Aufnahme: 1900

Kohle-, Basalt- und Tonvorkommen in Uthweiler und Umgebung

Neben der Landwirtschaft konnte man in den Kohlegruben, Steinbrüchen und Tongruben Arbeit finden, wie hier in dem Basaltsteinbruch an der Uthweiler Hardt.

Nachfolgend geben wir eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1832 wieder:

"Zusammen-Vorkommen von Basalt und Braunkohlen, bei Utweiler im Siegkreise.

Von Jacob Nöggerath

Ueber die Ausdehnung und Verbreitung des Rheinischen Braunkohlen-Gebirges sind bereits Nachrichten von mir (Gebirge in Rheinland-Westphalen, IV. D. 364 ff.) und von Hrn. Oberbergrath v. Dechen (Archiv III. S. 414.) vorbanden, auf welche ich mich hier beziehe. Vorliegend ist meine Absicht insbesondere, ein ausgezeichnetes und in dem hiesigen Gebirge sonst nirgendwo bekanntes Lagerungsverhältniss näher zu schildern, welches als interessante lokale Erscheinung in derjenigen Masse des Braunkohlengebirges auftritt, die sich nördlich an das eigentliche Siebengebirge anlegt, und hauptsachlich zwischen diesem und dem breiten Bette des Siegflusses sich ausdehnt. Es bildet diese Masse, abgesehen von einem schmalen zu ihr gehörigen Streifen, der sich im Westen des Siebengebirges tiefer südlich herunter erstreckt, eine Art von Plateau; es ist noch von einigen Bächen durchschnitten, und hat seinen Hauptabfall nach der Sieg hin. Gleich hinter den Basaltbergen, welche sich, Bonn gegenüber, nicht fern von dem Strom in nordöstlicher Richtung hinziehen und die Vorgebirgskette des Siebengebirges bilden, nämlich hinter dem Finkenberg, dem Ennert und der Oberkasseler Ley, trifft man auf dieses Braunkohlengebirge. Von dem südlichen Ende des letzt genannten lang gezogenen Basalthügels geht seine südliche Grenze längs den Trachyt-Conglomerat-Bildungen des Siebengebirges bei den Basaltbergen Papelsberg und Jungfernberg vorbei, ferner unfern der Ortschaften Vinxel, Oelinghoven, Bockerath und Wahlfeld. Von hier erstreckt sich noch die bereits erwähnte schmale streifenförmige Fortsetzung dieses Braunkohlengebirges, etwa eine halbe Meile lang; nach Süden hin in dem Thale, welches die Hauptmasse des Siebengebirges auf ihrer Ost- oder Rückseite begrenzt, und worin die Dörfer Oberpleis und Buseroth liegen; dieser schmale Streifen hebt sich aber gegen Ittenbach hin am Grauwackengebirge aus. Westlich begleitet ihn immer die Trachyt-Conglomerat-Bildung, östlich aber das Grauwackengebirge, welches auch ziemlich in der Richtung von Süden nach Norden die ganze Braunkohlengebirgsmasse bis in das Siegthal hin gegen Osten begrenzt.

