Aufnahme: 1949
Goldene Hochzeit der Eheleute Josef und Maria Hein in Wahlfeld
"Das Pfarrblatt erzählt vom Erlebnis echter Dorfgemeinschaft.
Es könnte noch einmal wiederholen, was es bereits das letzte Mal an den Anfang setzte:
Wer das nicht miterlebt hat, dem können nachträglich niedergeschriebene Worte nur schwer vermitteln, wie schön alles war, wie auch diesmal wieder Viele Anteil nahmen an der Vorbereitung eines Festtages und Anteil hatten an der beglückenden Freude dieses Tages, dem wiederum die strahlende Sonne am Himmel ihren besonderen Glanz verlieh.
Es war der letzte Tag und Sonntag im Monat Juli, der in Wahlfeld eine goldene Hochzeit sah.
Goldene Hochzeit in Wahlfeld.
In Lehmachers Hof, der seit Jahrzehnten schon Treffpunkt und Spielplatz der Kinder des Dorfes war und es auch geblieben ist, waren an einem schönen Sonntag-Abend, einige Wochen vor der Feier, die Dorfbewohner von Wahlfeld versammelt, um miteinander zu beraten, wie sie seitens der Dorfgemeinschaft die goldene Hochzeit der Eheleute Josef und Maria Hein, die als Ostvertriebene aus Schlesien zu uns gekommen sind, würdig gestalten könnten. Männer und Frauen, die ältere und jüngere Generation, saßen zusammen in der Runde. Um den Kreis der „Alten“ spielten die Kinder, wie es früher ihre Väter und Mütter getan, und selbst die getreuen Wächter des Dorfes lagen zu Füßen ihrer Herren. In diese schöne Runde kam der Pastor und fand Platz neben einem der Dorfältesten, Johann Jonen, der so manches Jahr als Kirchenschweizer im Hause Gottes gedient hat und auch jetzt noch allmorgendlich den für ihn mühsamen Weg zum Haus des Herrn geht.
Ein Rat der Alten arbeitet mit Bedacht und so war es auch hier, aber als der Pfarrer in den dunkelnden Abend hinein nach Hause ging, nahm er, ohne viele Einzelheiten über die endgültige Gestaltung zu kennen, das frohe Bewußtsein mit, daß bei einer lebendigen Dorfgemeinschaft, die Vorbereitung des Festes in guten Händen lag. Dies schöne Bild der einmütigen Dorfrunde in Lehmachers Hof wird ihm noch lange unvergeßlich bleiben.
Ebenso das zweite Bild; wie die gleiche Dorfgemeinschaft am Sonntag, dem 31. Juli, das Jubelpaar zur Kirche brachte. An der Spitze des Zuges der blumengeschmückte Wagen, der die glücklichen alten Leute mit je zwei ihrer Kinder und Kindeskinder zum Hochamt fuhr. Dahinter das festlich gekleidete Dorf: Kinder in Weiß, Männer in Schwarz und dazwischen Frauen und Mädchen in buntfarbenen Kleidern, alle mit frohen Gesichtern. So waren sie denn auch alle mit frohen Herzen im Gotteshaus beisammen. Vor dem Altar das alte Paar und im Kirchenschiff die Dorfgemeinschaft, die für diesen Tag den Altar der alten Pfarrkirche festlich geziert hatte. Der Kirchenchor war auch mit besonderer Liebe tätig und sang die unvergängliche „Deutsche Messe" von Franz Schubert.
Die kirchliche Feier der goldenen Hochzeit beginnt mit einer Segnung des Jubelpaares, das noch einmal, wie bei der Trauung, die Hände ineinander legt unter folgendem Segensgebet des Priesters: „Allmächtiger und barmherziger Gott, der Du durch Deinen Diener Moses befohlen hast, das 50. Jahr zu heiligen, und der Du allen, die Dir treu bleiben, reichen Segen versprochen hast. Verleihe gnädig, daß diese Deine Diener, die das goldene Jubiläum ihrer Ehe feiern und dank Deiner Güte diese 50 Jahre erleben durften, auch Deinen himmlischen Segen und ihre Heiligung erfahren und im Guten beharren, die Krone ewiger Glückseligkeit erlangen, durch Christus unseren Herrn.“ In seiner Ansprache an das Paar, die Dorfgemeinschaft und die Pfarrgemeinde erinnerte der Pfarrer daran, daß über aller Freude und allem Leid der 50 Jahre und auch inmitten aller Not der letzten Jahre Gott der Herr gestanden hat: Gott, der getreu ist und uns in seiner stillen, verborgenen Opferliebe nie verläßt; Gott, der in dieser Liebe hier ebenso lebendig gegenwärtig ist, wie er es in der schmerzlich verlassenen Heimat des Ostens war. Er dankte der Dorfgemeinschaft, daß sie diese verborgene Liebe Gottes durch ihre Hände und Herzen für die alten Leute an ihrem Ehrentage ein wenig hat sichtbar werden lassen. Der Tag wird im Buche Gottes für die Dorfgemeinschaft Wahlfeld aufgezeichnet sein und bleiben.
Das dritte Bild des Tages bot die Familienfeier am Nachmittag und Abend, die mit den nächsten Angehörigen des Jubelpaares die Nachbarn aus der schlesischen Heimat und das ganze Dorf zu einer großen Familie in Meurers Hof versammelte. Eine mit Tannengrün und Blumen ausgeschmückte Scheune, und reichlich gedeckte Tische, ein kleines Orchester mit feierlichen Weisen und eine lustige Tanzmusik, Reigen und Gedichte der Kinder zeigten, was auch eine kleine, nicht gerade begüterte Gemeinschaft zu schaffen vermag, wenn alle mit dem Herzen dabei sind. Viele gute Wünsche wurden den alten Leuten entboten, die am besten in einem Gedicht der beiden verwaisten Enkelkinder Ausdruck fanden. Es wurde ein Nachmittag und Abend, der dem Jubelpaar und seinen Landsleuten ein Stück Heimatbewußtsein schenkte und allen andern die Freude, dabei mitgewirkt zu haben.
Euer Pastor Hans Wichert"
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.