Vokal- und Instrumental-Conzert in den herrlichen Anlagen auf Jüngsfeld

Aufnahme: 1886

Vokal- und Instrumental-Conzert in den herrlichen Anlagen auf Jüngsfeld

Abschrift:
Oberpleis, 7. September. Unser so einsames Oberpleis resp. die Umgebung des so viel genannten Jüngsfeld, bot am verflossenen Sonntag, so recht ein Vorspiel der Völkerwanderung zur Pützchen’s Jahrmesse letztere ist mit ihrem Jubel und buntem Gewühle bereits bekannt, dagegen glaubt Einsender dieser Zeilen mit kurzen Worten auf die edleren Züge vorerwähnten so zahlreichen Besuches des Jüngsfelder Etablissements von Dahs, Reuter & Co. eingehen zu müssen.
Schon vorige Woche brachten die öffentlichen Blätter die Anmeldung eines Vokal- und Instrumental-Concerts in den herrlichen Anlagen auf Jüngsfeld. Wie freudig Fern und Nah diese Gelegenheit zu einem Besuche nach dort begrüßte, zeigte der Eingangs erwähnte große Zudrang zu dem Concerte.
Überraschend war es, hier, anstatt ein zahlreiches Orchester drei jugendliche Künstler im Alter von 8, 12 und 18 Jahren unter Leitung des Herrn J. P. Klug aus Köln zu hören.
War es schon die Jugend, welche das kunstliebende Publikum fesselte, so steigerte sich das Interesse für Herz und Ohr mit jedem Vortrage des genannten Cornet-Quartetts. Bedenklich und zweifelnd fand man im Programm Werke wie: Arie aus der Oper: Romeo und Julia von Bellini, Chor der Pilger aus der Oper Tannhäuser von R. Wagner, Ein Kranz an Bacchus von J. P. Klug. Jedoch die Ausführungen sämmtlicher Vorträge bewiesen so recht, wie die Künste nicht durch Jahre erkauft werden, sondern wie die Natur dieselben beliebigem Alter zutheilt und wie sehr diese bei umsichtiger Ausbildung verwerthet werden können.
Großen Anklang fanden auch einige vom Jüngsfelder Liederkranz vorgetragene Lieder, besonders das nie alt werdende „Das deutsche Lied“ von Kalliwoda, wozu Herr Klug eigens für sein Quartett die Begleitung ausgeschrieben hatte.
Als Schluß des Concerts wurde bei bengalischem Lichte (in Costüm) „das polnische Judenquartett“ von Emil Neumann gegeben, welches den angenehmen Nachmittag würdig abschloß, wobei alle Lachmuskeln der Zuhörer in volle Thätigkeit gesetzt wurden.
Der nicht endenwollende Applaus wurde plötzlich abgelenkt durch Abbrennung eines überraschend reichhaltig arrangierten brillanten Feuerwerkes von H. Schäfer, welches ununterbrochen bereits eine Stunde andauerte und manchem auf der Heimkehr Begriffenen den Rückblick nach Jüngsfeld nochmals abzwang.

Quelle
Echo des Siebengebirges vom 8.9.1886 Archiv: Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, Abt. Digitalisierung
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet
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