Wappen des Junggesellenvereis Einigkeit Berghausen
"Berghausen
Von den Eingesessenen wird der Ort immer noch ‚Berse‘ genannt. Im Rahmen einer Klassenarbeit sammelte ein Berghausener im Jahre 1970 Unterlagen und stellte sie zusammen. Unter dem Titel ‚Geschichtliches aus Berghausen‘ fand die Bildbandheftung seinerzeit lebhaftes Interesse. Das in mühevoller Kleinarbeit hergestellte Werk gibt in detaillierten Angaben Auskunft über Entstehung, Lebensgewohnheiten, Brauchtum und Aktivitäten des Dorfes Berghausen und seiner Bewohner. Auch die Dörfler der angrenzenden Ortschaften Sandseheid, Dahlhausen und Herresbach wurden nicht vergessen. Der schon erwähnte Erzbischof Anno II. von Köln bekundet die Gründung des Klosters Siegburg, führt seinen Besitz auf und legt die Rechtsstellung fest (1075 vor Dezember 4). Unter den im Einzelnen aufgeführten Besitzungen sind auch die Namen Bleisa (Oberpleis) und Berengereshuson (Berghausen) vermerkt. Urkundliche Erwähnung erfuhr Berghausen im Jahr 1218 unter der Bezeichnung Berchhusin. Aus dem Jahre 1553 ist ein weiteres Dokument erhalten, das dem Kloster Bödingen die Eichelmast mit 24 Schweinen in der Gemarkung Oberpleis/Berghausen in Aussicht stellt. Das älteste Berghausener Wohnhaus stammt aus dem Jahr 1650 und wird heute noch von der Familie Wasserheß bewohnt und genutzt. Wenn es auch im Laufe der Jahrhunderte manchen Umbau und Renovierung erfahren hat, erinnert auch heute noch viel an den Urzustand und die ‚gute alte Zeit‘.
Der Einfluß der Franzosen von 1796 bis 1814 war auch in den abgelegensten Orten spürbar. Als fortschrittlich muß man den Aufbau einer halbwegs brauchbaren Verwaltung, die Arbeit der Landmesser und den beginnenden Straßen- und Wegebau bezeichnen. Im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Köln vom Dienstag, dem 3. April 1821, wird die Verpachtung von Dominal Zehnten bekannt gegeben. Unter Punkt k) ist von einer Verpachtung des Berghausener Zehnt an Peter Limbach die Rede. Der Oberpleiser Unmut über die Verlegung des Amtssitzes (1841) von dort nach Stieldorf ließ einige mutige Berghausener nicht ruhen und trotz erfolgloser Proteste, die bis in die Kreisstadt Siegburg gelangten; blieb eines haften. Es wurde ein neues Freiheitssymbol geboren, was in seiner Eigenschaft bis auf den heutigen Tag Bestand hat: die Bezeichnung ‚REPUBLIK BERGHAUSEN‘.
Aus dem gleichen Jahr ist bekannt, daß für den bisherigen Förster Söntgen jetzt Flurschützen eingesetzt wurden, die die Felder und Büsche hüten mußten. Schon weit vor der Einführung der Allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1825 gingen die Kinder aus dem Oberdorf von Berghausen zum Schulunterricht nach Quirrenbach. Wie fast alle Angaben sind auch die Aufzeichnungen über die Gründung des Berghausener Junggesellenvereins der Sammlung des Schulabsolventen entnommen. Wie bei vielen Vereinen, hier und auch anderswo üblich, wurde die Gründung zu Beginn eines neuen Jahres vorgenommen. Den Statuten vom 15. Januar 1893 nach war die offizielle Bezeichnung: Junggesellenverein ‚Einigkeit Berghausen‘. Geführt wurde der Verein vom damaligen Oberpleiser Vikar Schmitz, dem Stellvertreter Wilhelm Wasserheß, dem Schriftführer Joseph Kurenbach, dem Kassenrendant Wilhelm Schneider und den Beisitzern Peter Klein, Christian Schoroth und Matthias Schmidt. Besiegelt wurde das Ganze von der Amtsbürgermeisterei Oberpleis, und dann unterschrieben von Amtsbürgermeister Heuser am 31. Januar 1893.
Der "Junggesellenverein Einigkeit Berghausen" beim Sommerfest1925
Einige Punkte hieraus dürften auch heute noch von Interesse sein:
1) ...Die Gastwirtschaft Müller dient als Versammlungs- und Geschäftslokal.
2) Zweck des Vereins:
a) Erfassung der männlichen Jugend der Ortschaften Berghausen und Sandseheid zwecks Pflege des Gemeinschaftssinnes.
b) Wahrnehmung der althergebrachten Sitten und Gebräuche.
c) Pflege des Fähndelschwenkens.
7) Die Mitgliedschaft erlischt:
c) durch Eingehen einer Ehe.
23) Ich verspreche dem Junggesellenverein ‚Einigkeit‘ Berghausen die Treue zu halten, meine Verpflichtungen gewissenhaft zu erfüllen und meine Kraft zum Wohle des Junggesellenvereins einzusetzen.
