Aufnahme: 1970
Hundertjahrfeier der Kapelle Eisbach
Anfang Oktober dieses Jahres werden es hundert Jahre, daß die Muttergotteskapelle in Eisbach fertiggestellt und der Rosenkranzkönigin geweiht wurde. Dr. Johannes Kirschbaum, geborener Eisbacher und Sohn des Erbauers der Kapelle, am 27. März in Rom zum Priester geweiht, konnte dann am Rosenkranzfest im Oktober 1870 die erste hl. Messe in dieser Kapelle feiern.
Die Kapelle hat folgende Vorgeschichte:
Gemäß der Überlieferung stand an der Stelle, wo jetzt die Kapelle steht, früher ein kleines Heiligenhäuschen. Es muß dies wohl ein kleiner Wallfahrtsort gewesen sein, denn die alten Leute erzählten, daß dort an den Wänden noch Krücken gehangen hätten, als Zeugen von
Das Grundstück mit dem kleinen Kapellchen gehörte den Eheleuten Peter Kirschbaum und Anna Maria geb. Gratzfeld aus Eisbach. Es waren fromme, einfache und kleine Bauersleute. Als die Mutter Kirschbaum merkte, daß sie ein Kind erwartete, äußerte der Arzt große Bedenken wegen Mutter und Kind. In ihrer Not haben dann die Eltern in dem Heiligenhäuschen viel gebetet und dort vor der Schmerzhaften Muttergottes gelobt, falls die Geburt gut verliefe und das Kind ein Knabe wäre, wollten sie diesen dem lieben Gott als Priester schenken.
Und dann war es wie ein Wunder: Trotz der Befürchtungen des Arztes verlief die Geburt normal und es war ein Bube, der Johannes getauft wurde. In Freude und Dankbarkeit nahmen die Eltern ihren Sohn schon im frühen Alter mit in die kleine Kapelle zum Gebete. Dieses Gebet wurde wirksam, denn in dem kleinen Johannes zeigte sich schon früh eine starke Neigung zum Priesterstande. Als es dann soweit war, brachten die Eltern ihren Sohn zum Marzellengymnasium ach Köln. Nach Beendigung der Studien in Köln kam Johannes nach Rom auf die Gregorianische Universität, um dort Philosophie und Theologie zu studieren, wo er dann auch in beiden Fächern promovierte.
Am 27. März 1869 wurde Johannes in Rom zum Priester geweiht. Dann kam er wieder nach Deutschland, zurück, wo er vom Erzbischof zum Rektor der Kirche in Pützchen ernannt wurde, die damals noch zur Mutterpfarre Vilich gehörte. In Pützchen verlieb Dr. Kirschbaum fünfzehn Jahre; er nahm dort seine alten Eltern zu sich, die auch bei ihm gestorben sind.
Zu der Zeit war Beuel noch ein kleinerer Ort und ohne Kirche. Der rührige Rektor gründete von Pützchen aus in Beuel einen Kirchbauverein, erbaute eine geräumige Teilkirche und durch sein Betreiben wurde dann der Grundstein zu der heutigen Kirche in Beuel gelegt. Am 15. April 1886 wurde Dr. Kirschbaum zum Vikar in Meckenheim ernannt und auch dort kam durch sein Betreiben die dringende Frage des Kirchenneubaus wieder in Fluß und zu einem glücklichen Abschluß.
Am 9. August 1892 wurde Dr. Kirschbaum zum Pfarrer von Büderich bei Neuß ernannt, wo er bis zu seinem Tode blieb. Auch hier verstand es Pfarrer Dr. Kirschbaum, den Bau der neuen Pfarrkirche in die Wege zu leiten. Durch den Neubau von drei Kirchen hat sich Pfarrer Kirschbaum an den drei Stellen seines Wirkens ein bleibendes Denkmal gesetzt.
Im März 1919 hätte Pfarrer Dr. Kirschbaum sein goldenes Priesterjubiläum feiern können, nachdem er schon 1917 sein silbernes Ortsjubiläum in Büderich gefeiert hatte. Ganz Büderich rüstete zu der Feier des goldenen Jubiläums ihres beliebten Seelsorgers, jedoch wenige Tage vor diesem Fest starb Pfarrer Kirschbaum nach kurzer Krankheit, betrauert von der ganzen Pfarrgemeinde. Von der Beliebtheit des Pfarrers in Büderich zeugt der Umstand, daß es heute noch in Büderich eine Johannes-Kirschbaum-Straße gibt.
