Aufnahme: 1976
JODOKUS zum HÖREN: Pastürsch, Lehrer on brav Pänz*
Wenn fröher de Pastur durch et Dörp jing, troken de Ondunije de Pootz hinger sich zo, on de Jerechte maten et Finster op on refen: "Jrüß Jott!" - Höckzedag sen de miste Pastürsch och Minsche met bonte Strömp on redden jenausu vom Wedde wie Arbedslöck. Nur en de Kirch merk me, dat se e Jewöbche mie han on mindestens zwei Sproche kalle. Vür enem halve Johrhondert mot de Düwel noch of en de Mond lure. - On wenn Fastelovendsdienstag naks öm 12 Uhr noch eine Danz jespillt wud, kom de Pasur selvs anjebritz, öm de verdötschte Jläubije von de decke Tromm hem ze jage. Wenn ene fremde Jesliche en Mission afhale dät, wor et janze Dörp am zeddere - besondisch bei Jeburteröckjang. Dann jing e heilig Donnewedde los, dat metunger de Prädigstohl anze bieve fing. Hingerher brot de Dorfpastur kaum noch jet ze sage - dann däte nur öfter döfe. De Pänz däten noch vill em Katejesem eröm schladdere on moten en de Schol de Bibel bis op et i-Pünkelche usewendig liere. Wenn bei de Wunderbaren Brotvermehrung och nur en Kösch fehle dät, wor de Düwel em Bösch. Christijeliehr, iwig Jebedd on jedes Johr ze Foß no Ahrwile op de Kalvarienberg woren net fottzedenke.
De miste Scheß hatten de Pänz, wenn se et irschte Mol bichte jinge. Dann woren dehem widde sun paar ahl Dötsche jewese, die jesat hatte, bei de irschte Bich kräg me als Strof ene iserne Nagel durch de Kopp jehaue. Äffer et jov och lev Pastürsch die sich einfach e Zeddelche met de Sönde durch de Tralllje vom Bichstohl deue lete. Och de jrößere Purschte hatten noch Schämde am Liev. Wenn op de Orjel wirklich at emol ene Labbes stond on dät met enem andere schwade on verzälle, dann brach de Pastur em Prädigstohl fädig on sät, de Kirch wär fröher en Schüer jewese. Dat könnt me dodran sehn, dat de Flejele immer noch op de Orjel stönde. lhrlich, et wor en fromm Zigg. - Jede Meddag wud vür em Esse jebedd. Nur mondags dät et Fritzje manchmol net dran denke. On wenn dann de Mamm schenge wollt, säte: "Du kanns me nlx wis mache. - Dat eß opjewärmte Schafuel von am Sonndag, do han ich jester at für jebedd."
Us Scholl nannte me domols "de Jammerkaste". De Lehrer kom direk hinger em Pastur, hat äffer imme noch mie ze kamelle wie de Eldere. De Pänz wuden richtig mem Haselnoßknöppel jepelz ode moten ze Strof de "Johanna Sebus" fönfmol afpinne. Et Schönste wor de Paus, wenn me "U-bär" spille konnte. Dann wud sich jäjensiggig an de Häng anjepack on en lang Kett jemach. Ene schreit: "Wer fürchtet sich vor dem U-Bär?· Die andere bröllten: "Niemand" On dann wuden die Pänz, die noch frei erömlefe enjefange. Wenn me Jlöck hatt, konnte me dobei de Lehrer en de Dreck renne. Wenn me fröher use Lehrer em Dörp at von fäns soh, wud schleunigs de Kurv jekratz. Ene enfache Minsch wor de Lehrer nur dann, wenn e von de Schollpänz et Onkrut us singem Jade jeropp han wollt ode söns jet en singem Hus ze töstele hat. Höck eß dat janz andech. Do lofen de Pänz op de Stroß met "Juhu" at direk op ihre Lehrer los on frogen: "Wo jehste hin?" - Dat nennt me antiautoritär. Nä, nä, wat sich die Zigge jeändert han. Dat ene eß net jot, äffer dat andere och net, ment JODOKUS
Übrigens: Die Erinnerungen an frühere Mundart sind bei manchen Bürgern lebendiger als man denkt. Wie schön, daß sogar ein Ratsherr unserer Stadt trotz sicherlich rein deutsch geführter Sitzungsdebatten nebenbei auch in Großmutters Sprachschatz Bescheid weiß. Peter Jungbluth aus Ittenbach schob mir bezugnehmend auf die letzte Folge von „Us Heimatsproch" den „Krogkwösch" oder „Krutwösch" unter die Weste. Er meinte, wenn schon das „jesänte Palmzwischelche, das beim Gewitter ins Herdfeuer geworfen wurde, erwähnt würde, dürfte der „Krogkwösch." nicht fehlen. In der Tat: Es handelte sich dabei um einen aus verschiedenen Kräutlein (Krogk bzw. Krut) zusammengepflückten Strauß (Wösch), der gesegnet wurde, anschließend meist „jedrüch" am Dachsparren „op de Löv" hing und bei Gewitter oder anderem Unwetter nach und nach im Feuer geopfert wurde.
