Aufnahme: 1966

„Ptees Ataaf!"

Ein Rückblick auf die 20-jährige Geschichte der Oberpleiser Narrenzunft von Heinz Wicharz.

Im Alter von 20 Jahren ist die Narrenzunft der Kolpingsfamilie Oberpleis am vergangenen Samstag mit einer großen Prunksitzung an die Öffentlichkeit getreten und hat in dieser wie auch in den vielen vergangenen Veranstaltungen bewiesen, daß sie dem Vorsatz treu geblieben ist, mit dem sie gegründet wurde: „Frohsinn und Freude in alle Herzen“.

Der weite Weg aber, den die Narrenzunft gegangen ist, um zu dem zu werden, was sie heute ist, soll in Form eines Aufsatzes an dieser Stelle kurz aufgezeichnet werden:

Während am vergangenen Samstag bei der großen Prinzenproklamation im Saale Bellinghausen in Oberpleis Rakete auf Rakete abgefeuert wurde, während die Lachmuskeln der vielen Zuschauer strapaziert wurden und so manches „Plees Alaaf" erscholl, saß unter den Elferratsmitgliedern ein Mann, der in diesem Jahre zum 20. Male aktiv im Oberpleiser Karneval mitwirkte, Josef Neuhöfer. Er ist einer der Gründer der Oberpleiser Narrenzunft, der unablässig Jahr für Jahr ab 11. im 11. bis Aschermittwoch für „seine" Narrenzunft zur Verfügung stand und steht. Wer zählt die Stunden und Tage, die er aus Freude an der Sache und aus Idealismus geopfert hat.

Und wenn mal wieder eine Karnevalsveranstaltung geklappt hat, dann atmet Josef Neuhöfer auf und freut sich ganz besonders.

Aber auch in seinem Bruder, Fritz Neuhöfer, dem jetzigen Präsidenten der Oberpleiser Narrenzunft, der mit seinem trockenen, gewürzten Humor das Publikum vorzüglich zu unterhalten versteht, ist einer der Gründer vor 20 Jahren zu suchen.

Ganz zu schweigen von dem Exprinzen Peter I., der in seiner stillen lustigen Art immer dabei ist und zu den Gründern zählt.

Damals, Ende des Jahres 1945, sammelten sich die aus Gefangenschaft und Krieg zurückgekehrten Oberpleiser Kolpingssöhne unter ihrem Präses, Kaplan Erwin Düster und dem Senior Heinrich Schoroth und gingen daran, die Kolpingsarbeit wieder zu beleben.

Eine Gruppe von wenigen Männern, es waren dies: Josef und Fritz Neuhöfer, Josef Zimmermann, Peter Krey, Hermann Meurer, Paul Krieger und Willi Bellinghausen, kristallisierten sich bald heraus und bildeten eine karnevalistische Gemeinschaft mit dem Namen „Närrische Gesellen". Das Ziel dieser Karnevalsgruppe war, den echten rheinischen und insbesondere den bodenständigen „Pleeser Fastelovend" hochzuhalten, wie ihn schon Oberpleis vor dem letzten Weltkriege kannte.
Damals hatte der Oberpleiser Männergesangverein schon Sitzungen und Tanz abgehalten.

Zum Präsidenten dieser Narrengemeinschaft wählte die junge Gruppe Hans Mies, der diese Funktion auch schon vor dem Kriege im MGV ausübte.

Das Programm für die erste Sitzung wurde, durch die armseligen Nachkriegsverhältnisse bedingt, im Hühnerstall von Peter Krey zusammengestellt und eingeprobt. Auf Einladungen und Programmen zur Rosenmontagssitzung, der ersten und einzigsten im Jahre 1946, stand am Fuße fett gedruckt:
„Getränke sind mitzubringen"!  Die Orden fertigte man sich selbst aus Sperrholz und Karton an.

Trotz dieses Provisoriums wurde die erste Karnevalssitzung ein Bombenerfolg. Kein Wunder, die Menschen hungerten förmlich nach ein paar frohen, unbeschwerten Stunden um endlich die schrecklichen Jahre des vergangenen Krieges für kurze Zeit zu vergessen.
Der Anfang war also gemacht und dazu gar kein schlechter. In den nachfolgenden Jahren ging es immer mehr aufwärts. Sicherlich hatte die Gruppe der „Närrischen Gesellen" mit allerlei Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen, jedoch ließen sich diese, in der von Jahr zu Jahr größer werdenden Narrengemeinschaft gemeinsam, besser lösen.

