Aufnahme: 1974
Geschichtliches aus Berghausen 1. Teil
Im Rahmen der Jahres-Klassenarbeit 1970/71 der Hauptschule Oberpleis verfasste der Schüler Frank Klein aus Berghausen, Bitzerweg 9, zum Thema 'Geschichtliches aus Berghausen' eine detaillierte Chronik des Ortes. Er stützte sich dabei auf Hinweise aus dem Stadtarchiv Siegburg, des Heimatkreises Oberpleis und auf Informationen Berghausener Bürger, die u. a. auch durch Zurverfügungstellung von Bildern mit dazu beitrugen, diesen Bericht zu gestalten. Weil wir glauben, dass dieser Heimatbericht es verdient, einem größeren Publikum zugänglich gemacht zu werden, wollen wir ihn für unsere Leser in mehreren Folgen zum Abdruck bringen. Die Redaktion
"Die Katastergemeinde Berghausen
Sie besteht aus den Flurbezirken Heisterbusch, Dahlhausen 1 u. 2, Herresbach, Willmeroth, Berghausen und Dorf Berghausen. Nach Lacomblet wird sie urkundlich zuerst im Jahre 1218 erwähnt unter dem Namen Berchhusin. Mehrere Jahrhunderte kommt der Ort in keiner Urkunde mehr vor bis zum Jahre 1553. Schon im 13. Jahrhundert wurde das Herzogtum Berg in Amtsbezirke (Ämter) eingeteilt, denn Gemeinden im heutigen Sinne waren im Mittelalter unbekannt. Oberpleis/Berghausen wurde vom Amt Blankenberg (Sieg) verwaltet. Amtmann war in der Regel ein landtagsfähiger Adeliger. Die Bergischen Amtsbezirke waren in Kirchspiele und Honschaften eingeteilt. So bestand das Gebiet von Oberpleis anfänglich aus sechs, später aus den fünf Honschaften Hasenpohl, Oberpleis, Wahlfeld, Berghausen und Oberhau.
Die Honschaft Oberpleis wird im Jahre 1464 mit Alte Honschaft bezeichnet, woraus geschlossen werden kann, dass sie die erste Honschaft war. Die Grenzen der alten Honschaften sind identisch mit den Gemarkungen, heute Katastergemeinden gleichen Namens. Es ist bekannt, daß das linke Rheinufer bereits im Jahre 1796 zu Frankreich kam. Weil der Einfluß Frankreichs auch im rechtsrheinischen Raum immer größer wurde, wurde das Herzogtum Berg am 15. März 1806 an Frankreich abgetreten. Damit kam unsere Heimat unter französische Oberhoheit; Oberpleis/Berghausen zum Kanton Hennef (Sieg) und dadurch zum Rheindepartement Mülheim-Rhein.
Die frühere Gemeinde Oberpleis, wozu auch Berghausen gehörte, bestand seit dem 1. Januar 1810. Die Standesamtsregister, die ab diesem Datum geführt werden mußten, tragen die Überschrift: Großherzogtum Berg, Rhein-Departement Mülheim, Kanton Hennef-Sieg, Mairie Oberpleis. Nach kurzer französischer Herrschaft kamen nach den Freiheitskriegen die Rheinlande zu Preußen. Nach der Eroberung des Rheinlandes in den Befreiungskriegen wurde das bergische Territorium zunächst von den verbündeten Mächten als Generalgouvernement verwaltet. Die thurn- und taxische Postverwaltung trat wieder in ihre alten Rechte ein und führte das vorhandene Postwesen weiter. Durch den Wiener Kongreß (1814—1815) wurde das Rheinland und Westfalen dem Königreich Preußen zugesprochen. Mit dem Jahre 1815 übernahm die preußische Post die vorhandenen Posteinrichtungen."
Die Bedeutung des Communalboten für die Postversorgung.
Die Bürgermeister der einzelnen Landgemeinden stellten zur Vermittlung ihrer Korrespondenz mit der vorgesetzten Dienststelle, dem Landratsamt, zuverlässige Privatleute ein, die sogenannten 'Communalboten'. Durch Vertrag wurden diese gegen Zahlung einer festen Jahresvergütung verpflichtet, zwei- oder dreimal wöchentlich den Botendienst zwischen dem Bürgermeister- und dem Landratsamt zu besorgen.
