Aufnahme: 1949

Einweihung der evangelischen Kirche Oberpleis 1949

Die evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

Das Rheinland war bis auf kleine „Enklaven” überwiegend katholischen Glaubens. Bis ins 20. Jahrhundert waren evangelische Christen, zumindest in dörflichen Bereichen, eine Seltenheit.

In den Schulen wurde einseitig unterrichtet. Luther und die Reformation standen gewissermaßen auf dem „Index”. Die einzelnen Kinder waren dem Spott ihrer Mitschüler ausgesetzt und Mischehen waren eine Todsünde.

Dies änderte sich alles nach dem 2. Weltkrieg. Die Vertreibung aus dem Osten (Ostpreußen, Pommern und Schlesien) und später auch ein kostengünstiges Angebot von Grundstücks- und Baupreisen waren der Grund für den Zuwachs und weckten auch in unseren Breiten allgemeines Verständnis und Toleranz.

Vor dem 2. Weltkrieg war für die wenigen Glaubensbrüder hier die Evangelische Kirchengemeinde Oberkassel zuständig. Ehe an einen Kirchenhau in Oberpleis überhaupt gedacht wurde, wurden von Pastor Walter Lubrich hier in Oberpleis sogenannte private Predigerstellen eingerichtet.

Der erste Gottesdienst wurde im Kinosaal Bellinghausen gefeiert.

Nach dem Kauf eines Grundstücks in Boseroth 1949 konnte im gleichen Jahr mit finanzieller Hilfe aus aller Welt am 11. Dezember die neue Kirche für das Evangelische Flüchtlings-Diasporazentrum Oberpleis geweiht werden.

Ein Harmonium und eine Glocke mit der Inschrift: „O Land, Land, Land höre des Herren Wort” sollten zum Kommen, Beten und Singen einladen. Es sollte noch bis zum Jahr 1955 dauern, ehe für Pastor Lubrich mit seiner 10-köpfigen Familie ein eigenes Domizil gefunden wurde. Bis zum Jahre 1973 versah er sein Priesteramt.

Sein Nachfolger war Pfarrer Diether Finke. In seine Wirkungszeit fiel die Grundsteinlegung des neuen Gemeindehauses gegenüber der Kirche. Schon 3/4 Jahr danach war die feierliche Einweihung im Rahmen einer Festwoche zu Pfingsten. Zur Gestaltung des umfangreichen Programms trug u.a. auch der Kirchenchor St. Pankratius Oberpleis bei. Es wurde eine Festschrift erstellt mit Grußworten des Königswinterer Bürgermeisters Günter Hank und des Vorsitzenden des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Oberpleis, Dr. Hermann Freiherr von Richthofen.

Die ev. Kirchengemeinde hat derzeit im Pfarrbezirk Oberpleis ca. 2.300 Seelen.

An Institutionen wären zu nennen: Frauenhilfe, ökumenischer Arbeitskreis, Bibelabende, Laienspielkreis, Kirchenchor (25 Mitglieder),Posaunenchor, Kindersingkreis, Gemeindebibliothek usw.

Seit acht Jahren gibt es den Gemeindebrief und seit ein paar Jahren auch mit der katholischen Pfarrfamilie zum Jahresende eine Gemeinschaftsschrift.

Mit der Errichtung des Gemeindehauses im Jahre 1994 haben die evangelischen Christen in Oberpleis nun den lange herbeigesehnten Gemeindemittelpunkt. Schon in kürzester Zeit wurde das Haus mit Leben gefüllt. Jung und Alt, Groß und Klein treffen sich zu regelmäßigen Veranstaltungen. Ein engagiertes Team von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt Pfarrer Heiko Schmitz, der seit 1986 diese Gemeinde betreut.

In den letzten Jahren hat sich als weiterer Schwerpunkt neben der Seniorenarbeit die Beschäftigung mit Kindern herausgebildet. Zahlreiche Familiengottesdienste, Freizeiten und nicht zuletzt der Bau des Evangelischen Kindergartens direkt neben der Kirche und dem Gemeindehaus gehen davon ein sichtbares Zeugnis. Obwohl die evangelische Kirchengemeinde immer noch zur Diaspora zählt, hat sie – wie andere evangelische Gemeinden im Umkreis – tatkräftig an der jüngeren Geschichte des Siebengebirges mitgewirkt.

Quelle
Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis
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