Aufnahme: 1949
Primiz in Oberpleis
Sonntag, den 24. Juli 1949
Primiz - die Feier der ersten heiligen Messe in der Heimatpfarre - ist die Erstlings-Gabe des neugeweihten Priesters, die er nächst Gott, der ihn von dieser heiligen Stätte her mit ganz besonderer Liebe ins Leben geleitet hat, all denen schenkt, die ihn von Jugend an auf diesem Lebensweg begleitet haben: Eltern und Geschwistern, Priestern und Lehrern, Verwandten und Freunden, Spiel- und Weggefährten, Lebenden und Toten.
Primiz als erstes Opfer am Altar der Pfarrkirche ist der Dank des Neugeweihten an die Heimat - die große Pfarrgemeinde Oberpleis und die kleine Dorfgemeinschaft Eisbach -, die als Heimaterde den jetzigen Priester getragen und genährt, gestärkt und geformt hat, Heimatboden, in dem das Kind des Dorfes ebenso verwurzelt ist wie der Diener des Herrn. Es ist etwas Eigenes um das kleine Dorf Eisbach, dessen Höhe die Kapelle zur schmerzhaften Mutter krönt. Der Weg von Oberpleis her durch die Felder zu dieser Höhe spricht in seinen zahlreichen Wegkreuzen seine eigene Sprache. Der fromme Sinn der Väter hat sie errichtet und die Kapelle auf der Höhe erbaut. Der gleiche fromme Sinn der Dorfbewohner von heute hat sie erhalten und hat in diesen Tagen die Kapelle auf der Höhe der lieben, schmerzhaften Mutter zur Ehre und Dank in ihrem Innern zum wahren Kleinod gemacht.
Nur Gott allein kennt all die gnadenvollen Kräfte, die von dieser stillen Stätte ausgegangen sind. Nur Gott allein kennt die geheimnisvollen Kräfte, die wir im Glauben als Gemeinschaft der Heiligen bekennen und die im Leben einer Familie und einer wahren Dorfgemeinschaft mit seiner Gnade zusammenwirken und aus dem kleinen Eisbach wieder einen Priester haben hervorgehen lassen, den vierten in der Reihe derer, die mit Pfarrer Dr. Johannes Kirschbaum beginnt. Er wurde zum Priester geweiht in Rom am 27. März 1869 und starb als Pfarrer von Büderich am 2. März 1919 kurz vor seinem goldenen Priesterjubiläum. Mit seinem Eintritt ins Leben und seinem Eintritt ins Heiligtum hängt aufs engste zusammen die Entstehung und Einweihung der Kapelle Eisbach, die sein Vater der schmerzhaften Mutter für die glückliche Geburt seines Kindes in schweren Stunden gelobte, und in der dieser Sohn, zu Beginn des Krieges1870 aus Rom heimkehrend, das erste hl. Opfer und zugleich sein erstes heiliges Opfer in der Heimat feierte.
Der nächste in der Reihe der aus Eisbach stammenden Priester: Pater Johannes Weber, der Onkel des heutigen Primizianten, Bruder seines Vaters, wurde zum Priester geweiht am 27. Februar 1904 und starb nach 40 Ordensjahren im Kriegsjahr 1944.
Der dritte ist der allen Oberpleisern vertraute und seiner Heimat eng verbundene Domkapitular Peter Buchholz, der dem Primizianten an seinem Ehrentage das priesterliche Wort mit auf den Weg geben wird. Domkapitular Buchholz wurde im Jahre 1911 zum Priester geweiht und hat als Seelsorger der Gefängnisse von der Schmerzensmutter her die Kraft dazu gehabt, viele tausend Opfer der vergangenen Jahre auf ihrem letzten schweren Weg zu trösten, dem Weg in die Ewigkeit.
Nun erlebt das Dorf Eisbach - und mit ihm auch die Pfarrgemeinde Oberpleis - zum vierten Male die priesterliche Weihe eines der Ihren. Franz Weber, am 17. Juli 1949 im Hohen Dom zu Köln geweiht, wurde am 9. November 1918 in Eisbach geboren. Sein Vater Wilhelm Weber vollendet in diesem Jahre das achtzigste Lebensjahr. Seine Mutter Maria geb. Könsgen ist bereits vor der Weihnacht 1937 in die ewige Heimat gegangen. Von zehn Geschwistern ist Franz der Jüngste. Sein Bruder Christian ist noch am letzten Kriegstag gefallen, sein Bruder Josef noch nicht heimgekehrt. Der alte Vater und sieben Geschwister dürfen mit dem jüngsten Sproß der Familie den hohen Festtag begehen.
Mit der Familie freut sich aber auch die ganze Pfarrgemeinde, denn der heutige Neupriester Franz Weber ist sowohl der kleinen Dorfgemeinschaft Eisbach wie der großen Gemeinde Oberpleis von den Tagen seiner Kindheit an so eng verbunden, daß ihn wohl jeder kennt. Die Pfarrgemeinde sieht in ihm den wahrhaft berufenen Jünger des Herrn. Darum nimmt sie von ganzem Herzen Anteil an dem Feste, das auch zugleich ihr Fest ist. Sie wünscht dem jungen Priester Gottes reichsten Segen und erbittet für sich durch seine Hand und sein Gebet den gleichen Segen Gottes.
Die Feier der Primiz gestaltet sich nach folgender Ordnung:
Samstag, den 23. JuH 1949
20,00 Uhr Empfang des Primizianten durch die Dorfgemeinschaft Eisbach am Eingang des Dorfes.
Sonntag, den 24. Juli 1949
8.30 Uhr Abholen des Primizianten am elterlichen Hause durch die Dorfgemeinschaft Eisbach.
9.00 Uhr Einholen des Primizianten an der Burg Niederbach durch die Pfarrgemeinde.
An dieser ersten Begrüßung des Neupriesters beteiligen sich der Kirchenvorstand, der Kirchenchor und weiß gekleidete Kinder. Die Banner der Kolpingsfamilie und der kath. Jugend begleiten diesen Zug. Es ist selbstverständlich auch jedem Gläubigen freigestellt, sich diesem Zuge anzuschließen. Wir bitten darum, den Weg des Primizianten durch das Dorf Oberpleis an dem hohen Festtag entsprechend zu schmücken.
Um 9.30 Uhr beginnt das feierliche Primizamt.
Die Predigt hält Herr Domkapitular Buchholz. Die für die Familie und nächsten Angehörigen reservierten Plätze bitten wir freizulassen. Nach dem Primizamt wird der Neupriester bis zum Ausgang des Dorfes zurückbegleitet. 17,00 Uhr Danksagungsandacht. Nach der Andacht wird der Primizsegen erteilt. 20,30 Uhr singt der Kirchenchor vor dem Hause des Primizianten.
Montag, den 25. Juli 1949
9.00 Uhr Amt für die Lebenden und Verstorbenen der Dorfgemeinschaft in der Kapelle zu Eisbach.
19.00 Uhr Feier der Dorfgemeinschaft Eisbach im Sälchen oder bei gutem Wetter im Freien.
Zum Herz-Jesu-Freitag, am 5. August, erbittet der Primiziant die Namen der Kranken aus der ganzen Pfarrgemeinde Oberpleis, die aus seiner Hand die hl. Kommunion und den Primizsegen empfangen wollen. Die Anmeldungen möge man entweder in der Pastorat oder im Hause Weber, Eisbach, oder Tel. über 304 bei Johann Bennerscheid rechtzeitig abgeben.
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