Als Beispiel eines solchen Vertrages sei nachstehend der Vertrag zwischen dem Bürgermeister Fröhlich von Oberpleis und dem Schuster Matthias Gesell über den Botendienst wiedergegeben: 'Unterzeichneter zu Oberpleis wohnender Schuster Matthias Gesell verpflichtet sich hiermit, die zwischen dem Landräthlichen Officio und dem hiesigen Bürgermeisteramte im Jahre 1825 vorfallende Correspondenz sowie alle sonstigen Dienstbriefe und Dienstpaquete in jeder Woche zweymal, am Dienstag und Freitag, für die fixe Besoldung von zwanzigsechs Thaler, sieben Sgr., sechs pf. preuß. auf die Post in Hennef zu besorgen und bürgt zugleich für die gute und pünktliche Überlieferung derselben.
Gegenwärtiger Contract wurde in Duplo ausgefertigt und nach Vorlesung beyderseits unterzeichnet. Oberpleis, am 1. Januar 1800zwanzigfünf — Matthias Gesell — Der Bürgermeister Fröhlich.' Die preußische Postverwaltung erkannte schon früh, dass die Postversorgung der Landbevölkerung verbessert werden mußte. Bereits im Jahre 1821 verfügte das Generalpostamt, dass sich die Post- und Postwärterämter bemühen müßten, alle Briefe aufs Land zuzustellen. Als 1930 in Oberpleis eine Leitpoststelle eingerichtet wurde, bekam Berghausen auch eine Poststelle. Diese erste Poststelle führte Peter Heinz von 1930 bis 1942, dann Friedrich Linnenberg von 1942 bis 1944 und Christoffel/ Wasserheß ab 1944.
Doch zurück zum Jahre 1553
In diesem Jahre hatte das Kloster Bödingen das Recht, mit 24 Schweinen die Eichelmast in der Gemarkung Oberpleis/Berghausen auszunutzen. Als das Kloster Bödingen dieses Recht auf 40–70 Schweine ausdehnen wollte, berief der Propst von Oberpleis die Märker zu einem Geding zusammen, auf welchem über den Antrag Bödingens verhandelt wurde. Eine Einigung über diesen Punkt kam nicht zustande und der Propst von Bödingen mußte unverrichteter Sache abziehen. Unter den Märkern war es besonders Seneryn (vielleicht Severin) van Birchhusen, der gegen Ende des Gedings mit lauter Stimme seine Entrüstung über dieses Ansinnen mit folgenden Worten kundtat: Falls der Propst von Oberpleis noch einige Bücher im Besitze hätte, die ihm schädlich sein könnten, so wollten sie diese ins Feuer werfen und verbrennen, denn in der Mark wollten sie allein zu befehlen haben.
Die zur Propstei gehörenden Waldungen, die nicht zu den Forsten Eudenbach und Schwirzpohl gehörten, wie die Frohnhardter Heide, Heisterbusch, in der Hebbig, Erzfeld usw., wurden aufgeteilt und in den Jahren 1820–1823 von der preußischen Regierung verkauft. Die Fluren heißen: in der Herresbacher-, Oberpleiser- und Berghausen-Schweidmorgen. Letzterer Name bedeutet Trift- oder Weidegrenze. Genannte Orte hatten das Recht, dort ihr Vieh zu hüten und die Schweine in die Eichelmast zu treiben. Dieses Recht erlosch mit der Aufhebung der Propstei im Jahre 1803.
Die Straße von Herresbach zu_Dorf_Berghausen
In den Einschnitten der Böschung kann man die Bodenarten der näheren Umgebung erkennen. Zu unterst finden wir dort Grauwacke und darüber lagert sich Löss und lehmhaltiger Löss ab. Im letzteren befinden sich eingelagerte Quarzitblöcke, sogenannte Findlinge. Diese sind bis ans Dorf in den Böschungen des Weges zu verfolgen. An den ersten Häusern und in den Fluren "Hebbig" besteht der Ackerboden nur aus Grauwacke, ebenfalls ist Grauwacke im Wiesengelände bis hin nach Hühnerberg zu finden.
Links von dem Gehöft des verstorbenen Steinbruchbesitzers Sassenberg (heute Homscheid) liegt eine kleine Anhöhe, die von einer dickbankigen Grauwacke gebildet wird und den Atmosphären standgehalten hat. Früher wurde sie zu Bauzwecken verwendet. Die Flur heißt dort: ‚Auf den Steinen‘. Von hier an ist der Boden auch auf der linken Seite des Dorfes bis zu den ‚Stömpen‘ ebenfalls schiefrig und wegen des Tongehaltes wenig wasserdurchlässig und kalt. Die muldenförmige Vertiefung, die am Hause von Hermann Wegscheid (heute Girlach) in die Schlucht ‚Kompig‘ einmündet, ist sehr wasserreich. Die Flur heißt dort Uerlicht. Früher standen dort viele Weiden (Weckepött genannt). Ob diese Flur nun von den Sumpfgasen oder den leuchtenden Weiden ihren Namen erhielt, sei dahingestellt.
