Aufnahme: 1960
Das Vorteil-Geschäft von Katharina Bennerscheid, Eudenbach Nr. 22
Alles, was frau so braucht
Der spätere Vorteil-Laden von Käthe Bennerscheid bot anfangs auch Hutmoden
Bereits ab 1960 gab es in Eudenbach einen Vorläufer des großen Vorteil-Centers, dessen Grundstein 1963 in Asbach gelegt wurde.
Katharina Quirrenbach aus Eudenbach, die in Asbach den Beruf der Modistin gelernt und 1928 die Gesellenprüfung im Putzmacherhandwerk mit „gut“ bestanden hatte, eröffnete nach der Heirat mit Heinrich Bennerscheid im Jahre 1933 in dem Eudenbacher Haus Nr. 22 (heute Schulstraße 12) gegenüber dem heutigen Marktplatz und ihrem Elternhaus einen Gemischtwarenladen, in der sie laut Gewerbeschein auch Putz- und Modewaren verkaufte. Im Krieg wurde das Geschäft jedoch völlig zerstört und in den Jahren 1946/ 47 unter großen Mühen an der gleichen Stelle wieder aufgebaut. „Käthe“ Bennerscheid führte ihr Geschäft fortan mit viel Umsicht und recht erfolgreich. Ihre Tochter Melitta, die schon als Kind mithalf und sich im Geschäft bestens auskannte, erinnert sich, dass der Laden jeden Sonntagvormittag geöffnet war, weil die Landfrauen unter der Woche keine Zeit hatten, sich um neue Hüte oder deren Modernisierung zu kümmern. Zur obligatorischen Ausstattung einer jeden Frau gehörte damals jedoch mindestens ein Hut.
Also kamen die Frauen nach dem Sonntagsgottesdienst, suchten neue Garnituren für ihre Hüte aus und gaben Änderungen oder eine Neuanfertigung in Auftrag. Die Rohlinge für die anzufertigenden Hüte bezog die kluge Geschäftsfrau von der Firma Fritz und Co. in Köln. „Wir fuhren mit der Bröltalbahn von Rostingen bis Köln, wo wir die Rohlinge in großen Kartons abholten“, erinnert sich Melitta Göbler, deren Aufgabe es war, die bestellten Hüte auszuliefern und den zu zahlenden Geldbetrag zu kassieren, derweil die Mutter im Laden unter anderem Haushaltswaren und Lebensmittel verkaufte. Sie erinnert sich: „Damals wurden Zitronat und Orangeat wie auch der Käse nach Bedarf von großen Stücken abgeschnitten. Salz, Zucker und Mehl standen in Säcken im Laden; manchmal waren das Salz oder der Zucker zu harten Brocken verklumpt, so dass wir die verlangte Menge abhacken mussten. In großen Fässern hatten wir Heringe, die sich in Salzwasser oder einer milchigen Lösung befanden.“
Um den Erfolg ihres Einzelhandelsgeschäfts zu steigern, schloss sich Käthe Bennerscheid 1960 der Vorteil-Handelskette an und stellte den Laden auf Teil-Selbstbedienung um. Daraufhin stellte sich ein ungeahnter Erfolg ein: Durch die enge Zusammenarbeit mit der Vorteil-Bezirkszentrale Anton Limbach in Asbach, die ein modernes Verkaufssystem, einen Werbe- und Beratungsdienst sowie Eigenmarken anbot, entwickelte sich der Gemischtwarenladen zum leistungsstärksten Einzelhandelsgeschäft im Dorf. Die großen Schaufenster mit Blick in den Laden und die persönliche Beratung durch die bescheidene und stets freundliche Geschäftsfrau taten ein Übriges.
Käthe Bennerscheid sollte sich nicht lange an diesem Erfolg erfreuen: Sie starb bereits 1965, und Tochter Melitta übernahm nun das Vorteil-Geschäft. Auch nach der Heirat mit Karl-Walter Göbler 1968 und der Geburt des Sohnes führte sie das Geschäft weiter. 1981 - das Ehepaar hatte inzwischen in der Schulstraße 44 ein Eigenheim gebaut - gab Melitta Göbler unter dem Druck der allgemeinen wirtschaftlichen Veränderungen und wachsender Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter den Vorteil-Laden auf. Damit schloss eins der letzten Lebensmittelgeschäfte in Eudenbach. In den Geschäftsräumen eröffnete Melitta Göbler stattdessen einen Otto-Shop. Dort konnten die Kunden in den ausliegenden Katalogen stöbern, aus dem großen Warenangebot des Hamburger Versandhändlers das Gewünschte auswählen und bestellen oder die im Shop monatlich wechselnd angebotenen Waren direkt kaufen. „Eigentlich hat sich das Geschäft nicht gelohnt, aber der Kundenkontakt und die Arbeit machten mir Spaß“, resümiert Melitta Göbler heute. 1984 gab sie auch den Shop auf. Nach einem Umbau zog 1985 dort eine Filiale der Volksbank Bonn Rhein-Sieg ein. Als diese wenige Jahre später geschlossen wurde, zogen Blumengeschäfte ein; zunächst „Blumen Bröhl“ aus Thomasberg. 2000 eröffnete Katrin Freimuth ihr Geschäft „Katrin Blumen und mehr“. Zwei Jahren später folgte das Blumengeschäft Delrue, das bis 2009 blieb. Danach wurden die Räume zu einer Privatwohnung umgebaut. Um nicht untätig zu sein, arbeitete Melitta Göbler noch bis zum 70. Lebensjahr in mehreren Bäckereien, zunächst in Eudenbach, dann in Oberpleis, mit. „Ich habe immer gerne gearbeitet“, gesteht Melitta Göbler.
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