Aus diesen ersten Gründungsjahren, die fürwahr in keine hochgestellte Zeit fielen, sind einige wohl unvergeßliche Büttenreden und Gesangsvorträge erwähnenswert.
So textete und dichtete unser stets aktiver Helmut Reuter in einer wohlgemeinten Persiflage auf die damals selbstgebrannten „Knolli-Brandis“ den „Weltschlager" „Prima, prima, Prümmche". Oder das herrlich ungleiche Paar, Franz Klein und Bernhard Raths, letzterer kurz „Et Bernhärdche" genannt, als „Schuljungen von Oberpleis". Ganz zu schweigen von den „Vier Botzen", deren geschichtliche Entwicklung im Laufe dieses Aufsatzes noch gesondert Erwähnung findet.

So könnte die Reihe der Männer und Frauen, die teils als Vortragende, teils still und intensiv im Hintergrund am Aufbau des Oberpleiser Karnevals arbeiteten, fortgesetzt werden.
Man möge verzeihen, wenn dies wegen Platzmangels nicht möglich ist.

Unsere Chronik in der Geschichte der „Narrenzunft Oberpleis " macht nun einen zeitlichen Sprung bis zum Jahre 1954.

1954

Im Laufe der Jahre war innenhalb der Gruppe „Närrische Gesellen" der Wunsch mehr nach mehr Selbständigkeit laut geworden. Man trug dies dem Hauptvorstand der Oberpleiser Kolpingsfamilie vor und einigte sich bald insoweit, daß die Karnevalsgruppe "Närrische Gesellen" einen eigenen Vorstand wählen durfte unter einer selbständigen Verwaltung. Die Gruppe trug den Namen "Kolpingsfamilie Oberpleis, Karnevalsgruppe Närrische Gesellen". Man stellte eine Satzung auf und wählte den ersten eigenen Vorstand, der sich wie folgt zusammensetzte: Vorsitzender: Josef Neuhöfer Geschäftsführer: Theo-Josef Kurenbach Karnevalspräsident: Hans Mies, Beisitzer waren: Alfons Wegen und Josef Zimmermann.

Der Vorstand ging mit Schwung und an seine Arbeit. Bald zeigten sich die Früchte dieser Eigenständigkeit der Gruppe, denn das Jahr 1954 wurde zu einem der eindrucksvollsten in der Geschichte des „Pleeser Karnevals".

Glanzvollstes Ereignis war die Proklamation des ersten Oberpleiser Prinzenpaares in der mehr als 1000-jährigen Geschichte. Hans Robert der I. und Ihre Lieblichkeit Erika die I. (Herr und Frau Mies) wurden vom närrischen Oberpleiser Volk mit brausendem Jubel empfangen. Damit war der Gedanke, den Oberpleiser Karneval durch die Wahl eines Prinzenpaares prunkvoller zu gestalten, Wirklichkeit geworden. Eine zweite große Überraschung für das Oberpleiser Narrenvolk war das Auftreten des neuen Funkenkorps in der blau-weißen Uniform mit dem Tanzpaar: Brunhilde Kraus als Tanzmariechen und dem Tanzoffizier Bernd Dresen. Kommandiert wurde das Korps von Alfons Wegen, dessen originelles „Funke opjepaß, noch nett, evver jetz“! unvergeßlich ist.

Die beiden Veranstaltungen Samstag und Rosenmontag 1954 waren überfüllt. Unter dem Präsidenten Hans Mies rollte ein umfangreiches Programm ab. Hier einige der Vorträge:
Bernd Pickel als Bademeister, Heinrich Bergmann als schwerkranker Ehemann, Toni Jonen als Reporter des Kirchenblattes, Willi Dietz als Ehemann und als „Dä Jupp vom Kegelklupp" glänzte Josef Zimmermann.

1955

Die Karnevalssession 1955 wurde für die „Närrischen Gesellen" zu einem erneuten großartigen Erfolg. Als Prinz und Prinzessin traten ganz überraschend Karl und Meta Balensiefen auf, denn die Person des karnevalistischen Herrschers war bis auf die letzte Minute „Staatsgeheimnis" gewesen.

