Aufnahme: 1963

Prälat Peter Buchholz wird neben der Eisbacher Kapelle begraben - Bevölkerung des Pleistales nimmt Abschied von dem toten Seelsorger

Eisbach bei Oberpleis. Erschütterung herrschte am Wochenende im Pleistal über die Nachricht, daß Prälat Peter Buchholz, der Ehrenbürger von Oberpleis, am Samstag in Bonn seinem Herzleiden erlegen ist. Die Bevölkerung wird zusammen mit vielen evangelischen und katholischen Verfolgten des Naziregimes dem verdienten Seelsorger am Donnerstag die letzte Ehre erweisen, wenn er in Eisbach zur ewigen Ruhe gebettet wird. Am Sonntag wurde Prälat Peter Buchholz in seinen Geburtsort Eisbach bei Oberpleis übergeführt und dort in der unter ihm erbauten Kapelle aufgebahrt. Schon in den ersten Stunden nach der Aufbahrung nahm eine große Menschenmenge Abschied von dem toten Seelsorger, dessen Name unauslöschlich mit der Geschichte des Widerstandes gegen die Machthaber des Dritten Reiches verbunden ist. 

In einer amtlichen Dokumentation der Bundeszentrale für Heimatdienst" schrieb Prälat Buchholz: ,,Was sich alles an Bestialitäten und Grausamkeiten in den Konzentrationslagern abgespielt hat, darüber sind der deutschen Öffentlichkeit die Augen geöffnet worden. Aber auch die Gefängnisse haben unsagbar viel Leid gesehen. Zwanzig Jahre bin ich Gefängnispfarrer gewesen, zwölf Jahre unter dem Hitler-Regime, davon die letzten Jahre in der Hinrichtungsanstalt Plötzensee, wo Tausende als Opfer der faschistischen Justiz den Weg zum Schafott haben gehen müssen. Was ich da gesehen habe an Not und Qual und Jammer bei den Todeskandidaten, die ständig gefesselt waren und denen sich in der Einsamkeit der Zelle die Tage endlos dehnten und die Nächte zu Ewigkeiten wurden, was ich auch erlebt habe an mannhaftem Tragen, an heldenhaftem Sterben, an gläubiger Hingabe an Letztes und Ewiges, davon muß ich einmal sprechen.

Noch stehen diese tapferen Männer und Frauen vor meinen Augen und das Mittragen, Mitleiden und Mitfühlen ihres Ganges zur Richtstätte ist tief und unauslöslich in mein Herz eingebrannt. Ich möchte den gramgebeugten Eltern, den untröstlichen Frauen, den verwaisten Kindern ins Auge schauen, meine Hände in die ihren legen und ihnen den letzten Händedruck, die letzte Umarmung ihrer Lieben weiterreichen. Ich möchte sie aufrichten durch die tröstliche Versicherung, daß der Sohn, der Vater, der Gatte, die Mutter und die Tochter ungebrochen den letzten Weg gegangen sind, daß die eine Gewißheit sie stark machte: Das Opfer meines Lebens wird nicht vergebens sein. "Einmal wird doch der Tag der Freiheit kommen!" 

„Der Tag der Freiheit ist gekommen! Aber haben wir uns dieser Freiheit würdig erwiesen?" fragte Prälat Peter Buchholz den R-Mitarbeiter Friedrich Krips bei seinem goldenen Priesterjubiläum. Diese Frage hat den verstorbenen Seelsorger in den vergangenen Jahren stets bewegt. Letztlich war es eine Frage um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes, dessen beste Kräfte er nach den Ereignissen vom 20. Juli 1944 zum Richtplatz geleitete, bis uns die Nachricht erreichte, daß durch ein besonderes Verbot Hitlers der seelsorgerische Zuspruch vor dem Tode zu versagen sei, eine besonders grausame Härte, wenn man bedenkt, was abgesehen von den religiösen Momenten in den letzten Augenblicken zwischen Leben und Tod die tröstliche Nähe eines mitfühlenden und mittragenden Menschen bedeutet." 

Vor zwei Jahren war die Oberpleiser Pfarrkirche des Heiligen Pankratius gefüllt von Menschen, die diese fürchterliche Zeit überstanden, die dem Seelsorger Peter Buchholz durch ihre Teilnahme am Festgottesdienst zu seinem goldenen Priesterjubiläum ihre Referenz erweisen wollten. "Unter den vielen Teilnehmern waren namhafte evangelische Theologen und führende Politiker der Gegenwart, die in ihren schwersten Stunden die Bekanntschaft von Prälat Peter Buchholz gemacht haben".

Prälat Buchholz' Herz trug die Lasten eines reichen Lebens in Gott und mit Gott, gegen den Widersacher, der im verflossenen "Tausendjährigen Reich" Fleisch angenommen hatte und alle zu vernichten trachtete, die gegen ihn waren. Prälat Buchholz widerstand ihm und half denen, die in Not waren.

Das haben die Oberpleiser nicht vergessen. Sie waren stolz auf "ihren Prälaten", auf Peter Buchholz, der ein Kind der Heimat hinter den Sieben Bergen war und blieb und im Schatten des Ölberges bei der unter ihm erbauten Kapelle in Eisbach zur ewigen Ruhe gebettet sein wollte.

Zum Bericht in der Siebengebirgs-Zeitung  - siehe Link unten.

Räume & Galerien
Aus den Dörfern ringsum Persönlichkeiten und Originale Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
Aufrufe
119

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.