte Sitzung statt. Der Saal war bis zum letzten Platz besetzt. Es hätten noch viele Karten verkauft werden können, wenn noch Stühle unterzubringen gewesen wären. Alle Aktiven brachten wieder ihr Bestes auf die Bühne und in der Bütt. Die Eudenbacher Fünkchen kamen mit ihrem in der Bonner Beethovenhalle prämierten Schautanz, der begeistert aufgenommen wurde.
Bei den Kindern hatte sich herumgesprochen, daß die Kindersitzung diesmal besonders schön gewesen war. Darum war der Andrang zur II. Sitzung am 4.2. besonders groß. Die Kinder waren ein dankbares und aufmerksames Publikum. Nur eine Panne gab es. Nach der Sitzung war die Kasse verschwunden und blieb bis heute unauffindbar.
Die Zunftfrauen hatten wieder ein reichhaltiges Programm und einen bis zum letzten Platz besetzten Saal zu Weiberfastnacht. Als am Abend das Prinzenpaar mit Gefolge und die übrigen Männer den Saal stürmen wollten, dauerte es noch eine geraume Weile, bis sie nach Beendigung des Programms eingelassen werden konnten. Die Stimmung konnte nicht besser sein und entsprach dem Gedränge, welches überall herrschte. Die losgelassenen Frauen sorgten dafür, daß niemand zu früh nach Hause ging.
Am Freitag danach scharte sich ein etwas abgekämpfter Haufen um sein Prinzenpaar, um zur Weiberfastnacht nach Westerhausen zu ziehen. Dort wurden wir sehr nett empfangen und zogen nach einer Ansprache unseres Prinzen und Funkentanz weiter nach Jüngsfeld, wo man uns schon erwartete. Die Sitzung des Uthweiler Bürgervereins hat ihre besonder Note, deshalb waren wir bemüht, früh dort zu sein. Nach kurzem Auftritt, Prinzenrede und Funkentanz konnten wir mal an einer Sitzung teilnehmen, ohne selbst aktiv beteiligt zu sein.
Der traditionelle Maskenball des TuS 05 fand wie üblich am Karnevalssamstag statt. Hier erschien selbstverständlich wieder das Prinzenpaar mit Gefolge. Ich war selbst nicht anwesend, habe mir aber berichten lassen, daß es hoch her ging und Turner und Gäste spät zu Bett kamen.
Trotzdem war zum Höhepunkt, dem Fastnachtszug am Sonntag um 14,11 Uhr alles wieder zur Stelle. Ein besseres Wetter hätte man sich nicht wünschen können. Deshalb übertrafen auch die Besucherzahlen alle Erwartungen. Alle kamen auf ihre Kosten, denn der Zug war wieder schöner und umfangreicher als seine Vorgänger.
Nach kurzer Erholungspause ging`s dann zum Fastnachtsball des TuS 05, wo die Kondition noch einmal getestet wurde. Spät, schwankend und zufrieden wurde sich auf den Heimweg begeben.
Am Rathaus war den ganzen Tag über eine fleißige Truppe im Einsatz. In den Garagen versorgte die Besatzung der Rathausschänke die Pleeser mit Speisen und Getränken. Auf dem Vorplatz am Vierpavillon wurde ein Faß nach dem anderen angeschlagen. Erbsensuppe wurde gleichzeitig hektoliterweise ausgegeben. Die Rathauserstürmung, auch ein Höhepunkt des Pleeser Fastelovends, begann am Rosenmontag, 11 Minuten vor 11,00 Uhr, für viele ein recht früher Termin. Herrlicher Sonnenschein ließ die Köpfe auf dem Marsch zu Rathaus langsam wieder klarer werden. Viele Funkencorps, Tanzgruppen, Musikcorps und Prinzenpaare aus dem Stadtgebiet gaben ein so buntes Bild ab, daß dieser Zug allein schon sehenswert war.
Das Zeremoniell der Erstürmung war gut vorbereitet und so abgestimmt, daß das zahlreich erschienene Publikum viel zu hören und zu sehen hatte.
Am Abend trafen wir uns wieder auf dem Fastnachtsball der Narrenzunft, dem Ball der Eisernen, der Unentwegten. Hier ging es in alter Weise familiär und lustig zu.
Damit ging für die Narren eine kurze, aber schöne Session zu Ende.
Zum Abschluß möchte ich allen, die mitgeholfen haben, alles so schön und erfolgreich zu organisieren, danken. Ohne den Einsatz so vieler selbstloser Helfer wäre ein solches Programm nicht zu bewältigen.
gez. Hans-Robert Mies
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