Das Funkenkorps stellte sich in neuen Uniformen vor. Erstmalig wirkten neben dem beliebten Tanzpaar — Brunhilde Kraus und Bernd Dresen, die sich wiederum alle Herzen im Sturm eroberten – die Funkensoldaten beim Tanz mit.

An dieser Stelle sei auch des unvergessenen Bernd Dresen gedacht, der praktisch die Seele des Funkenkorps überhaupt war. In seiner liebenswürdigen, freundlichen Art verstand er es, der Gruppe den notwendigen Zusammenhalt zu geben. Darüber hinaus hatte er aber auch für alle anderen Probleme der Narrenzunft stets ein offenes Ohr.

1955 wurde auch der erste Karnevalszug durch Oberpleis vom Turn- und Spielverein 05 durchgeführt, der großen Anklang fand. Hier sei auch der unermüdlich tätige Organisator der Karnevalszüge, Jean Vogt, genannt, der ununterbrochen seit dieser Zeit für den Oberpleiser Fastnachtszug verantwortlich zeichnet. Der Rosenmontag wurde zu einem ereignisreichen Tag. Zum ersten Male hatte das Prinzenpaar und das Funkenkorps zur „Erstürmung des Rathauses" um 11.11 Uhr aufgerufen.
Nach Sammlung des Funkenkorps und des Elferrates wurde mit mehreren Kanonen das Rathaus, das sich zur Verteidigung eingerichtet hatte, belagert. Die Übergabe fand nach kurzem Kampf statt. Die Übergabefeierllchkeit war im Ratsherrensaal des Rathauses.
Amtsdirektor Lindenstreich übergab die Schlüsselgewalt dem Prinzen Karl I. Daraufhin wurden Verhaftungen durch das Funkenkorps vorgenommen. Die Arrestanten mußten gefesselt zum Standquartier des Prinzen Karl I. (Gasthaus zum alten Zoll) marschieren.

Hier fand eine Gerichtsverhandlung statt, bei der alle Arrestanten (u. a. viele Oberpleiser Geschäftsleute) mit finanzieller Strafe belegt wurden. Der hohe Gerichtshof wurde dargestellt von Präsident Hans Mies und den Beisitzern des Elferrates. Der öffentliche Ankläger war Josef Zimmermann. Die Verteidigung hatte Dr. Paul Herchenbach übernommen.

Die Sitzungen hatte der neue Präses der Kolpingsfamilie Kaplan Oster eingeleitet. Protokollarius Josef Buchholz, Weltraumforscher Paul Hochstetter, Pechvogel Willi Dietz, Gelegenheitsarbeiter Bernd Dahs, Gemeindediener Toni Jonen, Nachrichtensprecher Josef Zimmermann und Hans Peter Berres mit seinem Lebenslauf, führten dann in der Bütt das große Wort. Lustige Begebenheiten servierten auf musikalische Art die „Vier Botze". Josef Buchholz, Paul Weber, Ludwig Gast und Paul Hochstetter führten eine Schulunterrichtsstunde vor, die das Publikum begeisterte.

1956

Das Jahr 1956 brachte gleich zu Anfang eine neue Vorstandswahl, die folgendes Ergebnis hatte: 1. Vorsitzender Dr. Erich Jansen. 2. Vorsitzender Josef Neuhöfer, Geschäftsführer Theo Josef Kurenbach, Beisitzer: Alfons Wegen, Josef Zimmermann und Willi Weber. Gleichzeitig mit der Vorstandswahl wurde die Karnevalsgesellschaft „Närrische Gesellen" in „Narrenzunft der Kolpingsfamilie Oberpleis" umbenannt.

