Aufnahme: 1942
Kriegszeiten in Königswinter-Berghausen 1942-1945
Zeitzeugen berichten
entnommen aus dem gleichnamigen Buch von Herbert Krämer (erschienen 2015):
Vorwort
Unser Dorf Berghausen wird auch „die Republik" genannt.
Das hat einen geschichtlichen Hintergrund.
In den politischen Wirren des Jahres 1848 wollten sich unsere von Missernten in den Vorjahren betroffenen Vorfahren nicht mit den bestehenden Verhältnissen, mit den hohen Steuern, mit den zahlreichen Verordnungen und mit dem arroganten Umgang der ortsfremden Beamten den Bürgern gegenüber abfinden. Eine Männerschar aus unserem Dorf lehnte sich gegen die von ihnen angenommene Behördenwillkür auf und zog aus Protest zunächst nach Stieldorf, dem damaligen Verwaltungssitz der Bürgermeisterei Oberpleis, und sodann zum Zeughaus nach Siegburg.
Aber dort wie hier wurden sie abgewiesen. Sie kehrten also unverrichteter Dinge nach Hause zurück. Diese Begebenheit hinterließ Spuren: Wir Berghausener - in der Ortsmundart „Berser" - lassen uns nicht so leicht unterkriegen und deshalb nennt man uns im Volksmund „Die Republikaner".
Ganz andere Dimensionen und Auswirkungen hatte der Zweite Weltkrieg, dessen Kampfhandlungen nicht nur, wie im Ersten Weltkrieg, fernab im Feindesland stattfanden, sondern mit dem Fortgang des Krieges zunehmend auch unsere Heimat am Siebengebirge und unseren Ort Berghausen betrafen.
50 Jahre nach Kriegsende, am 21. März 1995, befasste sich eine Versammlung in der ehemaligen Gaststätte Müller in Berghausen mit den Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg. Insbesondere an seine Endzeit.
Wie war die Situation hier in Berghausen?
Wie haben die Berghausener diese schwierige Zeit überstanden?
Diese und ähnliche Fragen wurden angesprochen und jeder der Zeitzeugen schilderte aus seinem persönlichen Blickwinkel seine Erlebnisse aus der Kriegszeit: das Grauen der Kampfhandlungen wie auch große Hilfsbereitschaft und Unterstützung in den Nachbarschaften.
Die Beiträge in der Versammlung wurden in einem Wortprotokoll festgehalten, so dass wir heute, 70 Jahr nach Kriegsende, auf diese interessanten, wertvollen Erinnerungen zurückgreifen können.
Eine schriftliche Umfrage im Sommer 2014 brachte ergänzende Zeitzeugenberichte. So erhält der Leser einen anschaulichen Überblick aus einer Zeit, die heute hier kaum noch vorstellbar ist. Und die geschilderten Ereignisse fanden nicht irgendwo statt, sondern hier in unserer Heimat. Somit sprechen sie auch Menschen in anderen Orten des Siebengebirges an.
Bei der Versammlung im März 1995 fragte der in Berghausen wohnende Niederländer Willem Beusekamp, der in der Bundeshauptstadt Bonn als Deutschlandkorrespondent für die niederländische Zeitung „De Volkskrant" arbeitete: „Ich würde gerne wissen: Wie fühlten sich die Deutschen, also die Berser? Fühlten die sich wirklich befreit vom Faschismus oder war man (lediglich) heilfroh, dass es mit dem Elend, mit den Bombardements, ein Ende hatte?"
Meine Antwort ist die gleiche, wie sie in der Versammlung allgemein geäußert wurde: „Beides".
Dieses Buch haben Berghausener Bürgerinnen und Bürger geschrieben.
Dafür danke ich allen, die mitgemacht haben. Sie haben dazu beigetragen, dass auch jetzt, nach 70 Jahren, die Erinnerung an eine angsterfüllte Epoche wach gehalten und damit die Überzeugung gefestigt bleibt, dass Fremdenfeindlichkeit, Hass und kriegerische Auseinandersetzung keine Lösung sind.
Danke.
Ein besonderer Dank gilt Frau Elke Wasserheß. Sie hat bei der druckfertigen Gestaltung der Zeitzeugenberichte hervorragende Arbeit geleistet.
Ein weiterer Dank an den Lektor Herrn Dr. Elmar Heinen, an Herrn Reinhard Becker für das Layout, Herrn Klaus Breuer für die Übersetzungen, Herrn Jakob Sieger für die Informationen und Herrn Ralf Klodt für die Informationen sowie die Hergabe von Fotos.
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