Aufnahme: 1972
Anekdötchen us Plees - de Schäng -
Et jit nix, wat et nit jit – un jäb et irgendwat, wat et nit jit, so möt et dat in Plees doch jävven. Un von dem, wat et eijentlich nit jevven sollt, will ich üch jet verzälle. Äver damit ihr et och versteht un et et nächste Mohl besser maht, will ich versöken, e bißche „hochdeutscher“ ze quassele.
Also, in den zwanziger Jahren wohnte in dem Dörfchen Sassenberg ein Klempner mit Namen Johann Jung, genannt „der Schäng“. Damals war et noch üblich, dass viele Handwerker von Haus zu Haus wanderten, zum Beispiel der Polsterer, der Schuster, die Näherin, und so kam dann auch der Schäng als Klempner. Er ging von Haus zu Haus und fragte die Leute, ob sie nicht etwas zu löten hätten. Damals war das Geschäft schlecht. Der Schäng mußte manche Klinke putzen, ehe er en paar Jroschen kassieren konnte.
Eines Tages traf ich den Schäng im Dorf als fahrenden Sänger mit ner Triangel in der Hand. Schäng hatte sich umgeschult. Umringt von nem Dutzend Schulpänz hielt er einen Vortrag von der Schwere, vom handwerklichen Können ins musikalische Fach überzuwechseln, un da zu singen un gleichzeitig noch de Triangel anzuschlagen. Inzwischen war er am nächsten Haus angekommen, wo er in Aktion treten wollt. Zuerst nahm er en Flasch aus der Botzentäsch und sagte: „Prost, Holz, mit dir drinken ich am liebsten!“ Dann wurd alles mäuschenstill, der Schäng tat sich räußpern und fing dann an zu singen.
Schäng: Verlassen, verlassen, verlassen bin ich.
Triangel: Klingelingeling, Klingelingeling.
Schäng: Wie ein Stein auf der Straße.
Triangel: Klingelingeling, Klingelingeling.
Schäng: So verlassen bin ich!
Triangel: Klingelingeling, Klingelingeling.
Kaum hatte er dat Lied beendet, sagte er: „Et muß net immer Schnaps sin, me kann och met Coks gurgeln, et schmeck bloß net su joot."
Die Umschulung hatte dem Schäng keen Glück gebracht. Er war dem Alkohol ganz verfallen. Ich traf ihn wieder im Gasthaus „Zur Waldesruh“ von Heinrich Schmitz und seiner Ehefrau aus Sand.
Eines Tages gab die älsteste Wirtstochter, et Minna, dem Schäng zu verstehen: „Du kriegst keinen Schnaps mehr.“ „Warum denn nicht? Lev Minna, du hast auch gar kein Herz, ich bitte dich, gib mir doch nur einen kleinen Schnaps!“ Da zeigte dat Minna auf die Tafel an der Wand, worauf folgende Bekanntmachung zu lesen war:
Der Klempner Johann Jung, wohnhaft in Sassenberg, und der Gärtner Weber aus dem Krankenhaus Oberpleis werden hiermit in den Ruf der Trunkenbolde eingetragen. Der Ausschank an diese Personen wird bestraft.
Der Bürgermeister, gez. Komp
Schäng mußte ohne Schnaps von dannen ziehen. Vor der Tür drehte sich der Schäng noch einmal um und sagte: „Das will ich dir sagen, Minna, da auf dem Zettel steht auch der Bürgermeister, also ist der auch ein Röllepes, kann kriegt der auch keinen Schnap mehr!!!“
de Quaatschbüggel
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