Als Prinzenpaar traten Dr. Erich Jansen und Gertrud Mies auf.
Bei den Sitzungen entwickelte sich unter dem langjährigen Präsidenten Hans Mies schon bald eine fröhliche Stimmung. Bei den Büttenrednern erzählte Hans Peter Berres „Geschichten aus dem Wiesengrund"; vom „Zwillingsbruder" erzählte Josef Buchholz. Ein „Autofahrern von Format war Willi Dietz, während Toni Jonen einen „Totogewinner" und Helmut Reuter, Kurt Wirtz, Erich Lichtenberg und Heinz Klein die „Vier Botze" mit vielem Beifall darstellten.
Bernd Wilhelm Dahs wußte als „Reisender" allerlei zwerchfellerschütternde Dinge zu berichten. Rosenmontag hatte Prinz Erich I. die Oberpleiser Geschäftsleute zu einer Ausmusterung als närrische Hofgarde ins Prinzenhauptquartier im Saale Buchholz eingeladen. Die Ausmusterungskommission wurde angeführt von einem Stabsarzt (Josef Zimmermann) einem Hilfsarzt (Kurt Wirtz), einem Vertreter des Heeres (Helmut Reuter) und zwei Schreibern (Willi Schmidt und Theo Josef Kurenbach). Den Ausmusterungsklienten standen Dr. Paul Herchenbach und Amtsoberrentmeister Willi Weber als Rechtsbeistand zur Verfügung. Die Ausmusterung mußte von allen Beisitzern mit einer finanziellen Buße
erlangt werden,

1957

1957 gab der langjährige beliebte Präsident der Narrenzunft Hans Mies, sein Amt aus Altersgründen an Dr. Jansen ab. Damit hatte Hans Mies 11 Jahre lang das Narrenschiff gesteuert. Unter seiner umsichtigen und Führung wurden die Sitzungen erst lebendig. In Erinnerung an Hans Mies veröffentlichen wir ein Lied, welches er zur Großen Kappensitzung 1953 vortrug:
Mein Oberpleis
Melodie: Kling-kling Walzer

An der Siebenberge' Höh'n liegt in saft'gen Auen  
Oberpleis, du einzig schön, lieblich anzuschauen
Grüne Wiesen, weites Feld, Blumen Obstkulturen,
alles sauber, wohlbestellt, zeigen Deine Fluren.

Refrain:
Trallalala la la la, laßt uns besingen der Heimat Preis! Lob soll erklingen dir. Oberpleis!
O schöne Heimat am Rheinesstrand, gesegnetes Ländchen, weithin bekannt!

Schmucke Häuser groß und klein zieren Deine Straßen,
Holde Frau'n und Mägdelein gibt's in allen Gassen.
Männer, treu und eisenstark, Bauen Deine Felder,
Einen schatt'gen Bäumepark bieten Deine Wälder.

Refrain:

Nachbardörfer grüßen Dich aus dem Pleiser Land:
Herresbach und Öttemich, Thomasberg und Sand,
Hartenberg, am grünen Wald, Weilermühl im Tale
Und ihr Dörfer, neu und alt, Groß und kleine alle.

Refrain:

Als des Pleisbachs treu Gesell gilt die schöne Hardt,
Dahin zieh'n, so noch hell, Pärchen schmuck und zart.
Sie umarmen, küssen sich, sind sich ja so nah.
Er fragt leise: Liebst Du mich, Sie sagt schüchtern: Ja!

Refrain:

Als Prinzenpaar wurde der damalige Rendant der Raiffeisenbank Johann Quirrenbach und Frau proklamiert. Johann I. und Prinzessin Gerti I. wurde erstmalig ein persönlicher Adjutant zur Seite gestellt. Dieses hohe Amt bekleidet nun schon ununterbrochen 9 Jahre lang Kurt Wirtz. Es ist erfreulich, mit welcher Prägnanz und militärischer Genauigkeit er seinen „Dienst" erfüllt.
Ein Überblick aus dem Programm der Sitzungen zeigt, daß mal wieder alles geboten wurde, um den Oberpleisern eine „Bombensitzung" zu bieten.
So überzeugte Hans Peter Berres als „ Einbrecher", Erich Westhofen als „Dienstmädchen", Toni Lenz als „Ein Auswärtiger Jeck in Plees", Bernd Wilhelm Dahs als „Postbote", Ludwig Gast als „Traktorfahrer", Toni Jonen als „Heimatreporter" und Willi Dietz mit seinem Vortrag „Schicksalsschläge".
 
1958

1958 standen zunächst Neuwahlen an, wobei der Vorstand in der gleichen Besetzung blieb, wie 1956. Nur schied Alfons Wegen als Beisitzer aus. An seine Stelle wurde Josef Losem gewählt, Als Prinzenpaar regierten in der Karnevalssession 1958, Prinz Karl II. (Karl Zaun) und ihre Lieblichkeit, Prinzessin Christel I. (Christel Zaun).
Alle Veranstaltungen waren auch diesmal wieder hervorragend organisiert und gut besucht. Sitzungspräsident war Dr. Erich Jansen.