Nahe dieser Grenze, theils auf dem Braunkohlengebirge, theils auf der Grauwacke, liegen die Dörfer Dahlhausen, Buseroth, Oberpleis, Wahlfeld, Utweiler, Niederbuchholz, Roth und Geistingen. Die nördliche Grenze bildet das weite Siegthal. Eigentlich macht das letztere nur eine Unterbrechung dieses Gebirges, durch die Wegwaschungen und Anschwemmungen des reissenden Gebirgswassers veranlasst, denn es setzt dieselbe Formation auch noch jenseits des Flusses weiter fort. Diese Fortsetzung bleibt aber vorliegend ganz ausserhalb unserer Betrachtung, so wie auch einige kleinere Parthien des Braunkohlengebirges, welche mehr innerhalb der Gruppe des Siebengebirges auftreten. Das Braunkohlengebirgs-Plateau zwischen dem Siebengebirge und dem Siegthale hat (ohne Rücksichtt auf den noch zu seiner Bildung gehörigen schmalen Streifen in dem Thale hinter dem Siebengebirge) von Westen nach Osten beiläufig 11/4| Meile, und von Norden nach Süden etwa eine Meile Ausdehnung. Innerhalb dieses Braunkohlen-Terrains hat die Formation an den verschiedenen Lokalitäten, wo sie entweder durch blosse Schurfversuche aufgeschlossen ist, oder wo wirkliche bergmännische Gewinnungs-Arbeiten darauf umgehen, und zwar theils auf Braunkohlen, wie insbesondere auf der Hardt, am hohen Holz, bei Utweiler u.s.w., und theils auf thonigen Sphärosiderit, wie bei Roth (Nachrichten über dieses Vorkommen habe ich mitgetheilt: Gebirge in Rheinland-Westphalen IV. S. 382 ff) eine sehr verschiedenartige Zusammensetzung in dem Wechsel ihrer Sand-, Thon-, Sphärosiderit- und Braunkohlen-Lager, und eben so abweichend ist von einem Punkte zum andern die Mächtigkeit der letztern. Nur ein Punkt ist aber bis jetzt in diesem Braunkohlengebirge aufgefunden worden, wo dasselbe mit Basalt überlagert erscheint. Er liegt in dem Thale des Pleisbaches zwischen den Dörfern Utweiler und Freckwinkel, wenig entfernt von der Grauwackengrenze, welche in Osten bei der ganzen Braunkohlen-Gebirgsmasse vorbeiläuft.

Da die hier unter dem Basalt lagernde Braunkohle sich durch ihre vorzügliche Qualität vor aller übrigen derselben Gegend ganz besonders auszeichnet, indem sie zum Theil wahre Pechkohle ist, und das bei ihr vorkommende bituminöse Holz auch eine besondere Festigkeit und Brennkraft hat, so reizte sie schon oft zu bergmännischen Versuchen an, welche jedoch früher nie nachhaltig betrieben wurden, und erst in der neuesten Zeit so angefangen und eingeleitet worden sind, dass sie mehr Hoffnung zu einem dauernden Betriebe gewähren können. Nach Nose (Orographische Briefe über das Siebengebirge, II. S. 409 ff.) ist hier schon beiläufig um 1750 Bergbau getrieben worden, aber aus nicht genau bekannten Gründen zum Erliegen gekommen. Eine Wiederaufnahme desselben fand im Jahr 1789 statt; eine Kunst war erbaut worden, aber das bald darauf erfolgte Zusammengehen eines unter dem Pleisbache getriebenen Stollens machte dem Betrieb ein Ende, indem dadurch das Werk ersäufte. Spätere Wiederaufnahmen geschahen in den Jahren 1807 und 1812. In der letztem Betriebs-Periode hatte man eine möglichst schlecht construirte Wasserhaltungskunst erbaut, welche nur wenige Wochen lang in Umtrieb gehalten werden konnte, und nach und nach ganz zu Bruche ging. Die sehr schlechte Administration des Werks brachte dasselbe in beiden Perioden nach kurzen Förderungs-Epochen zum Erliegen, obgleich aus den Ergebnissen der Versuche und des Betriebes die Ueberzeugung geschöpft werden konnte, dass die natürlichen Verhältnisse desselben wohl zu einem glücklichen Bergbau Hoffnung geben. Zu Anfang 1831 nahm Herr Franz Jacobi die Grube wieder auf; er wurde auf den alten Namen derselben; Satisfaction, damit belehnt, und eröffnete den Betrieb mit der Anlage eines in dem Pleisthal angesetzten Schachtes, den er mit Hülfe einer kleinen Dampfmaschine niederbrachte, und aus welchem jetzt eine für die noch geringe Vorrichtung nicht unbedeutende Kohlengewinnung erfolgt.

