Aufnahme: 1892

Dr. Peter Gratzfeld aus Hartenberg bei Oberpleis, Sekretär Sr. Eminenz des Kardinals Melchers

Abschrift: Herr Dr. Gratzfeld aus Hartenberg bei Oberpleis, Sekretär Sr. Eminenz des Kardinals Melchers, wurde zum  überzähligen Geheimkämmerer Sr. Heiligkeit des Papstes ernannt.

Text: Dr. Peter Gratzfeld war Sekretär des Paulus Ludolf Melchers (1813-1895), Bischof von Osnabrück und Erzbischof von Köln. Damit erlebte und erlitt er den Kulturkampf, dem Konflikt zwischen Preußen bzw. später dem Deutschen Kaiserreich unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der katholischen Kirche unter Papst Pius IX.. Otto von Bismarck ging in den Jahren 1871 bis 1878 mit scharfen Mitteln gegen die katholische Geistlichkeit vor.

Erzbischof Melchers verlieh in Wahrnehmung seiner bischöflichen Rechte geistliche Ämter, ohne vorher um die durch die neuen Gesetze vorgeschriebene staatliche Genehmigung nachzusuchen. Gegen ihn verhängte Geldstrafen zahlte Melchers nicht. Deshalb verbrachte er 1874 eine mehrmonatige Ersatzfreiheitsstrafe im Kölner Gefängnis Klingelpütz. 1875 floh der steckbrieflich gesuchte Kölner Erzbischof vor einer weiteren Verhaftung in ein Franziskanerkloster nach Maastricht. 1876 erfolgte seine Amtsenthebung durch den preußischen Gerichtshof in Berlin.

Bei der Einweihung des Kölner Doms in Anwesenheit des Deutschen Kaisers am 15. Oktober 1880 war Erzbischof Melchers nicht anwesend. Kaiser Wilhelm II. nutzte die Einweihungsfeierlichkeiten um die Einigkeit und Größe des neu gegründeten Reiches, auch als Wacht am Rhein, zu demonstrieren. Viele Katholiken, deren kirchliche Würdenträger von der Feier ausgeschlossen waren, boykottierten die Feier.

1884 ging Melchers nach Rom, sein Hauskaplan Dr. Peter Gratzfeld begleitete ihn. Papst Leo XIII.nahm Paulus Melchers als Kardinalpriester in das Kardinalskollegium auf. Nach seinem Tod am 14. Dezember 1895 wurden seine sterblichen Überreste nach Köln überführt und in der bischöfliche Gruft im Kölner Dom beigesetzt. Dr. Peter Gratzfeld hatte dafür eine besondere Genehmigung der Regierung des Königsreichs Preußen erwirkt.

Der am 4.9.1857 in Hartenberg bei Oberpleis geborene Peter Gratzfeld, Onkel des Prälat Peter Buchholz aus Eisbach, starb  am 5.5.1922 als Oberpfarrer von St. Nikolaus in Aachen und wurde auf dem Oberpleiser Friedhof beerdigt.

Auch in Oberpleis zeigte der Kulturkampf Wirkung. Pfarrer Johann Hertel wurde am 1. Januar 1875 sein staatliches Gehalt entzogen, weil er - nach seiner Meinung antikirchliche - Gesetze nicht anerkannte. Am 20. Dezember 1875 mußte er das Pastorat und Vikar Vorent die Vikarie räumen. Pastorat und Vikarie waren Eigentum des preußischen Staates. Pastor Hertel und Vikar Vorent wohnten bis zur Aufhebung der Kulturkampfgesetze im Jahr 1878 in der Burg Niederbach, einem Besitz des Grafen Spee.

Quelle
Honnefer Volkszeitung. Archiv: Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, Abt. Digitalisierung
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet: Text Paulus Kardinal Melchers bei Wikipedia - Kulturkampf bei Wikipedia - Pfarrer Johannes Hertel
Räume & Galerien
Aus den Dörfern ringsum Katholische Kirche Oberpleis Persönlichkeiten und Originale Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
Aufrufe
521

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.