Aufnahme: 1972
Anekdötchen us Plees -Auf der Kirmes-
Et jit nix, wat et nit jit – un jäb et irgendwat, wat et nit jit, so möt et dat in Plees doch jävven. Un von dem, wat et eijentlich nit jevven sollt, will ich üch jet verzälle. Äver damit ihr et och versteht un et et nächste Mohl besser maht, will ich versöken, e bißche „hochdeutscher“ ze quassele.
Also, heute will ich euch etwas von der „feinen Manier“ verzälle. Gleichzeitig sollt ihr dabei was hören, wie et früher auf der Kirmes war, vor allem aber sollt ihr erfahren, wat eigentlich ne Quaatschbüggel is.
Et war noch im alten Jahrhundert. Ich war der siebente Sprössling ner großen Familie. Auch die Nachbars hatten viele Pänz. Aber dat wohr damals ja so üblich. Ohn viel Gedöns un Kokolores sin mir all groß un stark geworden, auch wenn die Eltern nit viel Geld hatten. Taschengeld kannten wir nit, un en Fahrrad bekamen wir erst, wenn mir de Lehre schon en paar Jahre aus hatten. Aber wenn Kirmes im Dörp war, dann gab uns de Mutter immer en paar Penning.
Um de Jahrhundertwende herum bin ich nach Geistingen auf de Kirmes gegangen. Damals war gerade Bruder Mattes zu Haus zu Besuch. Bruder Mattes war ein feiner Herr. Er war in Wahn beim Baron von Els in Diensten. Ich wär ja viel lieber allein auf de Kirmes gegangen, aber Mutter gab 15 Penning und sagte, ich sollte meinem großen Bruder ja folgsam sein.
Ich hab dat Geld im Sacktuchknoten versteckt – ich wollt mir davon ein Wundertütchen un enen Quaatschbüggel kaufen. Dann bin ich hinter meinem Bruder hergelaufen. Der hat vielleicht große Schritte jemacht, un der is so grad jegangen, als hät er en Lineal im Rücken. Ich hat de Händ in der Botzentäsch un han Fez jemacht. Bruder Mattes fing an, mich auf die „feine Tour“ zurechtzuweisen. Er meint, ich tät den Bediensteten vom Herrn Baron „blamieren“. Dat Wort kannt ich zwar nit, aber ich wußt, dat ich ihn damit ärgern tat.
Wenn der Bruder wüßt, wat ich mir ob der Kirmes kaufen wollt!
Ich tat mich at ob dat blöde Gesicht freuen. Na ja, mir sin dann über den Platz jewandert. Da jab et ja viel zu sehen. Da war der Lukasmann, der tat immer rufen: „Haut den Lukas, dann dreht sich der Peijas“. Der Peijas tat mir richtig leid, so han die Leut auf ihn draufjeschlagen. Dann sin mir en Holztrepp raufjegangen. Oben standen mir auf nen Laufsteg. Mein Bruder tat 15 Penning für uns bezahlen un sagt: „Wir werden jetzt in den Genuß eines Kinematographen gelangen“. Dat kannt ich zwar nit, aber et war so ne Vorläufer von unserem Kino und et jab da janz spannende Jeschichten zu sehen. Dann sin mir an ner Reitschule vorbeijejangen, wo ne Kirmeskerl mit nem Parteibüggel war. Mattes besah sich die Pferde, ich bin schnell zum Wundertütscheskerl jelaufen. Als der jrad nit hinsah, hab ich die Tütchen befühlt, bis ich einen fand, wo ne Ring drin war. Dat hab ich mir dann jekauft un janz überrascht jetan, als ich dat Ringelchen auspackte. Aber o weh! Es tat nit mal über den kleinen Finger passen. Bruder Mattes besah sich die Bescherung und fing fürchterlich an zu zetern. Als ich mir dann den Quaatschbüggel kaufen wollte, hat er ein „Machtwort“ jesprochen. Om Heimweg hab ich dann selbst jequaatscht, ne Quaatschbüggel hät et nit besser jekonnt. Zu Hause wollt Mattes, dat der Vater mit mir schängen dät, aber da hat er sich versehen. Vater hät mit ihm jeschannt.
Nach em Essen is er mit mir nach Westerhausen jegangen. Do war nämlich auch Kirmes. Vater hät mir nen Quaatschbüggel jekauft. Ich konnt et jar nit erwarten, bis mir wieder zu Hause waren. Da han ich dann plötzlich en jroße Sehnsucht nach Mattes bekommen. Ich bin immer hinter Mattes herjelaufen und han mit dem Quaatschbüggel jespielt. Den nächsten Tag ist Mattes nach dem Baron abjereist.
Ich han den Quaatschbüggel heute noch im Schrank verwahrt.
Viele Grüße un laßt euch nit ärgern, auch nit von de Leut mit de feine Manieren.
De Quaatschbüggel
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