Elsfeld, ehemals landtagsfähiges Rittergut

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1750

Elsfeld, ehemals landtagsfähiges Rittergut

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Karte 'Wildbann des Klosters Heisterbach' (um 1750).
Die rote Linie mit dem Buchstaben A markiert die Grenze der Heisterbacher Jagd,
die blaue Linie mit dem Buchstaben C die Grenze der Jagd der Propstei Oberpleis.

Der Rittersitz Elsfeld.
Mittelst uns vorliegender Urkunde vom 30. Dezember 1600 verkauften Wilhelm von Scheidt genannt Weschpfenning, jülich und bergischer Rath und Amtmann zur Burg und Solingen und Maria von Troisdorf, Eheleute, ihren im Amte Blankenberg in der Pfarre Oberpleiß gelegenen Rittersitz Elsfeld, sammt allem Zubehör und der Fischerei in dem Pleisbache (wie Maria von Troisdorf diese Besitzungen von ihrem Vater Sybert von Troisdorf, Churf. Rath und Amtmann zu Angermund, ererbt habe), mit fernerm Inbegriff des von den verkaufenden Eheleuten durch Kauf erworbenen Hofes zu Vreckwinkel und der dabei gelegenen Mühle, den Eheleuten Godhard von Scheidt genannt Weschpfenning und Catharina von Derenbach, ihrem Bruder, Schwager und Schwägerin, für einen in der Urkunde nicht angegebenen Kaufpreis zum ausschließlichen Eigenthum. Laut des zwischen den beiden Churfürsten Friedrich Wilhelm und Philipp Wilhelm als Herzog von Jülich und Berg, am 26. April 1672 gethätigten Religionsvergleiches (Art. VII.) ist damals die Hauskapelle des Rittersitzes Elsfeld zum Simultan-Gottesdienste bestimmt worden.

Ferner heißt es in einem zwischen dem bergischen Landeshauptmann Engelbert von Scheidt genannt Weschpfenning und dessen Schwester Agatha von Scheidt Wittib von Selbach, hinsichtlich der Verlassenschaft ihres Bruders Volmar von Scheidt genannt Weschpfenning unterm 23. November 1650 errichteten Erbvergleiche, „§.I. soll wolgedachter Herr Engelbert von Scheidt vor sich und seine Erbfolgern haben und behalten den Rittersitz Elsfeld, samt der Mühlen, wie auch der freie Hof zu Ottweiler und das Weingartsguth zu Honneff mit allen ihren Gerechtigkeiten, nichts davon ausgeschlossen“. Dieser Vergleich unterschrieben: Wilhelm von Hillesheim zu Niederbach, Herrn zu Uhrendahl, fürstl. Neuerburgischer Rath, Kämmerer und Amtmann zu Breisach; und Ludwig von Langenbach zu Burbach, gräflich Nassauisch dillenburgischer Amtmann daselbst als Zeugen.

Durch die Verheirathung der beiden Töchter Catharina Felizitas von Weschpfenning mit Wallraf Reinhard von Gevertzhan zu Attenbach (Heft VII. S. 83) und der Anna Catharina von Weschpfenning mit Johann Karl Bertolff von Belven zu Venau kam bald nachher Elsfeld in den Besitz der Freiherren von Gevertzhagen und der Freiherren Bertolff von Belven. Es findet sich ein unterm 10. März 1684 errichteter Stiftungsbrief unterschrieben von den Eheleuten Johann Karl von Belven zu Venauen und Anna Catharina von Scheidt genannt Weschpfenning, Frau zu Venau und Elsfeld vor. Nach am 30. September 1689 erfolgten Absterbens des Letztern schritt Tages nachher der Freiherr Johann Carl von Belven mittelst Urkunde von Notar Bodenius vom 1. Oktober 1689 zur öffentlichen Besitzergreifung des Hauses Elsfeld, seiner Zubehörungen und der Mühle. Aus dem Jahre 1726 findet sich die unten mitgetheilte Urkunde. Durch die Verheirathung des Freiherrn von Franken in zweiter Ehe 1737 mit der Anna Maria v. Belven erhielt derselbe Antheil von Elsfeld und erkaufte mittelst Kaufbrief vom 14. Okt. 1741 von der Wittwe von Höfflinger gebornen von Kuckelsheim und dem Fräulein Bernardine von Höfflinger einen andern Theil dieses Rittergutes.

