Aufnahme: 1965
Ora et labora - bete und arbeite
Bernhard Mohr aus Bellinghausen bei Oberpleis wurde am 27. April 1965, 88 Jahre alt.
Über seinem Lebensinhalt steht dieser Ausspruch, und er könnte auch wohl nicht zutreffender sein. Sein ganzes Leben war voller Arbeit, Liebe und Sorge für seine Familie.
Bernhard Mohr wurde 1877 in Bellinghausen geboren, besuchte in Oberpleis die Kath. Volksschule und trat nach seiner Schulentlassung bei seinem Vater als Schreiner in die Lehre. Nach Abschluß seiner Lehrzeit, also schon mit 17 Jahren, zog Herr Mohr auf die damals übliche Wanderschaft, die ihn den ganzen Rhein hinauf bis Mannheim führte.
Mit 20 Jahren übernahm er die Schreinerei von seinem Vater und baute sie mit Energie und Umsicht zu einer der größten im Oberpleiser Raume aus. In diesen jungen Jahren erbaute er unter anderem die Orgelbühnen in der Pfarrkirche in Heisterbacherrott und in Westerhausen.
Der Musik hat Bernhard Mohr sein Herz verschrieben. Schon als junger Mensch baute er sich selbst eine Zither. Hierin übte er sich in aller Stille, denn Vater Mohr war zunächst absolut gegen dieses Hobby. Eines Tages jedoch belauschte er unbemerkt das Spiel seines Sohnes Bernhard. Völlig ergriffen und begeistert kaufte er ihm eine kostbare Konzertzither.
Die Pfarrgemeinde Oberpleis berief Bernhard Mohr zu ihrem Organisten, da zu jener Zeit die Organistenstelle verwaist war. Gleichzeitig wurde er Dirigent des Kirchenchores, den er über 50 Jahre leitete. Nebenbei komponierte er Musikstücke und Partituren. So unter anderem „Laßt die Kindlein zu mir kommen" und eine Einlage zum 3. Credo „Et incarnatus est". Das letztere wurde in Kölner Kirchen mehrmals aufgeführt.
Man kann bei Bernhard Mohr von einem wirklichen Naturtalent sprechen, hat er doch nie Musikunterricht erhalten, sondern nur durch Selbststudium so große Leistungen erbracht. 1908 vermählte er sich mit Elisabeth Lehmacher aus Wahlfeld. Er hatte 5 Kinder, wovon eines in jungen Jahren verstarb, und ein Sohn gefallen ist, konnte er 1958 seine goldene Hochzeit feiern.
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