Kamin der Boserother Pannefabrik

Aufnahme: 1935

Kamin der Boserother Pannefabrik

„Vor 1218 hatte die Propstei Oberpleis in "Boseroth" zwei Höfe erworben, die 12 Solidi (Goldstücke) an Pacht einbrachten. Dieser Besitz wurde der Propstei im gleichen Jahr von Erzbischof Engelbert von Köln bestätigt, ist aber im Lauf der Jahrhunderte wieder verloren gegangen. In späteren Urkunden über Grenzbegehung und Abgabestreitigkeiten werden auch Bauern aus Boseroth genannt; zu den Familien, die erstmals in den Kirchenbüchern genannt werden, kann man sie aber nicht mehr in Beziehung bringen. 1728 gab es aber schon die Familien Stricker, Klein, die Raths und die Hochstätters, die Beckers, Gast und Neffgen, und die Bennerscheid waren schon mehrfach vertreten. An Lambertus Raths erinnert noch die Flurbezeichnung "Lammerichs Acker" und vom Sterben und Tod des Peter Bennerscheid hat der Pastor im Totenbuch eingetragen: "1736, den 29. 9bris (Nov.) starb Peter Bennerscheid aus Boseroth, erschlaffte innerhalb acht Tagen, zitternd wie ein Weib vor einem abgekürzten Ende, Salben und kaltmachendes Wasser, ein Bußgang zuletzt. weil zu befürchten, bald zu sterben. aber dringend verlangend, beseelt zu bleiben." Es hatte alles nichts genutzt. 

1769 heiratete eine Enkelin des Lambertus Raths den Adolf Stricker, Sohn des Oberpleiser Offermanns. Sie sind die Eltern des späteren Oberpleiser Pastors Joh. Wilhelm Stricker, 1771 in Boseroth geboren und 1834 in Oberpleis gestorben. 

Vor 1730 wurde in Boseroth schon Ton verarbeitet und Dachziegel gebrannt. Davon kündet die Sterbeeintragung vom Tod des Bernard Stricker, sein Beruf war Pannenbäcker. Der Beruf ging dann über auf die Bennerscheids und dann an die Familien Gast. 

Mit Hilfe von Tagelöhnern haben sie den Ton gefördert. das Holz für den Brennofen gemacht, den Ofen versorgt und zur Eigenversorgung betrieben sie, wie jede andere Familie, auch noch Landwirtschaft. Eine alte Rechnung in den Hennefer Schulakten besagt, dass 1822 6000 Dachziegel aus Boseroth für die neue Schule in Hennef geliefert wurden. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurde noch ein neuer Ofen mit einem hohen Kamin gebaut, für Jahrzehnte das Wahrzeichen von Boseroth. Die Herstellung von Dachziegel wurde aber um 1925 wegen veralteter Produktionsmethoden und Schwierigkeiten in der Nachfolge eingestellt. Der Kamin stand noch bis 1948. Im Jahre 1843 wohnten in Boseroth in 30 Häusern 176 Personen, viertgrößter Ort in der Gemeinde. Gute und schlechte Zeiten hat das Dorf Boseroth erlebt. Nichts ist bekannt darüber, wie die Boserother der Oberpleiser Propstei die Höfe "abgeluchst" haben, und die Notzeiten kann man nur erahnen wenn man liest, dass im Jahr 1847 allein aus Boseroth die Familie Leyendecker mit 4 Kindern, vier Geschwister Hochstätter, der Schreiner Patt und Johann Laufenberg mit Frau und sieben Kindern nach USA ausgewandert sind. Eine schlechte Zeit glaubte man überwunden. als der Bauer Peter Hochstätter im Jahre 1924 für seine Söhne ein Sägewerk kaufte als Grundlage für einen Beruf. Aber das ist jetzt auch schon alles Vergangenheit. 

Boseroth, das kleine Dorf, das war einmal. Von weitem konnte man es kaum sehen, Obstbäume, darüber die Dächer und den Kamin. Da waren Bauern, Handwerker und Arbeiter, zu jedem Haus gehörte Garten, Bungert, Ackerparzellen und Schwein und Kleinvieh im Stall. Da wurde Vieh über die Straße getrieben und da wurden Pannen gemacht, da war eine Schnekmöll, und die es noch genau wissen, zwei Sägewerke hat es in Boseroth gegeben. Der Pelzert, das Tonloch, gehörte noch zu Boseroth und auch noch die alte Ittenbacher Straße. Jahrhunderte war das so, bis die "Neuzeit" kam. Brune baute die Fabrik, die Evangelischen ihre Kirche nach Boseroth. Ein Boserother wurde sogar Bürgermeister. Das passte dem Oberpleiser Rat aber nicht, "Weiners Hochglanz Herdputz" machte Reklame im Radio für Oberpleis und Brune Möbel aus Oberpleis hört sich auch besser an. Also wurde Boseroth schnell per Ratsbeschluss mit einigen anderen kleinen Orten nach Oberpleis ‚eingedorfet‘, und Oberpleis hatte zwei Fabriken, wieder zwei Kirchen, und der Bürgermeister wohnte auch im Ort, Flurweg Nr. 4, und er brauchte nicht mal umzuziehen.

Und damit auch alles seine Richtigkeit hatte, wurden die Boserother Ortsschilder durch Oberpleiser ersetzt, und noch ganz schnell, so in 3o bis 4o Jahren, alles Land noch bebaut. Und seitdem säuselt der "Pleeser Wind" auch um alle ehemals Boserother Hausecken. Aber der Evangelischen Kirche tat das gut, die Diaspora wurde damit aufgeweicht. So wurde Boseroth historisch. Oberpleis wurde auf der Landkarte (dem Stadtplan) etwas dicker gedruckt, aber Boseroth ist weg, dafür war keine Farbe mehr da, nur auf einer 57 Millimeter kleinen Straße steht ganz klein noch Boseroth. Und auch in der Einwohnerstatistik der Stadt (1994) steht Kappesbungert mit seinen 0 Einwohnern und den 0 Prozent Zugezogenen noch länger da als Königswinter, aber für Boseroth ist kein Strom mehr im Computer. 

Und die Leute? Die nahmen es gelassen, die hatten schon Schlimmeres erlebt. Im Gegenteil. der Kanal kam früher und war billiger als heute und die Beleuchtung kam, und die Straßen wurden geteert. In den Häusern wurden bis zum letzten Klo Platten gelegt, aber die alten Klo's hießen früher auch anders wie heute und sind auch schon historisch. Und was auch noch alles kommen mag, so lange der Maibaum am Dreieck noch aufgestellt und das Tambourcorps noch spielt und das Martinsfeuer abgebrannt und das Maifest gefeiert wird, so lange wird es auch noch Boseroth geben, auch für die Zugezogenen. Und noch zu guterletzt: Auf diesen anderthalb Seiten steht 27mal Boseroth, auch ein wenig darum, weil Generationen meiner Vorfahren in Boseroth gelebt, gearbeitet haben und auch dort gestorben sind."

 

Zum Bericht: "Die frühere "Pannefabrik" in Boseroth" - siehe Link unten.

Quelle
Veröffentlicht in: Der ökumenische Arbeitskreis: FRIEDEN. GERECHTIGKEIT. BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG, Juni 1997
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet: Bild und Textabschrift Die frühere "Pannefabrik" in Boseroth
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