Bewährte Büttenredner, wie Erich Westhofen, Alfons Wegen, Erich Neuenfels, Toni Jonen, Ludwig Gast, Hubert Bellinghausen, Josef Gratzfeld und Franz Müllenholz, sorgten für die nötige Stimmung.

Das neue Tanzpaar Hildegard Casper und Josef Losem wurde stürmisch gefeiert.

Nachbardörfer grüßen Dich aus dem Pleiser Land:
Herresbach und Öttemich, Thomasberg und Sand,
Hartenberg, am grünen Wald, Weilermühl im Tale
Und ihr Dörfer, neu und alt, Groß und kleine alle.
Refrain:
Als des Pleisbachs treu Gesell gilt die schöne Hardt,
Dahin zieh'n, so noch hell Pärchen schmuck und zart.
Sie umarmen, küssen sich, sind sich ja so nah.
Er fragt leise: Liebst Du mich, Sie sagt schüchtern: Ja!

Refrain:

Als Prinzenpaar wurde der damalige Rendant der Raiffeisenbank Johann Quirrenbach und Frau proklamiert. Johann I. und Prinzessin Gerti I. wurde erstmalig ein persönlicher Adjutant zur Seite gestellt. Dieses hohe Amt bekleidet nun schon ununterbrochen 9 Jahre lang Kurt Wirtz. Es ist erfreulich, mit welcher Prägnanz und militärischer Genauigkeit er seinen „Dienst" erfüllt.
Ein Überblick aus dem Programm der Sitzungen zeigt, daß mal wieder alles geboten wurde, um den Oberpleisern eine „Bombensitzung" zu bieten.
So überzeugte Hans Peter Berres als „ Einbrecher", Erich Westhofen als „Dienstmädchen", Toni Lenz als „Ein Auswärtjger Jeck in Plees", Bernd Wilhelm Dahs als „Postbote", Ludwig Gast als „Traktorfahrer", Toni Jonen als „Heimatreporter" und Willi Dietz mit seinem Vortrag „Schicksalsschläge".

1958 standen zunächst Neuwahlen an, wobei der Vorstand in der gleichen Besetzung blieb, wie 1956. Nur schied Alfons Wegen als Beisitzer aus. An seine Stelle wurde Josef Losem gewählt, Als Prinzenpaar regierten in der Karnevalssession 1958, Prinz Karl II. (Karl Zaun) und ihre Lieblichkeit, Prinzessin Christel I. (Christel Zaun).
Alle Veranstaltungen waren auch diesmal wieder hervorragend organisiert und gut besucht. Sitzungspräsident war Dr. Erich Jansen.

Bewährte Büttenredner, wie Erich Westhofen, Alfons Wegen, Erich Neuenfels, Toni Jonen, Ludwig Gast, Hubert Bellinghausen, Josef Gratzfeld, Franz Müllenholz, sorgten für die nötige Stimmung.

Das neue Tanzpaar Hildegard Casper und Josef Losem wurde stürmisch gefeiert.

Im Jahre 1958 traten auch erstmals Willi Lichtenberg und Bernd Wilhelm Dahs in einem Zwiegespräch als „Doof und Dööfchen" auf. Jahrelang bildete der Auftritt dieser beiden Karnevalisten der absolute Höhepunkt jeder Sitzung. Man möge sich nur an Vorträge, wie „Lumumba und ein Journalist", „Zwei Einheimische" oder Frau Wuchtig und Frau Platt erinnern.

1959

Im Jahre 1959 wurde Heinz Lex und Frau zum Prinzenpaar proklamiert. Präsident Dr. Erich Jansen und die altbewährten Oberpleiser Büttenredner und Sänger sorgten dafür, daß wieder mal alle Sitzungen und Veranstaltungen ein voller Erfolg wurden.

1960

Oberpleis war vollkommen aus dem „Häuschen" als das bis zur letzten Minute geheim gehaltene Prinzenpaar Mänes I. (Hermann Buchholz) und Prinzessin Wilhelmine I. (Frau Buchholz) in die Karnevalshochburg im Saale Bellinghausen einzog.
Die beiden Präsidenten der Sitzungen Helmut Reuter und Josef Neuhöfer hatten es wirklich nicht schwer, ein solch volkstümliches Prinzenpaar zu proklamieren.

