Aufnahme: 1998 - 1999
Ausflug des evangelischen Kirchenchores nach Cochem an der Mosel
Ein Ausflug zu wilden Tieren
Nein, nein, er führte genau dreißig Mitglieder des ev. Kirchenchores am 20. September nach Cochem an die Mosel. Komplett mit Handtüchern ausgestattet fuhren wir in ca. eineinhalb Stunden zur Jugendherberge nach Cochem-Cond . Der Herbergsvater war sehr freundlich. Auch dadurch sortierten sich rasch und konfliktfrei alle Teilnehmer auf die Zimmer. Essen und Unterbringung waren bestens, die gemeinsamen Dienste auf ein Minimum beschränkt. Der Gruppenraum namens „Beilstein" wurde schnell zum kleinen Zuhause, fürs gemeinsame Essen, fürs Proben und Gepäckaufbewahren. Der organisatorische Rahmen paßte komplett, das Wetter verwöhnte uns.
Aber nach dem Abendessen kamen sie, die wilden Tiere. In der Weinkellerei Hieronimi fanden wir uns zu einer Weinprobe ein. Und da waren sie, nach edlen Tropfen („Wein zu trinken, ist eine Kunst") erklärte uns der „Vorkoster", daß wir uns bei der ersten Flasche des guten Moselweins wie Vögel, nach der zweiten wie Löwen, nach der dritten jedoch eher wie Esel fühlten. Alle dachten „in vino veritas", doch die ganze Wahrheit erfaßte uns erst nach stimmungsvollem Blick auf die angestrahlte Reichsburg, denn die 69 Stufen hoch zur Jugendherberge wollten überwunden werden, egal wie.
Das Frühstücksbüfett am Sonntagmorgen bot den passenden Rahmen für unser Geburtstagskind. Durch den ganzen Tag zog sich ein Jubilieren. Nachdem „das eilende Wort Gottes" (Guido Kohlenberg) in der Ev. Kirche zu Cochem eingetroffen und herzlich begrüßt worden war, jubilierte unser Chor. Er tat's perfekt, modern und mit guter Akustik. Leider war wenig Gemeinde anwesend. Dafür paßte dann aber die Predigt wieder genau. War da nicht die Rede von „Seid nüchtern" und auch von Löwen, die ums Lager schleichen? Wichtig ist das Bild, das Pfarrer Kohlenberg benutzte: „Zum Glauben gehört neben dem reinen Kopfwissen auch die Erfahrung; wie auf zwei Paddeln eines Ruderbotes geschrieben, rechts 'Wissen', links 'Erfahrung', beides für sich allein nutzt nichts, es führt in sinnlosen Kreislauf."
Beim Nachtreffen im Gemeindehaus wurde fröhlich geplaudert und mancher Unsinn vorgeschlagen (findet eine Hochzeit im Chor statt?). Nach dem gemeinsamen Mittagessen (Weg hin und her je mindestens eine Viertelstunde) fanden wir uns zur Stadtführung auf dem Endertplatz ein. Der wirklich nette Führer zitierte unerwartet eine Brunneninschrift: „Weiße Trauben fraß der Bock, in der Kelter sollt er's büßen, roter Saft floß in den Trog, seine Unschuld war bewiesen"; da waren sie wieder, die wilden Tiere. Anschließend ruhten wir uns etwas auf einer kleinen Moselrundfahrt mit der „Undine" aus und bestiegen danach unseren Bus zur Rückfahrt. Und auch hier zum Abschluß eines wunderschönen Wochenendes „wilde Tiere". Zitiert aus einer modernen Übersetzung des Psalms 104: „„. die Wildesel stillen ihren Durst daraus. An den Ufern wohnen die Vögel„."
Dieter Jüppner
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