Aufnahme: 1750
Der Bönnschenhof in Oberpleis-Wahlfeld - Erste bildliche Darstellung des Bönnschenhofs
Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der gezeichneten und kolorierten Karte ‚Wildbann des Klosters Heisterbach um 1750‘. Die rote Linie mit dem Buchstaben A markiert die Grenze der Heisterbacher Jagd, die in nördlicher und östlicher Richtung direkt am Bönnschenhof endete.
Der Bönnschenhof ist eine vierflügelige Fachwerk-Hofanlage, die ein zweigeschossiges Wohnhaus und eine Scheune umfasst (Vorgängerbauten werden von Wissenschaftlern bis ins 8. Jahrhundert angenommen). Sehenswert ist auch ein im 19. Jahrhundert erbautes Backhaus. Die Geschichte des Bönnschenhofs und des Bonner Cassius-Stiftes, als Besitzer des Hofes über fast tausend Jahre, fanden umfassende Berücksichtigung in der 1955 von Robert Flink verfassten Dissertation ‚ Die Geschichte von Oberpleis - Von den Anfängen bis zum Verlust der Landesherrlichkeit der Pröpste von Oberpleis an die Vögte, der Herzöge von Berg, um 1500. Die neuere Geschichte des Bönnschenhofs erforschte Bernhard Gast.
Warum ‚Bönnschenhof‘?
Die älteste erhaltene, Oberpleis betreffende Urkunde, datiert vom 9. November 859. Gerbert und Othilfrid schenkten dem Cassius-Stift in Bonn für das Seelenheil des Grafen Rembald einen Hof in der Gemarkung Oberpleis in villa vel marca quae dicitur ad Pleisam superiorem. Wahrscheinlich war Graf Rembald Besitzer des Hauptfronhofs in Oberpleis, Gerbert und Othilfrid, die diese Schenkung durchführten, seine Testamentsvollstrecker.
Welcher Hof wurde 859 dem Cassius-Stift in in pago Auelgaue in villa vel marca que dicitur ad Pleisam superiorem geschenkt? Es kann kein anderer gewesen sein, als der heutige Bönnschenhof in Wahlfeld, der in der Besitzbestätigung des Bonner Cassius-Stifts durch Papst Innozenz II. von 1131 Walevelt curtis genannt ist. Der Hof blieb bis zur Säkularisation 1802 in unangefochtenem Besitz des Cassius-Stifts.
Was veranlaßte Graf Rembald den Hof in der Gemarkung Oberpleis dem Cassius-Stift im linksrheinischen Bonn für sein Seelenheil zu stiften? Über die persönlichen Gründe ist natürlich nichts bekannt. So bleibt nur die Frage nach dem beschenkten Cassius-Stift. Das Stift wurde spätestens im letzten Viertel des 8. Jahrhunderts in Bonn gegründet und übernahm den Namen ‚Cassius‘, eines Soldaten der Thebäischen Legion, der im 3. Jahrhundert in Bonn als christlicher Märtyrer starb. Sein Grab soll sich mit dem Grab des ebenfalls als Märtyrer verehrten römische Soldaten Florentius unter der Stiftskirche befunden haben. Seit dem 8.Jahrhundert sind viele Schenkungen an Rhein, Ahr und Mosel für das Stift belegt.
Gerbert und Othilfrid vollzogen 859 die Schenkung in der Stiftskirche, der ecclesia sanctorum martyrum Cassii et Florentii. Seit der Gründung des Stiftes waren die Kölner Erzbischöfe Stiftsvorsteher. Da sie die Geschäfte nicht immer persönlich wahrnehmen konnten, bestellten sie Vertreter. Ab 848 waren es die Pröpste. Zur Zeit der Schenkung war Gunthar Erzbischof von Köln und Herigarius Propst des Bonner Cassius-Stiftes. Die Stiftskirche war Keimzelle des Christentums für Bonngau und Auelgau.
Der Bönnschenhof im weiteren Lauf der Geschichte
1443 Johann von Wahlefeld, Pächter des Bönnschenhofes, war Schöffe am Gericht des Abtes von Siegburg.
1449 In der Besprechung des Weistums wurde der Bönnschenhof bei der Gestellung von Heerwagen genannt. Der Hof hatte für die niedere Gerichtsbarkeit ein eigenes Hofgericht.
1464 Der Hof lag in der quellenmäßig belegten Honschaft Wahlfeld. Offenbar ist er der Ausgangspunkt des unmittelbar an seine Blockflur stoßenden Ortes Wahlfeld.
