Aufnahme: 1980
30 Jahre Evangelische Kirche Oberpleis
Am 1 1. Dezember 1949 - am 3. Advent - wurde in der Evangelischen Kirche Oberpleis der erste Gottesdienst gehalten. Ich will versuchen, in aller Kürze darüber zu berichten, wie es dazu kam, daß in Oberpleis eine Evangelische Kirche errichtet wurde. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges begann in den Jahren 1945 - 1948 eine Ost/ Westwanderung. Aus ihrer Heimat in Ostpreußen, Pommern und Schlesien Vertriebene mußten sich eine neue Bleibe hier im Westen suchen. So wurden da mals auch recht viele Vertriebene in das Oberpleiser Ländchen eingewiesen. Ein großer Teil von ihnen gehörte der Evangelischen Kirche an. In ihrer alten Heimat ließen sie ihr Kirchengebäude zurück, das später meist der polnischen katholischen Kirche übergeben wurde. Die nach Oberpleis und Umgebung eingewiesenen evangelischen Familien gehörten zur Evangelischen Kirchengemeinde Oberkassel.
In Oberkassel stand auch das Kirchengebäude, das sie eigentlich zum Gottesdienst hätten aufsuchen müssen. Der damalige Pfarrer von Oberkassel, Edgar Boue und sein Vikar, Georg Bräunig, bemühten sich um diese Heimatvertriebenen in besonderer Weise. Es wurden Gottesdienste in den Schulen Oberpleis, Stieldorf und Heisterbacherrott sowie Eudenbach gehalten. Ich selbst bin seit 1. November 1947 zur Betreuung der evangelischen Gemeindeglieder im Landbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkassel eingesetzt worden und wohnte zunächst in Ruttscheid, später mit meiner Familie in Kippenhohn. Die Schulklassen erwiesen sich mit der Zeit als zu klein, besonders in Oberpleis. Wir waren deshalb froh und dankbar, daß Herr Heinrich Bellinghausen aus Oberpleis uns seinen Saal zu Gottesdiensten zur Verfügung stellte. Der Wunsch nach einer eigenen Gottesdienststätte wurde immer dringender. Anfang des Jahres 1949 konnte ein Grundstück von Frau Anna Bornheim geb. Reuter in Boseroth an der alten Ittenbacher Straße käuflich erworben werden. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland war bereit, der Kirchengemeinde Oberkassel zu einem Kirchbau in Oberpleis zur Seite zu stehen.
Es fand auch einen Spender in dem Hilfswerk der Evangelischen Kirche in der Schweiz. Der Beauftragte für Kirchenbauten im Evangelischen Hilfswerk in Deutschland war damals der Kirchenbaumeister Prof.Dr. Otto Bartning. Sein Entwurf für eine evangelische Notkirche wurde angenommen und ein solcher Kirchenbau auch für Oberpleis vorgesehen. Im Juli 1949 begannen die Ausschachtungsarbeiten . Im Oktober waren Grundsteinlegung und Richtfest und im Dezember konnte der erste Gottesdienst in der neuen Kirche gehalten werden. Es ist schon richtig, wenn man sagt "Otto Bartning-Kirche". Otto Bartning gilt als bedeutender Kirchenbaumeister in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. Er hat nach dem 2. Weltkrieg 48 Notkirchen, besser Notzeitkirchen, gebaut, die nach Meinung von Fachleuten zu den besten Zeugnissen der sakralen Architektur nach dem zweiten Weltkrieg gehören.
Mit diesen vielbeachteten Kirchen hat Bartning Wege aufgezeigt, wie s:ic h mit bescheidenen Mitteln bauen läßt, ohne den gebührenden künstlerischen Anspruch zu vernachlässigen . Das Baumaterial besteht im Wesentlichen aus vorgefertigten Holzteilen. Altar, Kanzel und Orgel sind so angeordnet, daß sie mit der Gemeinde in dem drei schiffigen Gotteshaus eine Einheit bilden . Die Fenster sind oberhalb des Mittelschiffes so angeordnet, daß das Licht von oben einfällt und alle stören den Nebeneffekte ausschließt. Die Kirche ist nicht nur Gottesdienstraum, sie ist ein Raum, der das gesamte gemeindliche Leben aufnimmt.
Bartning nennt diesen Bau, der damaligen Zeit entsprechend, "Evangelisches Diaspora-Flüchtlings-Gemeindezentrum". Es besteht aus dem Kirchsaal mit 200 Sitzplätzen, der Sakristei, die zugleich Amtszimmer des Pfarrers sein sollte, einer Teeküche und einem Anbau, der als Wohnung für den Pfarrer mit
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