Vielen Dank für den „Krogkwösch".
Auf Hochdeutsch:
Pastöre, Lehrer und brave Kinder
Wenn früher der Pastor durch das Dorf ging, zogen die Übeltäter die Tür hinter sich zu, und die Rechtschaffenen machten die Fenster auf und riefen: "Grüß Gott!" - Heutzutage sind die meisten Pastöre auch Menschen mit bunten Strümpfen und reden genauso vom Wetter wie Arbeitsleute. Nur in der Kirche merkt man, dass sie ein Gewand mehr haben und wenigstens zwei Sprachen sprechen. Vor einem halben Jahrhundert musste der Teufel noch oft in den Mond schauen. - Und wenn Fastnachtsdienstag nachts um zwölf noch ein Tanz gespielt wurde, kam der Pastor selbst angerannt, um die verdötschten Gläubigen von der dicken Trumm weg heim zu jagen. Wenn ein fremder Geistlicher eine Mission abhielt, war das ganze Dorf am zittern - besonders bei Geburtenrückgang. Dann ging ein heiliges Donnerwetter los, dass mitunter der Predigtstuhl an zu beben fing. Danach brauchte der Dorfpastor kaum noch etwas zu sagen - dann taufte er nur öfter. Die Kinder blätterten noch viel im Katechismus rum und mussten in der Schule die Bibel bis auf das i-Pünktchen auswendig lernen. Wenn bei der Wunderbaren Brotvermehrung auch nur eine Kruste fehlte, war der Teufel im Busch. Christenlehre, Ewiges Gebet und jedes Jahr zu Fuß nach Ahrweiler auf den Kalvarienberg waren nicht wegzudenken.
Den meisten Schiss hatten die Kinder, wenn sie zum ersten Mal beichten gingen. Dann waren zu Hause wieder so ein paar alte Deppen gewesen, die gesagt hatten, bei der ersten Beichte kriege man als Strafe einen eisernen Nagel durch den Kopf geschlagen. Aber es gab auch liebe Pastöre, die sich einfach ein Zettelchen mit den Sünden durch die Stangen vom Beichtstuhl schieben ließen. Auch die älteren Burschen hatten noch Scham am Leib. Wenn auf der Orgelbühne wirklich schon einmal ein Einfaltspinsel stand und mit einem anderen quatschte und erzählte, dann brachte es der Pastor im Predigtstuhl fertig und sagte, die Kirche sei früher eine Scheune gewesen. Das könne man daran sehen, dass die Flegel noch immer auf der Orgelbühne ständen. Ehrlich, es war eine fromme Zeit. Jeden Mittag wurde vor dem Essen gebetet. Nur montags dachte das Fritzchen manchmal nicht daran. Und wenn dann die Mutter schimpfen wollte, sagte er: "Du kannst mir nichts weismachen. Das ist aufgewärmter Wirsing von am Sonntag, dafür habe ich gestern schon gebetet."
Unsere Schule nannten wir damals "den Jammerkasten". Der Lehrer kam direkt hinter dem Pastor, hatte aber immer noch mehr zu sagen als die Eltern. Die Kinder wurden richtig mit dem Haselnussknüppel verdroschen oder mussten zur Strafe die "Johanna Sebus" fünfmal abschreiben. Das Schönste war die Pause, wenn wir "U-Bär" spielen konnten. Dann wurde sich gegenseitig an den Händen angefasst und eine lange Kette gebildet. Einer schrie: "Wer fürchtet sich vor dem U-Bär?" Die anderen brüllten: "Niemand!" Und dann wurden die Kinder, die noch frei herumliefen, eingefangen. Wenn wir Glück hatten, konnten wir dabei den Lehrer in den Dreck rennen. Wenn man früher unseren Lehrer im Dorf schon von ferne sah, wurde schleunigst die Kurve gekratzt. Ein einfacher Mensch war der Lehrer nur dann, wenn er von den Schulkindern das Unkraut aus seinem Garten gerupft haben wollte oder sonst etwas in seinem Haus zu friemeln hatte. Heute ist das ganz anders. Da laufen die Kinder auf der Straße mit "Juhu" schon direkt auf ihren Lehrer los und fragen: "Wohin gehst du?" - Das nennt man antiautoritär. Nein, nein, wie sich die Zeiten geändert haben! Das eine ist gut, aber das andere auch nicht, meint JODOKUS.
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