Nun wieder zurück nach Eisbach, dem Geburtsort von Pfarrer Kirschbaum. Durch die Tatsache, daß der Sohn Priester geworden war, war die erste Phase des Gelübdes, welches die Eltern in dem kleinen Heiligenhäuschen der Gottesmutter dargebracht hatten, erfüllt. Nunmehr bemühte sich das fromme Ehepaar um die Einlösung des zweiten Teiles ihres Versprechens; nämlich um den Bau der neuen Kapelle. Wie gesagt, waren die Eltern kleine Bauersleute. Es wäre ihnen schwer geworden ,die Kosten für die neue Kapelle allein aufzubringen; aber ganz Eisbach und auch das benachbarte Frohnhardt begeisterten sich für diesen Kapellenbau und durch vereinte Bemühungen gelang es, daß die neue Kapelle zum Rosenkranzfest 1870 der Rosenkranzkönigin geweiht werden konnte. Zur großen Freude der alten Eltern sowie der Dorfgemeinschaft Eisbach feierte dann der Sohn als Jungpriester die erste hl. Messe in der neuen Kapelle.
Unser Bild zeigt:
Sitzend: Dr. Johannes Kirschbaum, dessen Eltern die Kapelle in Eisbach gebaut haben, in Freude und Dankbarkeit über die glückliche Geburt ihres Sohnes.
Stehend: Msgr. Dr. Peter Gratzfeld, geboren in Hartenberg. Seine Schwester war die Mutter von Prälat Buchholz. Dieser Herr war zeitweilig Hauskaplan bei der Familie Graf von Spee. Als im Kulturkampf der Dulderkardinal Melchers Deutschland verlassen mußte, begleitete Dr. Gratzfeld ihn in die Verbannung nach Rom. Hier hat er den hohen Herrn bis zu dessen Tode betreut und ihn dann wieder nach Köln zur Beisetzung gebracht. Dr. Gratzfeld ist als Oberpfarrer von St. Nicolaus in Aachen gestorben.
Nachdem die Eltern gestorben waren, ging die Kapelle in den Besitz ihres Sohnes, des Pfarrers Dr. Kirschbaum über. Bis zu seinem 1919 erfolgten Tode kam dieser Herr jedes Jahr im Oktober nach Eisbach, um hier mit der ganzen Dorfgemeinschaft das Patronatsfest der Kapelle zu feiern. Als Pfarrer Kirschbaum starb, ging die Kapelle im Erbgang an die Familie Dahs in Jüngsfeld über. Die erste Frau des Herrn Bernhard Dahs war eine Schwester von Pfarrer Kirschbaum. Die Familie Dahs übereignete dann später die Kapelle dem Gefängnispfarrer und späteren Prälaten Peter Buchholz. Als Letzterer am 4. Mai 1963 starb, ging die Kapelle durch Testamentsverfügung an dessen Neffen, den Pfarrer Peter Buchholz in Aachen über, in dessen Besitz sie sich heute noch befindet .
An dieser Stelle möchte ich noch des im vorigen Jahr verstorbenen Herrn Adolf Dahs aus Jüngsfeld gedenken, der ein Neffe von Pfarrer Dr. Kirschbaum war. Als Freund von Prälat Buchholz hat sich Adolf Dahs immer sehr um die Kapelle bemüht. Bei jedem Fest brachte er Berge von Blumen nach Eisbach und gab Anweisungen, wie diese angebracht werden sollten. Auch für Adolf Dahs wäre es bestimmt eine große Freude gewesen, das jetzige Fest noch miterleben zu können.
Die Kapelle in Eisbach hat in den hundert Jahren ihres Bestehens viel erlebt. Sie hat zwei Weltkriege überstanden, im zweiten Kriege wurde sie von der Fremdmacht belegt und stark demoliert. Sie hat auch überlebt, daß die Machthaber des Dritten Reiches die Kapelle gerne geschlossen hätten, wenn sie gekonnt hätten. Die Tatsache, daß aus dem kleinen Eisbach in einem Menschenalter vier Priester hervorgegangen waren, war in deren Augen bestimmt kein Ruhmesblatt für Eisbach. Es waren dies: Pfarrer Dr. Johannes Kirschbaum, Pater Johannes Weber, Pfarrer Peter Buchholz und Pfarrer Franz Weber. In der Verwandtschaft von Prälat Buchholz sind noch folgende Geistliche Herrn: Msgr. Oberpfarrer Dr. Peter Gratzfeld, ein Onkel des Prälaten, ferner Pfarrer Peter Buchholz in Aachen und Kaplan Werner Buchholz in Alsdorf.
