Aufnahme: 1950
Firmengeschichte Schreinerei Limbach in Rostingen - Franz Limbachs Meisterstück, der Leichenwagen von 1931, bei einem Begräbnis
Wagenbau, Tischlerei und Bestattungen Stellmacherbetrieb, Schreiner- und Bestattungsunternehmen Limbach in Rostingen
Wer kennt heute noch Stellmacher? Vertreter dieses fast ausgestorbenen Berufs, der zu den traditionellen Holzhandwerksberufen gehört, stellten Räder, Wagen, Karren, Kutschen und landwirtschaftliche Geräte her und reparierten sie. Der 1899 in Rostingen geborene Franz Limbach war wohl einer der letzten in der Region.
Nach dem ersten Weltkrieg begann er im linksrheinischen Niederbachem - heute Gemeinde Wachtberg - eine Stellmacher-Lehre. Für den monatlichen Besuch bei den Eltern ging damals der junge Franz samstagabends nach dem Aufräumen der Werkstatt zu Fuß nach Rostingen, wo er nach Mitternacht eintraf. Montagmorgens in aller Frühe ging er wieder zurück zum Lehrbetrieb in Niederbachem.
Nach den Gesellenjahren und anschließenden Wanderjahren, der so genannten „Walz“, während der er nach eigenen Angaben auch in den Adlerwerken arbeitete, legte er am 29. Dezember 1931 vor der Handwerkskammer Köln die Meisterprüfung im Stellmacherhandwerk ab. Sein Meisterstück war ein Leichenwagen, mit dem er viele Jahre die Verstorbenen der Region auf ihrem letzten Weg vom Wohnhaus zum Friedhof fuhr. Früher wurden die Bestattungen vom Sterbehaus aus durchgeführt. Das bedeutet, dass die Trauergemeinde bei jedem Wetter betend hinter dem pferdebespannten Leichenwagen zum Friedhof zog. Später wurden die Leichen in einer Kühlhalle in Buchholz aufbewahrt, bis die Oberhauer schließlich eine eigene Leichenhalle auf ihrem Friedhof errichteten
1932 errichtete Franz Limbach in einem Gebäude auf dem Hof seiner Eltern Christian und Gertrud Limbach, heute Rostinger Straße 46, seine erste Stellmacherwerkstatt mit angegliedertem Bestattungsunternehmen. Zuvor hatten die Oberhauer, wenn ein Angehöriger gestorben war, sich nach Oberpleis wenden müssen, wo der Schreiner Albert Falderbaum Särge fertigte und Begräbnisse durchführte.
Ab Januar 1935 war Franz Limbach auch als Inhaber eines Tischler-Betriebs in der Handwerksrolle eingetragen. Im gleichen Jahr heirateten er und seine Frau Maria. 1936 wurde Sohn Willi geboren, Tochter Franziska und Sohn Helmut folgten. Mit der Zeit wurde die Wohnung zu klein. So wurde in der Rostinger Straße 27 ein neues Wohnhaus gebaut. Die Familie zog 1949 ein, und Franz richtete sich im ausgebauten Kellerbereich eine Werkstatt ein.
Mitte der 1950er Jahre begann Sohn Helmut eine Lehre bei Schreinermeister Wilhelm Krey in Oberpleis und unterstützte nach der Gesellenprüfung seinen Vater im Betrieb.
Nach der Hochzeit 1968 half auch seine Frau Angelika als ausgebildete Bankkauffrau im Betrieb mit und übernahm fortan die anfallenden Büroarbeiten sowie die Betreuung und Beratung bei Trauerfällen.
Im Jahr 1969 wurde die erste Werkstatthalle errichtet, die 1980 um einen Maschinenraum und ein Spänesilo erweitert wurde.
1973 erwarb Helmut Limbach den Meistertitel im Tischlerhandwerk und führte den Schreinereibetrieb anschließend gemeinsam mit seinem Vater. Am 1. Januar 1975 wurde der erste Auszubildende eingestellt. Mit der Zeit wuchs der Betrieb und damit auch die Zahl der Beschäftigten. 1980 zählte das Unternehmen fünf Mitarbeiter einschließlich Auszubildender.
1974 wurde Tochter Simone geboren, und Angelika Limbach musste ihre Zeit mehr zwischen Haushalt, Kindererziehung, Pflege ihrer Schwiegereltern und Arbeit im Betrieb aufteilen.
Franz Limbach, der 1992 starb, half so lange es ihm möglich war, im Betrieb mit.
Aus gesundheitlichen Gründen übergab das Ehepaar Limbach 2004 den Tischlereibetrieb an seinen ehemaligen Mitarbeiter Dieter Weber.
Das Bestattungsunternehmen führten Helmut und Angelika Limbach selbst weiter. Helmut kümmerte sich vornehmlich um die Versorgung der Verstorbenen; Angelika übernahm neben der Büroarbeit die gesamte Begleitung der Hinterbliebenen und sämtliche anfallenden Formalitäten. Da viele Hinterbliebene der Situation völlig hilflos gegenüberstanden, wuchsen die Aufgaben in diesem Bereich stetig an, so dass vermehrt auch Unterstützung etwa bei Vertragskündigungen oder Behördengänge gefragt waren. „Der Kontakt zu den Menschen und ein vertrauensvolles Miteinander waren uns immer sehr wichtig“, sagt Angelika Limbach. Zum Jahresende 2018 gaben die Eheleute schließlich das Bestattungsunternehmen auf. Helmut Limbach verstarb 2024.
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