1486 Am 15. Juni vergleichen sich das Kapitel des Cassius-Stifts in Bonn wegen ausstehender Zinstaxen ihres Hofes in Wahlfeld mit dem Propst von Oberpleis.
1649 Im Lagerbuch wurde - wie schon 1449 - die Gestellung von Heerwagen durch das Kirchspiel Oberpleis zur Verteidigung in Zeiten höchster Not festgelegt. Der Propst stellte den Vorderwagen, der Bönnschenhof den Hinterwagen mit je einem Pferd, der Bellinghauserhof der Abtei Heisterbach das dritte Pferd und der Hasenhof (Hasenboseroth) von St. Katharinen bei Linz das vierte Pferd.
1665 Walram Dreßen und Catharina Conzen, Pächter des Bönnschenhofs.
Es folgten zwei Generationen der Familie Laufenberg.
1750 Peter Lichtenberg und seine Frau Anna Sydonia Laufenberg wurden Pächter des Bönnschenhofs. Nach dem Tod des Peter Lichtenberg heiratete die Witwe Wilhelm Birkhäuser.
1802 Das Bonner Cassius-Stift wurde bei der Säkularisierung aufgelöst.
1803 Der Hof wurde verstaatlicht und preußisches Domänengut.
1824 Am 18. Februar heiratete vor Bürgermeister Franz Fröhlich der zu Wahlfeld wohnende Gutsbesitzer Johann Peter Birkhäuser, Sohn der verstorbenen Ackersleute Wilhelm Birkhäuser und Anna Sydonia Laufenberg, die Jungfer Elisabeth Kemp, ohne Gewerbe, zu Elsfeld wohnend. Johann Peter Birkhäuser und Elisabeth Kemp übergaben wegen der zwischen ihnen kirchlich vollzogenen Ehe nachstehendes Zeugnis des gesetzlichen Pfarrers: „Ich habe diesen morgen um halben zwölf im Beisein von Johann Pütz und Franz Joseph Stockhausen die beiden Verlobten Peter Birkhäuser und Elisabeth Kemp priesterlich eingesegnet.“ Gez. J.W. Stricker Pastor.
1830 Das Ehepaar Peter Birkhäuser und Elisabeth Kemp schlossen mit der Domänenverwaltung einen Erbpachtvertrag.
1832 Der Erbpachtvertrag wurde am 17. Februar 1832 genehmigt.
1833 Peter Birkhäuser starb an den Folgen eines Sturzes vom Pferd.
1834 Die Witwe des Peter Birkhäuser heiratete ein Jahr später Peter Josef Schurff aus Keldenich.
1868 starb Peter Josef Schurff. Es gab Erbstreitigkeiten, der Hof wurde geteilt, große Teile gingen verloren.
1876 Michael Schurff am 21.12. geboren.
1901 Auf dem Bönnschenhof lebten 14 Personen. Ad. Schurff wurde in einem Adressbuch Gutsbesitzer genannt.
1927 Auf dem Bönnschenhof lebten Michael Schurff, seine Ehefrau Anna und die Kinder Anni, Christel und Richard.
1934 Auf dem Gelände des Bönnschenhofs fand eine große landwirtschaftliche Ausstellung statt.
1937 Michael Schurff wurde letzter Schützenkönig des 1926 gegründeten Oberpleiser Schützenvereins.
1940 Michael Schurff starb am 07.10.
1944 Am 5.12. fiel im 2. Weltkrieg. der am 3.5.1926 auf dem Bönnschenhof geborene Richard Schurff.
1993 Der Bönnschenhof wurde durch die Eheleute Franz und Helga Schurff als landwirtschaftlicher Betrieb stillgelegt, blieb aber im Besitz der Familie.
Der Bönnschenhof wurde von der Stadt Königswinter am 5. Dezember 1996 als Denkmal A 326 in die Liste geschützter Baudenkmäler eingetragen.
Texte: Willi Joliet unter Verwendung von Daten und Fakten aus Wikipedia und der Dissertation von Robert Flink. Die Geschichte von Oberpleis - Von den Anfängen bis zum Verlust der Landesherrlichkeit der Pröpste von Oberpleis an die Vögte, der Herzöge von Berg, um 1500 (Siegburg 1955). Für die neuere Geschichte des Bönnschenhofs entnahm ich Daten und Fakten aus handschriftlichen Unterlagen zum Bönnschenhof von Bernhard Gast.
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