Aufnahme: 1970
Ein arbeitsames Leben zwischen Heizungs- und Sanitäranlagen
Installationsbetrieb Stumm – Eter
Am 23. Mai 1955 gab der Installateurmeister Manfred Stumm in Eudenbach mit einer Wurfsendung „allen Haushaltungen“ seine Betriebseröffnung in der Schulstraße 24 bekannt. Der Westfale, der in Rottbitze aufgewachsen war, hatte in der Bad Honnefer Firma Wierig eine Ausbildung zum Installateur und Heizungsbauer absolviert und dort als Geselle gearbeitet. 1948 hatte er Katharina Weber aus Gratzfeld geheiratet und zunächst mit ihr in Gratzfeld gewohnt. 1950 bezog das junge Ehepaar eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Eudenbacher Unterdorf, doch da ihnen bald darauf in der Nachbarschaft eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Werkstatt angeboten wurde, zogen die beiden noch einmal um.
Dazu erinnert sich Tochter Hildegard Eter an eine kleine Anekdote: Die Vermieterin der ersten Wohnung war über die Abwerbung des Nachbarn dermaßen erbost, dass sie bei Malermeister Willi Westerhausen ein großes Schild bestellte mit der Aufschrift „Es kann der Bravste nicht im Frieden wohnen, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Dieses Schild hing noch lange über ihrer Haustür.
1954 erhielt Manfred Stumm den Meisterbrief der Handwerkskammer Köln. Nun konnte er sich selbständig machen und baute in der Schulstraße 24 ein Wohnhaus mit Ladenlokal, Büro im Erdgeschoss sowie Werkstatt und Lagerräumen auf einer Fläche von 45 Quadratmetern im Kellergeschoss. Denn zum Angebot des Betriebs gehörten Öfen, Herde, sanitäre Einrichtungsgegenstände aller Art, Warmwasserzubereitungen und Zentralheizungsanlagen für Kohle, Gas und Öl sowie die entsprechenden Facharbeiten. „Ich garantiere für preiswerte, gute und zuverlässige Arbeit und Lieferung“, hieß es in der Bekanntmachung der Betriebseröffnung. Katharina Stumm übernahm als ausgebildete Büroangestellte die Büroarbeiten im neuen Betrieb, während ihr Mann zunächst mit dem Moped, später mit einem Motorrad samt Anhänger und später einem Dreirad „Goliath“ zu den Baustellen fuhr.
Mit der Zeit wurden die Arbeitsfahrzeuge stetig größer: Auf die Motorräder folgten ein VW-Transporter, ein Doppelkabiner (Kastenwagen) und schließlich größere Transporter. Auch der Betrieb wuchs. Hatten die meisten Familien bisher eine Küchenherdheizung, so wuchs nun die Nachfrage nach Zentralheizungsanlagen. „Die Bäckerei Schmitz und wir gehörten 1956 in der Schulstraße zu den ersten Besitzern einer Zentralheizung“, erinnert sich Hildegard Eter. 1958 wurde der erste Lehrling eingestellt. Ihm folgten viele weitere. Der Kreis der Kunden wuchs immer weiter an und so wurde immer mehr Lagerraum gebraucht. Hinter der großen Garage wurden zwei neue Garagen als Lager, beispielsweise für Gasflaschen, angebaut. Anfang der 1960er Jahre wurden weitere vier Blechgaragen errichtet.
Ab 1960 wurden immer mehr Heizungsanlagen installiert. Die meisten Aufträge kamen von aus dem Umland. Beispielsweise wurde Anfang der 1960er Jahre in Eisbach eine Siedlung gebaut, deren Häuser alle mit Sanitär- und Heizanlagen von Stumm ausgestattet wurden. Auch Jean und Kurt Dohle aus Quirrenbach waren Stammkunde und hatten häufig Aufträge für Manfred Stumm.
Ab 1957 verkaufte Katharina Stumm verkaufte neben der Arbeit im Haushalt und der Erziehung der beiden Töchter in ihrem Ladengeschäft Haushaltswaren wie Porzellan, Besteck, Glas oder Einmachgläser samt Zubehör sowie Bade-, Kohle-, Ölöfen, Gas- und Elektroherde, Kühlschränke und Waschmaschinen aber auch Handwerksmaterialien, Viehtränken und andere in der Landwirtschaft benötigten Artikel. Die beiden Töchter halfen später im Laden mit. Regelmäßig fuhr Katharina Stumm mit den beiden unter anderem nach Hachenburg und Bonn, um die Haushaltswaren im Großhandel zu besorgen.
Mit der Zeit nahm der Gedanke, dass Tochter Hildegard den Betrieb einmal übernehmen würde, Gestalt an. Deshalb begann 1968 ihr Bräutigam Günther Eter, der bisher als Krankenkassenangestellter tätig war, eine Lehre beim künftigen Schwiegervater. 1974 legte er erfolgreich die Meisterprüfung im Sanitär- und Heizungsbau ab und war nun bereit, den Betrieb zu übernehmen. 1975 zogen Manfred und Katharina Stumm nach Rottbitze und führten den Betrieb von dort aus, kräftig unterstützt von Günther und Hildegard Eter. Diese übernahmen den Betrieb 1978, allerdings ohne das Haushaltswarengeschäft, für das keine Zeit mehr blieb. Eine Zeit lang führte Manfred Stumm noch die Aufsicht auf den Baustellen und übernahm diverse Büroarbeiten.
Zu dem großen Kundenkreis – Hildegard Eter berichtet: „Manchmal sind wir bis nach Frankfurt oder sogar nach Wetzlar gefahren“ - konnte das Ehepaar Eter, das auch zwei Töchter bekam, nach und nach mehrere Architekten und andere gute Kunden gewinnen. Beispielsweise wurde die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) eine gute Kundin. Unter anderem übernahm Günther Eter die Rohrverlegung und Installation der Heizungs-, Pumpen- und Hydrantenanlagen auf der Mülldeponie in Sankt Augustin - und viele damit verbundene Wartungsarbeiten - sowie verschiedener Müllumladestationen im Kreis. Ab 1994 arbeitete Tochter Gabriele, eine ausgebildete Bankkauffrau, die eng mit dem Betrieb verwachsen war, im Büro.
1995 erkrankte Günther Eter an einer Virus-Infektion, von der er sich nicht mehr ganz erholte und die ihn eine Niere kostete. Obwohl er zehn Jahre lang auf die Dialyse angewiesen war - während seiner Krankenhausaufenthalte führten die beiden Frauen den Betrieb - arbeitet Günther Eter weiter und generierte bisweilen sogar vom Krankenbett aus noch Aufträge. „Bis zum Schluss hat er die Zügel in der Hand behalten“, betont Hildegard Eter. 2005 starb ihr Mann. Danach führte sie den Betrieb mit Tochter Gabriele Wermes bis 2006 weiter und verkaufte ihn dann an die Bad Honnefer Firma Linnig unter der Bedingung, dass alle Monteure übernommen wurden. Nach dem Verkauf zog Hildegard Eter in das Haus Nr. 24a, aus dem sie den früheren Betrieb im Blick hat, und genießt den Ruhestand. „Wir hatten ein sehr arbeitsames Leben“, erklärt sie. „Der Betrieb war nie wegen Urlaub geschlossen und Heilig Abend konnten wir nie bescheren, weil wir noch bis zum Abend gearbeitet haben. Denn regelmäßig kamen dann noch Kunden, die eine Heizungsstörung oder einen defekten Wasserhahn repariert haben wollten.“
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