Endlos war die Reihe der Karnevalisten, die in der Bütt mit humorgeladenen Reden glänzten oder von der Bühne aus das närrische Volk von Oberpleis zu Gesang und Schunkelei verführten". So fanden Karl Westerhausen, Paul Bellinghausen, Erich Neuenfels, Willi Dietz, Erich Westhofen, Bernd Wilhelm Dahs und Willi Lichtenberg, den verdienten Beifall.
Als Sänger lustiger Moritaten, Schlager und Schunkellieder bewiesen Lothar Schenk, Wilfried Könsgen, Walter Mohr, Günter Riesenbeck, Hubert Bellinghausen, Josef Gratzfeld, Franz Müllenholz, Willi Winterscheid, Helmut Reuter, Erich Lichtenberg, Kurt Wirtz und Heinz Klein ihren angestammten Mutterwitz.

Im Herbst 1960 wurde der Vorstand neugewählt.
Ergebnis: 1. Vorsitzender: Josef Neuhöfer
              2. Vorsitzender: Karl Heinz Dahs
Heinrich Bergmann löste den langjährigen, altbewährten Geschäftsführer Theo Josef Kurenbach in seinem Amte ab. Theo Josef Kurenbach ist übrigens auch einer der „Narrenzünftler", der immer im Stillen seine Pflicht tut und dessen Herz seit vielen Jahren dem Karneval gehört.
Als Beisitzer wurden Toni Jonen und Wilhelm Weber gewählt.

1961

„Hoch schlugen die Wogen der Begeisterung in der „Narrenzunft" der Oberpleiser Kolpingsfamilie, als der persönliche Adjutant des Prinzen Kurt Wirtz das Podium bestieg und die mit Spannung erwartete Ankunft der närrischen Tollitäten ankündigte:
In wenigen Minuten wird seine Tollität geruhen, bei seinem närrischen Volk zu erscheinen",
sprach's und verschwand. Im vollbesetzten Saale Bellinghausen trauten die Narren ihren
Augen nicht, als Kurt Wirtz kurze Zeit später als Prinz Kurt I. in Begleitung von Prinzessin Marita I. (Marita Wirtz) wieder erschien. „Das war eine Riesenüberraschung“.
Diese Worte, entnommen der Siegkreis-Rundschau, drücken so recht die Überraschung aus, die das Prinzenpaar Kurt und Marita Wirtz 1961 auslösten.
In der Bütt hatten Erfolg: Wilhelm Weber, Werner Brodesser, Karl Heinz Leven, Erich Westhoven, Karl Westerhausen und Ludwig Gast. Glänzend an kamen auch die Gesangsvorträge von Lothar Schenk, Günter und Reiser Riesenbeck, Ulrich Neuhöfer und Peter Jonen, die als „Schusterjungen lappten und pappten“. Die „Vier Botze“ waren natürlich auch mit von der Partie.

Das neue Tanzmariechen Elfriede Weber wurde ebenfalls mit Begeisterung aufgenommen.

1962

Die Karnevalssession 1962 stand im Zeichen der Katastrophen von Völklingen (Saar) und den Überschwemmungen in Hamburg und dem norddeutschen Raum. Infolge dieser Unglücksfälle mußte die angesagte Prinzenproklamation von Sonntag, dem 11. Februar auf Sonntag, den 18. Februar 1962 verschoben werden. Es ist ganz natürlich, daß keine rechte Stimmung aufkam.

Für die Opfer der Flutkatastrophe in Norddeutschland sammelte die Narrenzunft auf ihren beiden Sitzungen Geldbeträge in der beachtlichen Höhe von insgesamt 1000,— DM.

Zum Prinzenpaar wurde Wolfgang Schulz und Frau Franzi proklamiert,  
Präsident Helmut Reuter leitete geschickt die Sitzungen, auf denen Karl Heinz Dahs als Protokollarius, Werner Brodesser als „Raumkosmetikerin", Heinz Josef Hoff als „Kellner Köbes", Erich Westhofen als „Gemeinderatsmitglied“, Erich Neuenfels als „Silberbräutigam“ und Ludwig Gast als „Pleeser Buur“ und Erich Lichtenberg und Wilhelm Dahs als „Lumumba und ein Journalist“ herzlichen Beifall erhielten. Natürlich waren die „Vier Botze“ und die „Nichtschwimmer“ mit ihren gesanglichen Darbietungen wieder mit dabei.

