Aufnahme: 1803 - 1820
Et Joldjröövje (Das Goldgrübchen)
Wenn man von Sandscheid kommend Richtung Willmeroth geht, zweigt nach etwa 200 Metern rechts ein in den Wald führender Weg ab, der fast geradeaus bis Willmeroth durchgeht. Auf halber Strecke dieses Waldweges befindet sich links eine Abzweigung, die früher zu einem viel genutzten und beliebten Waldsportplatz führte. An dieser Abzweigung befand sich ein Schacht, etwa von der Größe zwei mal zwei Meter, dessen Tiefe mir nicht bekannt ist und der oben, wie ich das als Kind in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch selbst gesehen habe, mit dicken Bohlen umrandet und mit Brettern abgedeckt war. Die Bretter sind dann später morsch geworden und wie auch die Wände des Schachtes zusammengefallen, und die Natur holte sich ihren Teil zurück. Heute können nur noch „Eingeweihte“ diese Stelle ausfindig machen.
Was hatte es mit diesem Schacht auf sich?
Ich erinnere mich, dass wir als Kinder in dem „Siefen“ neben dem Schacht eine Anzahl von Pyrit, welches im Volksmund Katzengold genannt wird, gefunden hatten und wegen des goldenen Glanzes für wertvoll hielten und gesammelt haben. Pyrit ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Klasse der nichtradioaktiven Sulfide, hat einen metallischen Glanz und eine goldene Farbe. Es ist ein natürlicher Halbleiter und wurde unter anderem industriell zur Gewinnung von Schwefelsäure genutzt.
Wurde nun tatsächlich dort Pyrit, auch Schwefelkies genannt, abgebaut und gefördert?
Das könnte sein, denn aus Erzählungen meines Großvaters weiß ich, dass in der Tiefe des Schachtes ab der Sohle ein Stollen abzweigte, der in westlicher Richtung bis Nahe an unser Wohnhaus Bitzerweg 18 geführt haben soll. So die Aussage meines Großvaters (1867-1952), die ich mit aller Vorsicht und Skepsis hier wiedergebe. Ob er den Schacht noch kennengelernt hat oder selbst lediglich aus mündlicher Überlieferung kannte, weiß ich nicht.
Der Abtransport des dort geförderten Erzes könnte dann mittels Pferdefuhrwerken über den zuvor beschriebenen Waldweg weiter Richtung Willmeroth, und da es die Chaussee von Herresbach nach Eudenbach selbst 1850 noch nicht gab, weiter auf Waldwegen bis zur "Siegburger Straße" erfolgt sein, die als alter Handelsweg vom Westerwald bis Siegburg immer den Höhen folgend bekannt ist und vor Willmeroth über den bei Bennerscheid auch heute noch Siegburger Straße heißenden Waldweg und weiter über Sand, Westerhausen, Söven, Geistingen Richtung Siegburg verläuft. Oder man könnte sich den kürzeren Weg vorstellen über Sandscheid zum Sahnze Kröx, Rübhausen nach Westerhausen zum zuvor genanntem Siegburger Weg. Es wäre interessant zu wissen, wo die Verhüttung letztendlich stattgefunden haben könnte.
Eher jedoch war aber (vor 1800) die Silbergewinnung das erklärte Ziel der bergmännischen Betätigung. Hierfür spricht, dass auf der Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und v. Müffling 1803-1820 der genannte Bereich als „Auf der Silberkaule“ benannt und eingezeichnet ist. Auf der Preußischen Kartenaufnahme von 1845, aufgenommen und gezeichnet von Rodowiez, Leutnant und Ingenieur-Geograph, entdeckte ich dann als Bestätigung dieser Vermutung den Hinweis auf ein „aufgel. Silberbwerk“ im Bereich der von mir beschriebenen Schachtstelle.
Und warum heißt es dann heute noch „Joldjröövje“?
Vielleicht war die Silberausbeute nicht rentierlich genug, und man hat stattdessen „Katzengold“ gefunden und gefördert, was dazu geführt haben könnte, dass die Flurbezeichnung daher später „umgetauft“ wurde. Damit endet allerdings auch schon mein Wissen hierum, und er wäre schön, wenn weitere Informationen hierzu auftauchen würden.
Jedenfalls ist der Name „Joldjröövje“ (Goldgrübchen) in der Berghausener Bevölkerung als Flurbezeichnung für diese Ecke in Erinnerung geblieben.
Im Datensatz 7826 berichtet der Hauptlehrer Schonauer zum Bergbau in Bennerscheid und erwähnt, dass um 1900 "oberhalb von Sandscheid" eine Firma erneut mit dem Erzabbau begonnen habe, jedoch mit geringem Erfolg. Die Grube, die zuvor genanntem Waldweg folgend kurz hinter dem Waldrand rechts lag, und deren Vorhandensein kaum noch erkennbar ist, nannte man wegen des "vorbildlichen" Zustandes und der mangelnden Ausbeute "Grube Elend".
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