Die Kapelle hat aber auch viel Freudiges erlebt. Wie vorhin bemerkt, konnte der Jungpriester Dr. Johannes Kirschbaum in der Kapelle seine erste hl. Messe in der Heimat feiern, der dann fünfzig Jahre lang immer wieder zu seiner Muttergotteskapelle pilgerte, auch noch im vorgeschrittenen Alter, als er schon fast erblindet war. ,Auch die anderen Eisbacher Priestersöhne kamen gerne zur Kapelle, um inmitten der Dorfgemeinschaft das hl. Opfer feiern zu können. Dort feierte der Lazaristenpater Weber sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Dort feierte Prälat Buchholz 1936 sein silbernes 1951 sein 40-Jähriges und 1961 sein goldenes Priesterjubiläum. Dort hat der damalige Jungpriester und jetzige Pfarrer Franz Weber der Dorfgemeinschaft den Primizsegen erteilt sowie auch später die Neffen vom Prälaten, die Neupriester Peter und Werner Buchholz.
Der·damalige Kaplan Renk hat die erste Messe nach dem Kriege in der Kapelle gehalten, als man noch kaum wagte auf die Straße zu gehen.
Prälat Buchholz hing mit großer Liebe an seiner Muttergotteskapelle. Verschiedene Male hat er sie vergrößert und verschönert. Sein sehnlichster Wunsch, neben der Kapelle seine letzte Ruhestätte zu finden, ist in Erfüllung gegangen. Als Betreuer der unglücklichen Opfer des Dritten Reiches an der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee hat Prälat Buchholz dort Schreckliches erlebt. Oft hat er mir später erzählt, daß der Wunsch und der Gedanke, sein Heimatdorf und seine geliebte Muttergotteskapelle noch einmal wiederzusehen, viel dazu beigetragen hätte, diese Schrecken zu überstehen. Dort hat er sich auch das Herzleiden zugezogen, an der er 1963 allzu früh gestorben ist.
Das ganze Dorf Eisbach bedauert zutiefst, daß Prälat Buchholz das hundertjährige Bestehen der Kapelle nicht mehr erleben kann. Trotz seiner vielen Ämter und Würden ist der Prälat immer ein schlichter Sohn seines Heimatdorfes geblieben, er kannte jede Familie und nahm immer an deren Schicksal regen Anteil. Nie hat er seine dörfliche Abstammung verleugnet. Mir persönlich war der Prälat als Nachbar und Altersgenosse immer ein lieber Freund. Mit jedem Anliegen durfte ich zu ihm kommen und in vertrauten Stunden hat er manches erzählt, was er in seinen Vorträgen nicht erwähnte.
Allerdings hat Peter mir gegenüber sein Versprechen nicht gehalten. Wir hatten nämlich in einer humoristischen Stunde vereinbart, daß derjenige, der von uns beiden zuerst sterben würde, den anderen mitnehmen müsse. Ich konnte dadurch ja nur profitieren, denn wenn ich in Begleitung eines so hohen Würdenträgers bei Petrus angekommen wäre, hätte dieser mir sündigem Menschen schon wegen meiner Begleitung keine Schwierigkeiten gemacht. Vielleicht hätte Petrus dann bei mir beide Augen zugedrückt. Jedenfalls hatte Peter wegen seines schnellen Todes keine Zeit mehr, bei mir vorbeizukommen. Ich vertröste mich aber damit, daß er mich dereinst mit seinem Namensvetter Petrus am Himmelstore abholen wird.
Zu der Hundertjahrfeier hat der Neffe des Prälaten, Pfarrer Peter Buchholz, Caritasdirektor der Diözese Aachen, die Kapelle wieder schön hergerichtet. Er wird das Vermächtnis, welches er von seinem Onkel übernommen hat, im ·Verein mit der Dorfgemeinschaft weiter in Ehren halten. Eine Kostbarkeit hat in der Kapelle Aufstellung gefunden, nämlich eine schöne Strahlenkranzmadonna, ungefähr 700 Jahre alt. Aus Dankbarkeit für die Betreuung von Familienmitgliedern der Gräfin Luxemburg im Dritten Reich hat diese die schöne Madonna dem Prälaten Buchholz zugedacht. Sie hat jetzt in der Kapelle in Eisbach Aufstellung gefunden. Es mögen die Besucher der Kapelle beim Betrachten dieses Kunstwerkes zum stillen Gedenken der Opfer des Dritten Reiches, aber auch zum Gedenken des verstorbenen Prälaten Peter Buchholz angeregt werden.
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