Aufnahme: 1970

Bönnschenhof (Luftaufnahme)

Der Bönnschenhof zu Wahlfeld,
Hof des Stiftes St. Cassius und Florentius zu Bonn, Münsterstift.

Im Jahre 859 schenkten Gerbert und Othilfried zum Seelenheil des Grafen Rembold dem Stift St. Cassius und Florentius einen Hof im Auelgau in der Gemarkung Oberpleis. Damit trat unsere engere Heimat erstmals in das Licht der Geschichte. Das bei Wahlfeld gelegene und nunmehr Bönnschenhof genannte Anwesen dürfte im Zuge erster fränkischer Rodungen entstanden sein. Zuerst nur beschrieben als "Haus mit Scheune" ist das Anwesen zu einer geschlossenen fränkischen Hofanlage ausgebaut und nach weiteren Zuwendungen zu einem der größten Höfe im vorderen Westerwald geworden. 1131 wurde der Besitz des Hofes dem Bonner Stift übereignet und durch den Papst bestätigt.

Die Pächter mussten ihre Abgaben nach Bonn liefern, von allem neu gerodeten Land ging der Zehnte an die Oberpleiser Kirche. Die Leistung des Zehnten und anderer Abgaben ist den Bewohnern häufig nicht leicht gefallen, besonders nach Missernten, Dürre, Nässe und Verwüstungen in Kriegszeiten.

Der Bönnschenhof hatte für die niedere Gerichtsbarkeit ein eigenes Hofgericht.
In Kriegszeiten mußte er zusammen mit dem Propsteihof, dem Bellinghauser- und dem Hasenhof dem Landesherren einen Heerwagen stellen. Von den Pächtern sind namentlich nur wenige bekannt. Johann von Wahlefeld, 1443 Schöffe am Gericht des Abtes von Siegburg war sicher ein angesehener Pächter. Zu Zeiten des Pächters Göbel Hofnagel war ein Landtausch zwischen dem Bonner Stift und der Propstei vereinbart worden. 1665 hießen die Pächter Walram Dreßen und Catharina Conzen, danach zwei Generationen Laufenberg, nach 175o Peter Lichtenberg und Anna Sydonia Laufenberg. Nach dem Tod des Ehemanns heiratete die Witwe Wilhelm Birkhäuser. 1793 ließen die Eheleute am Hof ein Wegekreuz aufstellen, heute steht es neben der Kapelle.

Als Folge der Säkularisation wurde der Hof 1803 verstaatlicht und preußisches Domänengut. 1830 schloss das Pächter-Ehepaar Peter Birkhäuser und Elisabeth Kemp mit der Domänenverwaltung einen Erbpachtvertrag ab, der am 17. Februar 1832 genehmigt wurde (Erbpachtvertrag: 10 bis 15 Jahre doppelte Pachtabgaben). Peter Birkhäuser starb schon 1833 an den Folgen eines Sturzes vom Pferd. Die Witwe heiratete ein Jahr später Pet. Jos. Schurff aus Keldenich. Durch den weiter laufenden Vertrag kam der Hof 1850 in den Besitz der Familie Schurff. Der Hof war um diese Zeit etwa 450 Morgen groß. 1868 starb Pet. Jos. Schurff; es gab Erbstreitigkeiten, der Hof wurde geteilt, große Teile gingen verloren, einiges konnte zurückgekauft oder angepachtet werden.

Der Bönnschenhof blieb der bedeutendste Hof in der Umgebung und ist auch heute noch im Besitz der Familie Schurff, wird aber nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Die Stilllegung war 1993, die Äcker und Wiesen wurden vom Wahlfelderhof übernommen. Mittlerweile werden sie von der Baumschule Lothar Dahs und dem Landwirtschaftsbetrieb Nietzer genutzt.

Quelle
Heinz Hübbers
Zur Verfügung gestellt von
Heinrich Röttgen - Infos zum Tierfriedhof Bönnschenhof
Räume & Galerien
Aus den Dörfern ringsum Höfe
Aufrufe
3476

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.