Im Dezember 1962 gab`s mal wieder Neuwahlen. Der Vorstand setzte sich
nunmehr folgendermaßen zusammen:
1. Vorsitzender: Karl-Heinz Dahs
2. Vorsitzender: Wilhelm Weber
Geschäftsführer: Ewald Ahr
Präsident: Helmut Reuter
Beisitzer: Peter Krey und Hubert Bellinghausen

1963

1963 gelang es der Oberpleiser Narrenzunft wieder einmal die prickelnde Spannung um das Geheimnis des Prinzenpaares bis zum letzten Augenblick zu wahren. Als dann Prinz Willi I. und Prinzessin Therese (Willi Reese und Frau) in den „Narrentempel" beim Post Mattes Hein" einzog, kannte der Jubel keine Grenzen. Dies umsomehr, da man in dem Prinzen den TuS-Vorsitzenden wiedererkannte.

In der Bütt ging es Schlag auf Schlag. Als „Würstchen" kam Werner Brodesser; ein „Feuerwehrmann“ stellte Karl-Heinz Leven dar.

Als „braver Jung“ trat Erich Westhofen, als „Pleeser Buur“ Ludwig Gast und als „Pechvogel Bernd Wilhelm Dahs auf. Die „Vier Nichtschwimmer“ Lothar Schenk, Josef Gratzfeld, Franz Müllenholz und Hubert Bellinghausen sowie die „Vier Botze“ gaben gesanglich allerhand Lokales zu Besten.

Elfriede Weber und Josef Losem begeisterten als Tanzpaar die Zuschauer.

1964

„Das hat Plees noch nicht erlebt", schrieb eine große Tageszeitung als Titel über den Bericht zur Prinzenproklamation 1964 und deutete damit die Stimmung und den Jubel an, den das elfte Prinzenpaar Josef Zimmermann und Frau Christel auslöste. Josef Zimmermann, genannt der „Kleine Krupp", war auch der richtige Mann dafür.
Nicht nur, daß er der elfte Prinz von Oberpleis war, er wohnt auch noch im Haus Nummer 11 und ist außerdem karnevalistisch vorbelastet. Keine Fastnacht ohne ihn, der als Büttenredner viele Jahre das jecke Podium bestieg und die größten Lachsalven erntete.

Josef Zimmermann war dann immer unermüdlich im Hintergrund am Aufbau der Narrenzunft mitbeteiligt. Seit einigen Jahren ist er 1. Vorsitzender der Narrenzunft.

Die Stimmung, die das Auftreten des Prinzenpaares auslöste, übertrug sich auch rasch auf das Publikum und die Vortragenden.

Orden, „Plees Alaaf's" und Raketen gab es in Hülle und Fülle für den Protokollarius (Hans Robert Mies), für den „Pechvogel" (Werner Brodesser), den „Fahrlehrer" (Karl-Heinz Leven), der seine Erlebnisse beim Münchener Oktoberfest zum Besten gab, den „Dorfchronisten" (Ewald Ahr) und den „Mann aus dem Volke", (Bernd W. Dahs). Stürmisch belacht wurde die Arbeit beim Friseur (Westhofen, Bodenstein, Brodesser, Leven, Hermes und Schuhmacher), die "Mütterberatung" (Dahs, Harf, Neuenfels, Krämer und Jonas) und das Zwiegespräch zwischen Dahs, Neuenfels und Krämer.

Riesenbeifall gab es für den sauberen Funkentanz des Blau-Weißen Tanzkorps mit Josef Losem als Kommandanten, dem Adjutanten Kurt Wirtz, dem Tanzoffizier Ulrich Neuhöfer und dem zierlichen Tanzmariechen Elfriede Weber.

1965

1965 fand man in Peter Krey, (Peter I.) und Prinzessin Alwine ein recht volkstümliches Prinzenpaar, zumal Peter I. seit nunmehr 20 Jahren immer mit dabei ist, wenn es heißt Freude und Frohsinn zu spenden.

Die Sitzungen fanden vor vollbesetztem Saale statt. Präsident Fritz Neuhöfer führte mit dem ihm eigenen Humor glänzend durchs Programm.

