Wasser marsch?

Aufnahme: 1925

Wasser marsch?

Wenn wir heute den Wasserhahn betätigen, (de Krahne opdrähne) oder den Hebel der Armatur nach oben schieben, erwarten wir wie selbstverständlich, dass uns ein schier ununterbrochener Strom fließenden Wassers, mit gleich bleibendem Druck und in hygienisch einwandfreiem Zustand zur Verfügung steht.

Das war nicht immer so!
Wasser ist Leben, lautet ein alter Spruch. Also musste seit jeher immer irgendwie für ausreichendes Nass gesorgt werden. Das geschah, indem man Quellen anzapfte und diese mit einer Einfassung versah. Man schöpfte aus sauberen klaren, kleineren Bächen und bevorratete die kostbare Flüssigkeit in Zisternen. Man grub Brunnen oder auch Pütz genannt bis in eine Tiefe, dass man auf ständig nachfließendes Grundwasser stieß. Entgegen den Städten und ihrer Bürgerschaft, für die deren Obrigkeit die Wasserversorgung seit jeher als wichtige Aufgabe ansah, waren die kleineren Dörfer und ihre Bewohner meist auf sich selbst angewiesen und entwickelten Eigeninitiative und bauten mit Eigenleistung Brunnen.

Erst leistungsfähige Pumpen und Elektromotoren erlaubten es, meist oberhalb der Ortschafften mit natürlichem Druck oder unterhalb mittels Druckpumpen eine Wasserbevorratung im Bassin (Baßeng) zu betreiben und über Wasserleitungen jeden Haushalt an die öffentliche Versorgung anzuschließen. Bis es in Frohnhardt im Jahre 1962 (!) so weit war, musste der Pütz den lebensnotwendigen Saft liefern. Sieben Frohnhardter Familien schlossen sich im 20. Jahrhundert zu einer Pumpengemeinschaft zusammen, gruben im Siefen hinter dem heutigen Haus Frohnhardter Straße 35a einen Brunnen zur Versorgung dieser Familien.

Ganz Frohnhardt bestand damals aus 21 Häusern.
Wollte eine nicht der Pumpengemeinschaft angehörige Person Wasser entnehmen, so musste sie einen monatlichen Betrag von 0,50 RM an die Gemeinschaft leisten.
Mittels Eimern, Gieß- oder Milchkannen musste das kostbare Nass oft hunderte Meter weit in die Häuser getragen werden, nachdem es zuvor mittels Schöpfeimer aus dem Brunnen geholt wurde. Dazu bediente man sich einer mittels Schwengelrad über dem Brunnen befestigten Holzwelle, über die mit einer Kette der Schöpfeimer in die Tief gelassen und nach Befüllung wieder hoch gehievt werden musste.

Diese meist von Frauen zu erledigende Arbeit kostete viel Kraft und Zeit und war besonders in schneereichen Wintern Schwerstarbeit, wie man sich denken kann. Dieser Brunnen wurde erst im Jahre 1962 mit der Installation einer modernen Wasserversorgung stillgelegt und versiegelt. Auf dem Bild ist ein eigener Hausbrunnen vor dem Haus Nr. 37 (früher Nr. 7) zu sehen, der zum Schutz vor Frost mit Holzverkleidung und innen Strohisolierung angelegt ist. Mittels auf und ab bewegbarem Griff wurde die Pumpe in Bewegung gesetzt und das kostbare Nass floss in die bereitgestellten Eimer. Das etwa um 1925-30 aufgenommene Bild zeigt die Ehefrau des Peter Josef Winterscheidt, Katharina geborene Buchholz bei der hausfraulichen Arbeit des Wasserbeschaffens

Zur Verfügung gestellt von
Helene Winterscheidt
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