Späterhin ist Elsfeld von der mit demFreiherrn Franz Caspar von Siersdorf verheiratheten Eva Franziska von Belven in dieser Ehe eigenthümlich besessen worden. Sie, deren Urgroßmutter eine von Scheidt genannt Weschpfenning gewesen ist, starb am 23, Okt.1797 in Köln und hinterließ ihrem Gemahl auch diese Besitzungen. Des Letztern mit einer Freyin von Eynatten verheiratheten ältestem Sohn erhielt nach dem Tode des Vaters in der Theilung mit seinem einzigen Bruder Arnold die Rittersitze Attenbach und Elsfeld, mit dem zu letzterm gehörigen Hofe Greulsifen, welcher diesen Hof mit Elsfeld im Jahre 1817 an den Ackerer Wimmar Kemp für 24000 Thaler verkaufte. Wir lassen hier den Auszug der bereits erwähnten Urkunde vom 25. Febr, 1726 folgen:

Coram Dno. vice-Satrapa de Warth Scabinis P. Stricker und J. Lohr. Quo praevio seind die zugegen gewesene beide Freiherrn v. Nagel und v. Gevertzhagen zu Attenbach, wie auch Mandatarius Schmitz, Namens Herrn und Fräulein v. Höfflinger, und zwarn Ersterer v. Nagel zu einer Halbscheidt und letztgenannter v. Gevertzhagen Erbgenahmen zu anderer Halbscheidt übermitz Ihrer Czhurfürstl. Durchlaucht Amtsververwaltern Herrn de Warth und beider Gerichtsscheffen vorbeneunt in den freiadlichen Rittersitz Elsfeld mit allingen Ap- und Dependentien mit Ausgiessung und Anzündung des Feuers, Ab- und Aufschützung des Hählhacks, Auf- und Zumachung der Hausdür, mit Abbrech- und Handtreichung der Zweigen von den Bäumen, mit Ausstech- und Ueberreichung der Erde von Länderei, Baumgewächs, Baumgarten, Wiesen, Waldungen und allingem Zubehör, nichts ausgenommen, gnädigst befohlener Maßen in Besitz gesetzet und ihnen kraft gegenwärtigem heutigen Akts die würkliche Possession gegeben worden, Freiherrn von Belven Erbgenahmen depossedirt worden; sic actum et immissum Anno mense et die quibus supra, (gez.) Strunck Gerichtsschreiber.“

Renard, Edmund. Die Kunstdenkmäler des Siegkreises, Düsseldorf 1907, Seite 175.

Das Haus, das im J. 1367 im Besitz eines gleichnamigen Geschlechts ist (Mitteil. aus dem Staatsarchiv zu Köln VII, S. 44), kommt nacheinander an die Familien von Dollendorf, von Troisdorf, im J. 1600 von Scheidt gen. Weschpfennig, von Geverzhagen und von Belven, von Franken und von Franken-Siersdorf, im 19. Jh. an den Ackerer Kemp. Jetzt ein einfacher, unbewohnter Ackerhof mit geringen alten Mauerresten in den Unterbauten. An einem Nebengebäude zierliche Tür mit Rundpässen. Darauf eingeschnitten die Jahreszahl 1601 und die Wappen des Gottfried [Gotthard] v. Scheidt genannt Weschpfennig und der Katharina v. Derenbach. Dasselbe Wappen auf der Wetterfahne.

Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmäler im Rheinland. 23.5 Stadt Königswinter, Köln 1992.

Haus Elsfeld Mitte 19. Jh. - Auf einen seit 1367 beurkundeten Rittersitz gleichen Namens zurückgehende Hofanlage: davon erhaltenswert das Wohnhaus, lang gestreckter zweigeschossiger Ständerbau mit umlaufendem, geschosstrennenden Schwellenkranz, traufseitig zweifach erschlossen, axiale Fensteranordnung; das Haus ist ganz unterkellert mit Kellereingang an der rechten Seite (kreuzgratgewölbter Vollkeller, wohl von einem Vorgängerbau); Haupteingang mit zweiflügeliger Eichentür in Faltwerk mit Oberlicht; rückwärtig Fassade später vorgeblendet und verputzt, einhergehend mit Vergrößerungen der Fenster; vor der Fassade liegen einige Futtertröge aus Trachyt, zwei Grenzsteine von Heisterbach sowie ein Grabkreuz aus Trachyt von 1659; das zugehörige Stall- und Scheunengebäude nicht mehr von Denkmalwert; Reste von Gartengestaltung wie Pappelreihe, Teich und dergleichen noch erkennbar; das Gelände wurde ursprünglich von einem Gitterzaun umschlossen, wovon nur noch das Eingangstor erhalten ist.

Mering, Friedrich Everhard von, Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in den Rheinlanden und den Provinzen Jülich, Cleve, Berg und Westphalen, IX Heft, 1893, Seiten 110-113.

Quelle
Ausschnitt der Karte ‚Wildbann des Klosters Heisterbach‘ - um 1750 -
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet - (LAV NRW R, Karten Nr. 3622)
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