Aufnahme: 2003
Ev. Kirchenchor auf Zeche Zollverein
Kohlenstaub rieselte nicht mehr auf uns herab, stattdessen gab es eine ehemalige Zeche und Kokerei zu besichtigen, deren Gebäude und riesiges Areal (über- und unterirdisch) Ende 2001 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen worden war. Bei seinem diesjährigen Ausflug erlebte der evangelische Kirchen-Chor ein eindrucksvolles Industriedenkmal, die frühere Zeche Zollverein, die lange Jahre zu den größten und modernsten ihrer Art gehörte.
Industriedenkmal ist der heutige Ausdruck für einen dramatischen Strukturwandel, in diesem Fall der allmähliche der Montanindustrie, bei dem Tausende ihren Arbeitsplatz verlieren. Inzwischen ist das Doppelbock-Fördergerüst der Zeche Zollverein zum Markenzeichen des Ruhrgebiets geworden und mehrere Stiftungen und eine Entwicklungsgesellschaft kümmern sich seit 2001 um die Kulturlandschaft Zollverein. Der Chorleiter, Herr Sondermann, hatte die Idee, diesen technischen Komplex zu besichtigen. So bestiegen wir Sonntag, den 19. Oktober, frohgemut unseren modernen, navigationsgeführten Bus und ließen uns - sorgfältig vorbereitet von unserer Vorsitzenden, Frau Würtz, durch einen sonnigen Ausflugstag hindurchgeleiten.
Zunächst ging es nach Essen-Frintrop zur Gnadenkirche. Dort begleitete unser Chor den stimmungsvollen Gottesdienst beim Antiphon vor und nach dem Psalm mit Mendelsohn, dann mit einem Jochen-Kleppet-Lied zwischen den Fürbitten und zum Abschluss mit dem gesungenen Vaterunser. Danach gab es freundliche und herzliche Gespräche mit dem dortigen Pfarrer und Gemeindegliedern. Netterweise wurden wir auch mit einer Tasse Kaffee und Keksen bewirtet, was uns aber nicht hinderte, gleich anschließend zum Mittagessen nach Oberhausen durchzustarten. Dann ging es zur ehemaligen Zeche Zollverein.
Bei einem zweistündigen Rundgang unter sachkundiger Führung erfuhren wir Einzelheiten über die architektonisch interessanten Gebäude, über den Produktionsablauf und die Geschichte der Zeche. Gegründet wurde sie schon 1864 von Franz Haniel, einem der Industriellen aus der Zeit der beginnenden Industrialisierung des damals noch landschaftlich idyllischen Gebietes an dem Fluß Ruhr. Von den Erben Haniels wurde die Zeche später an große Konzerne wie die Vereinigten Stahlwerke verkauft, erlebte ihre Blütezeit nach dem 2. Weltkrieg unter der Regie der Ruhrkohle AG und noch fast bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Die heutige Nutzung besteht aus verschiedenen Aspekten: Da ist einmal die große Besucherschar, die am laufenden Band über das Gelände geführt wird. Zum anderen wurde ein Museum eingerichtet; verschiedene Kunsteinrichtungen haben dort ein Domizil gefunden. Firmen nutzen die Büros und es gibt auch eine choreographische Werkstatt. Praktischerweise wurde auch ein Café (sehr modern und „cool") eingerichtet, das wir am Ende des Rundganges gerne aufsuchten.
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