Aufnahme: 1927

Wahlfelder Maiclub 1927

vor dem Haus der Familie Müller (später Wegscheid) Wahlfelder Straße 17.

Maibräuche, wie sie in einigen Orten in und um Oberpleis bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts praktiziert wurden:

Die in einigen Orten anzutreffenden Maiclubs waren keine Vereine von geschlossener Mitgliederanzahl sondern eine von Jahr zu Jahr je nach Nachwuchs und Ausscheiden wegen Alters oder Heirat sich verändernde Gruppe, die immer im Frühjahr, wenn die Natur anfing zu treiben, Unruhe in die Jugend brachte. Einige der Burschen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren begannen dann die Aktivitäten und scharten die anderen um sich. Am Monatsende April war dann jeweils ab 20,00 Uhr die Versteigerung der attraktiven Jungmädchen und bald heiratsfähigen Weiblichkeit angesagt. Es wurde eine Liste der zur Versteigerung Auserwählten erstellt, die dann „amerikanisch“ zur Versteigerung anstanden. Hierbei musste der Ansteigerer nicht wie sonst üblich den End-Ersteigerungspreis zahlen, sondern jeder Bieter zahlte für jedes Gebot den Mehrbietpreis zum vorhergehenden Gebot.

Ein „Ausklöpper“, ein Auktionator, wurde gewählt, der die Mädchen dann richtig aufrief und manchmal auch mit körperlichen „Vorzügen“ wie hübsch, nett, anschmiegsam usw., aber auch negativer beschrieb, was hier jedoch weggelassen werden sollte. Manchmal brachte so eine Angepriesene einige hundert Mai-Mark. Bezahlt werden mussten davon nur 1/10 in die Mai- Kasse, aus der anfallende Kosten zum Beispiel für einen Abschlussball finanziert wurden. Die Mädels, die keinen Ansteigerer zu einem Gebot veranlassen konnten, kamen ins „Rötzjen“, in den Restbestand. Dieser wurde dann von einem Jungen, dem Rötzjesvaade (Restevater), en Block übernommen. Wer das höchste Gebot abgegeben hatte, wurde Maikönig, und seine Angesteigerte wurde Maikönigin.

Dann wurden noch die meist aus zwei Jungen bestehende Maipolizei und ein Doktor gewählt. Damit war dann die geistig gröbste Arbeit vollbracht, und die körperliche Schwerarbeit kam noch. Allen gekauften Mädchen musste ein Maibaum gesetzt werden. Das war in unserer Gegend i.d.R. eine junge Birke, die aus dem Wald geholt und am Haus der Erwählten meist an der Dachrinne, befestigt wurde. Manch Hausvater hatte da schon ordentlich geschimpft wegen der entstandenen Schäden, die die oft schon leicht bierseligen Jugendlichen anrichteten. Es wird von einem Fall berichtet, dass ein verschmähter Jüngling seiner „Herzdame“ anstelle einer Birke einen Kirschbaum gesetzt habe (auf den ja bekanntlich jeder klettert, der an die süßen Früchte kommen möchte), was dann schon nicht mehr als Brauchtum akzeptiert werden konnte und vor Gericht gelangte. Aber die Sitten der Maiversteigerung waren damals schon sehr grob und wären heute nicht mehr akzeptabel.

Dann musste noch ein großer Dorf-Maibaum geholt und am Dorfplatz aufgerichtet werden, der manchmal auch noch einen Kranz angehängt bekam. Dieser Baum musste gut bewacht werden, denn gerne wurde er von Mai-Jungen aus Nachbardörfern geklaut und konnte dann nur gegen entsprechende Biermengen zurückgekauft werden. Oft genug brachten die Jugendlichen ihre Freude und Kraft dadurch zum Ausdruck, dass sie die Dorfbewohner mit reichlich Krach und Radau am Schlaf hinderten, wenn sie z.B. bei einem Bauern eine Ackerwalze (Blauch) „ausliehen“ und mit dieser lärmend und johlend übers Kopfsteinpflaster durchs Dorf zogen. Aber auch die angehenden Maibräute hatten eine unruhige Nacht und quälten sich mit der Frage: „Wer wird mich wohl gekauft (ersteigert) haben und ich werde doch wohl hoffentlich nicht im Rötzchen gelandet sein."

Dann hatten die Jungen ein paar Stunden Zeit zum Schlafen, denn sie mussten sich am 1. Mai ihrer Errungenschaft und deren Eltern mit einem selbstgepflückten – oder in Nachbarsgarten „gemopsten“  Blumenstrauß vorstellen. Dass sich da einige Enttäuschungen seitens der Mädchen breitmachte, die auf jemand ganz anderen gehofft hatten, lässt sich nachvollziehen. Aber sie mussten dann mitmachen; es war ja nur für einen Monat und nicht für`s ganze Leben, was allerdings auch schon vorgekommen sein soll. War eine Braut bereits mit einem Jungen aus einem Nachbardorf liiert, musste dieser durch Zahlung des doppelten Ersteigerungspreises das Mädchen vom Ersteigerer abkaufen.

Die Maipolizei gab jede Woche eine Parole aus.
Jeden Donnerstag war Komm-Abend und die Kavaliere mussten ihr Mädchen besuchen und brav in einem gehörigen Abstand neben dem Mädchen sitzen und auf den Doktor warten. Der machte dann seine Visiten und verschrieb als Medizin z.B. eine Tafel Schokolade, eine Stunde frische Luft oder ein Glas Alkoholhaltiges. Die Mai-Polizei gab jede Woche eine neue Parole aus, wonach anlässlich der Komm-Abende der Jugendliche z.B. eine Zwiebel oder eine Dicke Bohne oder ein Streichholzdöschen mit genau bestimmter Menge Hölzern in der linken Rocktasche bei sich haben musste, oder der Rock musste linksgedreht getragen werden,  was genau kontrolliert wurde und bei Zuwiderhandlung eine Strafzahlung in die Mai-Kasse nach sich zog.

Spätestens am letzten Sonntag im Monat Mai wurde dann der Mai-Abschlussball gefeiert.



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Manfred Lohmar (Foto) 44 Jahre später an gleicher Stelle: "De Drese Schäng" ist wieder mit dabei.
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