Nach der profilierten Rede des Protokollarius (Hans-Robert Mies) schilderte Josef Gratzfeld „seinen Lebenslauf". Stürmischen Beifall erntete der Stimmungssänger Matthias Müllenholz. Sehr guten Anklang beim Publikum fand die Uthweiler Fastnachtsgruppe mit ihrem Sketch „Der Filmproduzent". Im weiteren Programmverlauf schilderte Ewald Ahr seine Schwierigkeiten als „Schütze Bumm", Erich Westhofen hatte Probleme als „Familienvater mit Hindernissen" und Erich Neuenfels gewann als „Lebenskünstler" dem Alltag die schönsten Seiten ab. Langanhaltender Applaus und große Lachsalven ernteten die Asse des Oberpleiser Karnevals. So unter anderem Willi Lichtenberg als „Der Weinselige", Bernd Wilhelm Dahs als „Der Mann aus dem Volke" und vor allem die „Vier Botze".

Die Blau-Weißen Funken Oberpleis mit ihrem neuen Tanzpaar, Mariechen Ruth Schön und Offizier Rüdiger Dahs, begeisterten durch ihren gekonnten Funken tanz.
 
1966

Über die Prinzenproklamation berichteten wir bereits in der Ausgabe Nr. 5 vom 4. Februar 1966.
Auf der Großen Kappensitzunq am vergangenen Samstag hatte die Narrenzunft schwerstes Geschütz aufgefahren, um jede Spur von Griesgram und Muckertum zu bekämpfen. Das dies prächtig gelang, bewies der tosende Beifall des Publikums.

Fritz Neuhöfer, der wieder einmal souverän die Sitzung leitete, konnte mit einigen Überraschungen aufwarten.
So begeisterten die „7 Zwerge von den Sieben Bergen", das Eudenbacher Funkenkorps „Rot-Weiß", die Uthweiler Feuerwehr, die einmal als „Löschzug" und ein andermal mit einer „Modenschau" auftrat. Willi Dietz als „geplagter Ehemann" und Ludwig Gast als „Pleeser Buur".

Über die weiteren Veranstaltungen, die die Narrenzunft im Jubeljahr 1966 geplant hat, berichten wir an anderer Stelle in dieser Ausgabe.

Der Vorstand setzt sich im 20. Jahre des Bestehens der Narrenzunft wie folgt zusammen:
1. Vorsitzender Josef Zimmermann,
2. Vorsitzender Karl-Heinz Dahs,
Geschäftsführer Ewald Ahr.

Elferrat: Josef Neuhöfer. Peter Krey, Kurt Hötke, Dr. Günter Bussen, Josef Zimmermann, Walter Christoffel, Ferdinand Dohle, Karl Weber, Hans Robert Mies, Karl-Heinz Dahs, Johann Weiler, Willi Lichtenberg, Willi Bellinghausen.
Sitzungspräsident: Fritz Neuhöfer.
Persönlicher Adjutant des Prinzen: Kurt Wirtz.
Funkenkommandant: Hubert Bellinghausen, der auf der letzten Sitzung in den Adelsstand erhoben wurde und nunmehr „Hubert von der Mückeburg" genannt wird.
Tanzmariechen: Ruth Schon, Tanzoffizier: Rüdiger Dahs.

Schluß

Damit wollen wir die kleine Chronik beschließen. Es ist schon ein stolzes Werk, daß die Narrenzunft der Kolpingsfamilie Oberpleis in den vergangenen 20 Jahren geschaffen hat.
Trotz schweren Zeiten, trotz manchen Rückschlages, hat sie eine Karnevalsgruppe aufgebaut, die voller Idealismus bei der Sache ist. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, altes Traditionsgut gewissenhaft zu verwalten und immer neu zu beleben.
Möge die Narrenzunft auch in der Zukunft den schönen Fastnachtsbrauch pflegen, um Freude und Frohsinn den Menschen in dieser unruhigen Zeit zu schenken.
Möge die Narrenzunft auch weiterhin einen solch schönen, sauberen Karneval durchführen wie bisher und dem Nachwuchs rufen wir zu:
„Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!"
Ende 

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 5 vom 04.02.1966; Foto und Bericht: Heinz Wicharz
Zur Verfügung gestellt von
Heimatverein Siebengebirge Königswinster e.V.
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Besondere Ereignisse Karneval Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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