Ueber die Nachhaltigkeit des Werks lässt sich freilich vor der Hand ein genügendes Urtheil noch nicht fällen, da die Lagerungs-Verhältnisse in dem Pleisbachthal und seiner Umgebung keineswegs gleichbleibend zu sein scheinen, und das fernere Fortstreichen des Kohlenflötzes unter dem Basalt erst durch weitere Versuche nachgewiesen werden muss. Im Norden der beiden im Pleisthal gelegenen Dörfer Utweiler und Freckwinkel erhebt sich eine sehr bedeutende und lang gezogene Basaltkuppe, die Rother Hardt genannt, welche ihr Hauptgehänge nach dem Pleisthal hin bildet. Basaltmassen gehen auch im Pleisthal selbst, in der Nähe jener Dörfer und des Betriebspunktes, zu Tage aus, und scheinen mit der grossen Basaltmasse der Rother Hardt im Verbande zu stehen. Sonst findet sich das Braunkohlengebirge in demselben Thale, und sogar ganz in der Nähe der Basalt-Ueberlagerung auch ohne dessen Bedeckung. Interessant ist eine solche Stelle an dem schroffen linken Thalgehänge, wo unter einer aufgeschwemmten Decke von Dammerde und Kieselgerölle sich eine fast zwei Lachter mächtige Schicht von Sand findet, unter welcher 20 durch Farbenwechsel sich unterscheidende dünne Thonschichten folgen, und vier etwa 6 Zoll mächtige Braunkohlenflötze in sich einschliessen. Merkwürdig ist, dass dieses Schichtensystem ein Fallen von 60 Grad gegen Süden hat. Eine so starke Neigung trifft man sonst im Braunkohlengebirge dieser Gegend nicht an, da die Lagerung von dem Söhligen meist nicht sehr abzuweichen pflegt. Wo in der Nähe die Braunkohlenbildung unter dem Basalt liegt, fällt sie nördlich unter 5 bis 6 Grad. Die ursprünglichen Lagerungsverhältnisse scheinen daher hier bedeutende Störungen erlitten zu haben. Am Pleisbache findet man sonst auch noch, sowohl unterhalb des Dorfes Freckwinkel als aufwärts von Utweiler, das Braunkohlengebirge ohne alle Basalt-Ueberdeckung zu Tage treten.

Unterhalb Freckwinkel, unweit des Dorfes Scheuren, kommt im Thale ein acht Zoll mächtiges Braunkohlenflötz vor, welches im Hangenden und Liegenden von Sandstein und Thon-Bildungen begrenzt wird; es ist mit einem Versuchschacht gefunden worden. In dem Bache unweit der Mühle dieses Orts wird bei niederm Wasserstande ein vier Fuss mächtiges Braunkohlenlager sichtbar. Thonbildungen ziehen sich längs des Pleisbaches von Utweiler bis in die Gegend von Oberpleis, und verbreiten sich dann mehr südlich über die Gegend der Dörfer Buseroth, Buckscheid und Ittenbach. Diese Thonablagerungen sind Gegenstand der Gewinnung; der sogenannte Utweiler Thon ist in Holland zur Pfeifen-Fabrikation sehr geschätzt. Der Schacht, welcher von Hrn. Jacobi niedergebracht wurde, ist auf der linken Seite des Pleisbachs, zwischen Utweiler und Freckwinkel gelegen. In derselben Gegend fand auch in 1807 und 1812 der dortige Betrieb statt. So weit meine Erinnerung und aufgezeichnete Notizen aus der letzten Betriebsperiode reichen, waren damals in nahe gelegenen Punkten ganz ähnliche Lagerungsverhältnisse aufgeschlossen worden, wie jetzt der Jacobische Schacht gezeigt hat. Das interessante Profil dieses Schachts ergiebt sich aus der nachfolgenden, nach der Aufeinanderlagerung geordneten Beschreibung der darin vorgekommenen Gebirgsarten mit Angabe ihrer Mächtigkeiten. Nach gut gewählten Handstücken hat Hr. Aug. v. Strombeck diese Beschreibung entworfen, mit welcher ich, nach meinen eigenen Vergleichungen, durchaus und vollkommen einverstanden bin. Die Braunkohlen-Ablagerung fällt hier, wie bereits erwähnt, gegen Norden unter 5 bis 6 Grad, also nach der Richtung hin, wo die grossen Basaltmassen der Rother Hardt vorliegen."

Anmerkung: Der Kohleabbau der Grube ‚Satisfaction’ am Kohlberg endete 1860, achtundzwanzig Jahre nach der Veröffentlichung des Berichtes von Herrn Noeggerath.

Quelle
Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde, Band 5 / 1832
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet Jacob Nöggerath - Zum Bericht des General-Anzeigers vom 25.03.2018 - Zum Bericht des General-Anzeigers vom 18.01.2019
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