Aufnahme: 2019 (Bild 1)

Altes Pastorat. Dreigeschossiger Fachwerkbau - Oberpleis, Siegburger Straße 9-11

Das Gebäude wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts unter Verwendung von Abbruchmaterial der Benediktiner-Propstei errichtet.

Unterricht in Räumen der ehemaligen Propstei.
Aus Akten der Amtsverwaltung Oberpleis (im Stadtarchiv Königswinter) geht hervor, dass die Regierung in Köln auf Antrag der Gemeinde Oberpleis zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen Raum in der Propstei für Schulzwecke zur Verfügung stellte.

Neues Schullokal
Im Jahre 1825, d.h. nach Erlöschen des Schulvikariates, wurde das Schullokal aus der Propstei in die damaligen Wohnungen der Geistlichen (heute Siegburger Straße 9 - 11) verlegt. Die Geistlichen zogen in die Gebäude der ehemaligen Propstei. In dem älteren Gebäude (Siegburger Straße 9) sind heute noch die steinerne Umfassung der Eingangstür und ein Balken mit Inschrift erhalten. Der Schwellbalken trägt folgende Inschrift: "TVNC IVVANTE POLO CVRAQVE IOHANNIS ADOLPHI VVALBOTI FUIT HAEC AEDIFICATA RECENS". "Damals ist mit Hilfe des Himmels und durch die Fürsorge des Johann Adolf Waldbott dies (Haus) neu aufgebaut worden (gewesen)." Der Schwellbalken, der diese eingeschnittene Inschrift trägt, lag einst über dem Mauerwerk des Erdgeschosses unmittelbar über dem Schlussstein der Eingangstür mit dem Wappen des Propstes Johann Adolf Ferdinand Waldbott von Bassenheim und der Jahreszahl 1698.

Die Inschrift des Balkens ist ein Distichon (Verspaar: Hexameter und Pentameter), dessen Zahlbuchstaben (durch die Länge hervorgehoben), die Zahl 1698 ergeben. Der Balken wurde aus seiner ursprünglichen Lage entfernt, als die Eingangsseite ganz in Mauerwerk ausgeführt wurde. Dies geschah mit größter Wahrscheinlichkeit, als das Haus zum Schulhaus umgebaut wurde. Der Balken wurde bei Erneuerung des Dachstuhls benutzt. J.A.F. Waldbott von Bassenheim war von 1670 bis 1703 Propst von Oberpleis. Er starb am 23.3.1703 in französischer Haft zu Bonn. er jüngere Teil des Gebäudekomplexes (Siegburger Straße 11) wurde 1739 unter Pfarrer Franz Jakob Mauritius Mappius als Pfarrerwohnung erbaut.

In dem älteren der beiden Gebäude (Siegburger Straße 9) unterrichtete um die Jahrhundertwende 1805/1806 zeitweise der spätere Pfarrer Stricker als Primissär und Lehrer. Bedingt durch den eingeführten Schulzwang wurden eine Knaben- und eine Mädchenklasse eingerichtet und statt eines Unterlehrers eine Lehrerin angestellt. Die Schülerzahl stieg schnell und die Räumlichkeiten waren bald zu klein.

Schulhof vor 1912 mit Lehrerwohnungen im alten Pastorat
 
In den Häusern Siegburger Straße 9 und Siegburger Straße 11 wohnten von 1832 bis 1913 Lehrer und Lehrerinnen der Oberpleiser Schule. Das Gebiet zwischen diesen Häusern und der alten Schule (heute Siegburger Straße und Kirchenvorplatz), war damals der Schulhof.

Schulneubau
Die Gemeinde Oberpleis sah sich gezwungen, einen neuen Schulbau zu errichten. Dies geschah in Jahre 1832 auf dem Platze, auf dem bis ca. 1820 die alte Pfarrkirche gestanden hatte (heutiger Parkplatz an der Siegburger Straße). Dieses neue Schulgebäude, ein Fachwerkbau mit vier von zwei Seiten belichteten Schulsälen, war von außen mit grün gestrichenen Brettern verkleidet.

Der dreigeschossiger Fachwerkbau wurde am 5. Juli 1991 von der Stadt Königswinter als Nummer A 220 in die Liste der geschützten Baudenkmäler eingetragen.

Quelle
Schrift im virtuellen Museum ‚Vom Schulwesen älterer Zeit‘,
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet; Bild 1; Bild 2: Fotograf unbekannt, vor 1912 ‚Vom Schulwesen älterer Zeit‘
Räume & Galerien
Fachwerk Katholische Kirche Oberpleis Schulen
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