Aufnahme: 2000

Nach Nijmwegen ins Heilige Land

Der diesjährige Mitarbeiterausflug führte 45  haupt-, neben-  und ehrenamtliche  Mitarbeiter  der  ev.  Kirchengemeinde  ins  nieder­ländische  Nijmwegen.  Mitten im herbstlichen Wald von Heilig Landstichting,  kurz hinter der deutsch-holländischen  Grenze, fühlt man sich unwillkürlich  in die Zeit Jesu versetzt. Bereits am Eingang des Bibelfreilichtmuseums  fällt der Blick auf ein typisch  palästinensisches Häuschen aus Kalksteinquadern mit rundem Dach und  charakteristischen   Bögen. Die  Heilig Landstichting wurde  im Jahr 1911 von dem holländischen  Pastor Suys, der sich längere Zeit  in Palästina aufgehalten hatte, gegründet.  Er wollte eine große Wallfahrtskirche  errichten. Ihre Umfassung sollte von einer  Pilgerroute entlang rekonstruierter  Bauwerke aus dem Hei­ligen Land gebildet werden. Aus finanziellen  Gründen und durch den Ausbruch  des Ersten Weltkriegs  konnte Suys nicht mehr als das Vorportal der Kirche bauen lassen, in dem sich die Ausstel­lungsräume  befinden.  Nach und  nach entstand  aber der  Pilger­ weg  aus  Orientalischem  Dorf, Kalvarienberg  mit Golgatha,  einer orientalischen  Herberge,  der  Synagoge,  schließlich  dem  Palast des Pilatus und der Hohe Rat - das Synedrium. In den achtziger Jahren  fügte  man  den  bisherigen  Bauten  noch  das  Fischerdorf am  See Genezareth  und die Orientalische  Straße  hinzu.  Beein­druckend  waren  für  die  Besucher  aus  Oberpleis  vor  allem  die winzigen  Häuschen mit einer Laubhütte auf dem  Flachdach.  Lie­bevoll hatte man hier die komplette  Inneneinrichtung  eines  Hauses  der  damaligen   Zeit   nachgebaut.   Ehrfürchtig  versammelte sich unsere Gruppe in der kleinen Synagoge, die noch heute ge­legentlich für Gottesdienstfeiern  mit dem Rabbiner der jüdischen Gemeinde  von  Nijmwegen  genutzt  wird.  Im  Dorf  nahm  unsere Gruppe rasch den Geruch von Eseln, Ziegen und Schafen wahr. Sehr zur Freude aller begegneten wir bald darauf den hochbeini­gen libanesischen Ziegen, die uns ähnlich bestaunten wie wir sie. An  einem  Teich  im  holländischen  Wald  duckten  sich  kleine Fi­scherhäuschen, Fangnetze pendelten im Regen. Wir standen am See  Genezareth  und  bestaunten  den  modernen  Vertreter  des klassischen  Petrusfisches  in  einem  Aquarium.  Der  Weg  führte uns schließlich durch ein Stadttor zum Palast des Pilatus. Beson­ders  im  Sommer  führen  zahlreiche  "Figuranten",  ehrenamtliche Statisten, die Besucher in die alltäglichen Tätigkeiten der damali­gen Menschen ein. So lernten einige von uns einen "griechischen Lehrer" kennen, der in die Schrift der damaligen Zeit einführte.

Abschließend ging  es noch in die römische Herberge. Man probierte das römische Bier nach antikem Rezept, orientalische Fa­lafel oder ein biblisches Linsengericht. In Nijmwegen hörte dann der Himmel auf zu weinen. Ein kleines Orgelkonzert mit Taizeliedern auf der König Orgel von 1776 in der schlichten reformierten St. Stevenskerk begeisterte viele aus unserer Gruppe, die eher zufällig dort anwesend waren. So gestärkt von Eindrücke aus morgen- und abendländischer Kultur gab man sich  im gemütli­chen Café Vivaldi schließlich den leiblichen Genüssen und der Verarbeitung des Erlebten hin.

Soviel sei gesagt: Es waren eher Freudentränen über einen  gelungenen Ausflug, die der Himmel vergoss.

Volker Hirschfeld

Quelle
Pfarrfamilie (ökumenische Ausgabe) Nummer 5 / 121, Dez. 2000 / Januar 2001
Zur Verfügung gestellt von
Maria Hermes; Fotograf unbekannt
Räume & Galerien
Evangelische Kirche Oberpleis Gruppen Katholische Kirche Oberpleis
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