Gleich am Wege, der am Kompig vorbeiführt, war früher, ehe die Wasserleitung gebaut wurde, ein Schöpfbrunnen, der nie versiegte. Er lieferte den Familien des Unter- und Mitteldorfes das Trinkwasser. Die Erwachsenen trugen mit der größten Sicherheit kübelartige Holzgefäße (die sogenannten Pötzbött) auf dem Kopfe nach Hause, die dann gewöhnlich ihren Platz an der Schüsselbank (Schottelbank) hatten. In Trockenperioden mußte aus diesem Schöpfbrunnen auch das Wasser für das Vieh geholt werden, während für diesen Zweck sonst das Wasser aus den angelegten Pützen (Pöhlen) verwendet wurde. Auf der Höhe oberhalb des Dorfes befand sich eine mächtige Tonschicht mit aufliegendem Quarzit. Letzterer ist schon vor mehreren Jahrzehnten ausgebeutet worden. Der Ton fand Verwendung in einer Ziegelei in Willmeroth und in Töpfereien, deren es früher in Berghausen ein oder zwei gab.
Auch wurde Ton verwand, der sich im Dorfe abgelagert und aus verwitterter Grauwacke entstanden war. Bei einem Neubau oberhalb der Wirtschaft Müller/Nüchel (bei Wilhelm Paffrath) ist man auf einen Töpferofen gestoßen, auch findet man heute noch Scherben in der Nähe des Hauses Heinrich Limbach (Krämer). Ob diese nun z. Z. dorthin gebracht wurden oder ob dort auch ein Ofen gestanden hat, kann nicht nachgewiesen werden. Bis zum 18. Jahrhundert fertigte man wohl dieselben braun glasierten Tonwaren wie in Boseroth und Pützstück. Diese frühen Industrieerzeugnisse wurden meistens durch Hausierer vertrieben. An der Wirtschaft vorbei führte zum Harthof hin ein Fußweg ins Pleistal zur Mahlmühle nach Nonnenberg oder Dahlhausen, denn in der Nähe Dahlhausens deuten die Flurnamen noch heute auf eine solche Mühle hin.
Der Fahrweg zu den Mühlen ging durchs ‚Bolloch‘ in eine Schlucht, an der Nonnenberger "Hebbig" vorbei. Hier findet sich auch noch ein Schürfversuch nach Erz, wie sie die Gemarkung Berghausen noch öfter aufzuweisen hat. Im Heisternbusch haben früher manche nachts beim Schein der Laterne geschürft, in der sicheren Erwartung, sie würden auf Erz stoßen. Doch die geheimnisvolle Arbeit hat sich leider nicht gelohnt. Andere Bodenschätze barg der Heisternbusch aber doch, nämlich Quarzitvorkommen als Findlinge und in geschlossenen Lagern - so am Wege von Nonnenberg nach Quirrenbach. Die Ausbeutung dieses Quarzits begann um das Jahr 1884 - damit hat Berghausen den Anfang gemacht.
Schade, dass die ‚Hessen-Ludwigs-Bahn-Gesellschaft‘ ihr Programm nicht ausgeführt hat. Sie war projektiert am Dorfe vorbei auf Quirrenbach zu. Durch diese Bahn wäre das ganze Gelände aufgeschlossen worden, auch wäre durch sie die rheinische Strecke entlastet worden. Quarzit bleibt ein gesuchtes Material. Er ist bei der Herstellung von Schmelztiegeln und Schmelzöfen auch heute noch durch kein anderes Material zu ersetzen. Auf den ‚Steinen‘ betrieben die Vorfahren H. Limbach eine Kartoffel-Brennerei - das Gehöft ist jedoch spurlos verschwunden, wie auch das alte Gehöft Wasserheß, von dem nur noch das Wohnhaus übrig blieb. Fortsetzung Datensatz 8508.
Hier ein Bild des Hauses Wasserheß, wohl das älteste Wohnhaus in Berghausen, erbaut im Jahre 1650.
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