Als großen Fortschritt wurde der Schulneubau in Sandseheid in den letzten Jahren des alten Jahrhunderts angenommen, und der weite Schulweg nach Oberpleis gehörte der Vergangenheit an. Um diese Zeit lag die Zahl der Dorfbewohner bei 280 und man beschloß eine eigene Wasserleitung zu bauen. 1912 kam dann auch die elektrische Stromversorgung hinzu.
Von Jung und Alt wurde das von Motorkraft angetriebene Fortbewegungsmittel des Wilhelm Wasserheß bestaunt.
Das moderne Leben - wenn man es so bezeichnen will - begann mit der Einrichtung von Steinbrüchen am und um den Hühnerberg. Durch die Basaltbrüche in Willmeroth (Provinz) und Hühnerberg (Meysbruch) und das größere Quarzitvorkommen auf der Rostinger Heide wurde für die Tagelöhner die Möglichkeit des Bargeldverdienens, sprich Arbeit und Brot, eröffnet. Vielen ist auch noch die sog. ‚Luftbahn‘ in Erinnerung, die vom Steinbruch in Willmeroth über die ‚Hebbich' ins Tal nach Nonnenberg führte und das gebrochene Steinmaterial zur Verladestation der Linzer Basalt brachte.
Ein großer Teil nahm von hier aus mit der späteren Rhein-Sieg-Eisen bahn den Weg zur Schiffsverladung nach Beuel. Seit Schließung der Strecke erfolgen alle Steintransporte per LKW-Achse. Spurlos ging der erste Weltkrieg auch an Berghausen nicht vorüber. Einheimische junge Männer mußten ihr Leben lassen und im zweiten Welt krieg waren 32 Opfer zu beklagen.
Das im Jahre 1955 in Eigenleistung errichtete Ehrenmal für die Gefallenen und Vermißten der beiden Kriege erinnert daran. Mit einem großen Festakt wurde es eingeweiht. Nach einer kurzen ‚Blüte'‘ in der Nachkriegszeit ebbte das traditionelle Fähndelschwenken mehr und mehr ab und auch das 'Hahneköppen' war nur von kurzer Dauer.
Daß in Berghausen auch einmal ein Gesangverein bestanden haben muß, geht aus einem Willkommensgruß zur Primizfeier für den einheimischen
Priester Pater Raphael Wasserheß O.S.B. (Er gehörte zu den Opfern des 2. Weltkrieges) hervor.
In den letzten Jahren gehörte zu den Obliegenheiten des Junggesellenvereins gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft auch die Ausrichtung von Festen aller Art. Dazu gehörte auch die Beteiligung am Oberpleiser und Eudenbacher Karnevalszug. Steigender Beliebtheit erfreut sich das jährliche Berghausener Straßenfest mit vielen Unterhaltungsmöglichkeiten für Jung und Alt.
Nicht vergessen werden sollte die ‚Berser-Nationalhymne‘ , die da lautet:
Laue Lüfte sah ich wehen, holder Frühling naht heran.
Nach der Ferne steht mein Streben, reiche mir den Wanderstab.
Wo die klaren Bächlein rinnen, aus den, aus den blauen Bergen springen,
ja dorthin führt mein Weg hinan.
Lebe wohl, ich muß dich lassen, viel geliebtes Vaterhaus.
Muß das fremde Land erfassen; was sich liebt, das bleibt zu Haus.
Drum so will ich ziehen, es wird sich lohnen,
frisch, ja frisch gewagt ist halb gewonnen,
Kehr ich zur Heimat einst zurück, lebe wohl, mein einzig Glück.
Gott behüt euch nah und ferne, was sich liebt, das bleibt vereint.
Seht ihr jene Abendsterne, denkt an jenen fernen Freund!
Eine, eine strahlt uns allen, laßt uns, laßt uns fröhlich weiter wallen.
Kehr ich zur Heimat einst zurück, lebe wohl mein einzig Glück.
Seit 1927 gibt es in Berghausen eine Sterbenotgemeinschaft. Wie die Statuten aussagen, handelt es sich nicht um einen Verein, sondern man will in Nachbarschaftshilfe bei Sterbefällen tätig werden. Zu dieser Notgemeinschaft gehören auch die Bewohner von Willmeroth und Sandseheid. Zurzeit werden die Statuten neu überarbeitet, was auch sehr sinnvoll er scheint, da es bei einem Betreuungsstand von 220 Familien doch einer zeitgerechten Organisation bedarf.
Rolf Martinet übernahm nach dem Tode von Josef_Els, der 25 Jahre den Bürgerverein leitete, den Posten des 1. Vorsitzenden. Er ist als Weinexperte über die Grenzen hinaus bekannt und hat im Laufe der Jahre nicht nur die Berghausener, sondern darüber hinaus auch die Bewohner der umliegenden Ortschaften mit der Wissenschaft des Weines vertraut gemacht. Aus der Vielzahl seiner Helfer sollen die Namen Frank und Bernd Klein sowie Norbert Zumhoff für alle gelten."
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