Aufnahme: 1993

Teil der alten Schule von Oberpleis

Nachdem das neue Schulgebäude auf dem Gelände des heutigen Busbahnhofs am 19.11.1912 bezogen worden war, wurde die alte Schule an der Pfarrkirche am 18.2.1913 auf Abbruch verkauft. Käufer war Franz Bellinghausen aus Oberpleis, der dieselbe für 780 Mark erwarb. Ein Teil der alten Schule ist erhalten und steht als Wohnhaus am Fußweg von der Herresbacher Straße zum Friedhof.

Das Schulwesen in Oberpleis 

Vor mehr als 200 Jahren kam vom Kölner Domkapitel der Entwurf einer ersten Schulordnung heraus, um breitere Kreise im Lesen und Schreiben kundig zu machen. Wenn man von einer verantwortlichen Leitung sprechen kann, lag alles in den Händen des jeweiligen geistlichen Herrn. Die Schulaufsicht des Klerus hatte bis zum Jahre 1909 Bestand. Unzureichende Besoldung, Kinderarbeit sowie häufig mangelndes Interesse der Eltern waren der Grund für eine kümmerliche Unterrichtung. Die Schulstunden wurden, wenn überhaupt, mit Bibellesen und dem Einmaleins ausgefüllt. Ein Zustand, der sich erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts langsam änderte.

Die Schulchronik beginnt mit ihren Eintragungen am 6. 10. 1853. Sie wird derzeit bewacht und gehütet im Tresor der GHS von Rektor Landsberg und der Sekretärin Frau Gottschlich. Ein Lehrer Becker nahm die ersten Eintragungen vor. Schulchroniken schreiben ist nicht jedes Lehrers Sache. Wie viele derartige Niederschriften beinhalten sie akribisch genau geschilderte Alltäglichkeiten, Schülerzahlen. Lehrerinnen- und Lehrerbewegungen, Schulratsbesuche, Krankheiten und Kaisergeburtstage sind immer wieder vorkommende Ereignisse. Mit mehr oder weniger persönlichen Vermerken, wie ich habe angeordnet ... oder auf meine Veranlassung hin ... wurden die Seiten gefüllt. In der Folge sollen deshalb nur jahreszahlmäßig die Notate wiedergegeben werden.1825: Das Schullokal in das damalige Pastorat (jetzige Lehrerwohnung) verlegt, eine Lehrerin. 1837: Lehrer Koers, 1855 Lehrer Flink, 1856 Lehrerin Heusch. 1866: 119 Knaben, 6 Entlassungen 14. Lebensjahr, 4 Klassen. Dezember 1871: Große Kälte, vom 6. bis 11. Dezember keine Schule! 1872: Pocken und Ruhr, 10. August 1873 in Eisbach starben an der Ruhrkrankheit zwei Erwachsene und fünf Kinder. 1874: Wegen Verleihung des Regensburger Marienkalenders in der Mädchenklasse (was mag da wohl drin gestanden haben?) wurde dem Vikar von Dannewitz Unterricht und Betreten des Schulgeländes, laut Verfügung des Landrats Freiherr von Loe, untersagt. 1875: Schulchöre mit 1200 Kindern in Heisterbach. 1881: Hitzefrei vom 11. bis 16. Juli. 1885: 355 Kinder, 22 Knaben und Mädchen entlassen. 1893: Einrichtung der 5. Klasse, nur Lehrer! Im Jahre 1912 wurde die neue Schule an der Dollendorf er Straße errichtet. 1913: Jahrhundertfeier mit Kaplan Kampert und Postverwalter Reuter.

Neue Industrie in Oberpleis. Herr Joseph Bürling gründete in Oberpleis eine Wirkwarenfabrik. Das alte Schulgebäude wurde für 780 RM an Franz Bellinghausen verkauft. Ein Teil der alten Baulichkeiten ist erhalten geblieben. Im neuen Schulgebäude sind auch der Hauptlehrer und zwei Lehrerinnen sowie Schuldiener untergebracht. Es ist Platz für 380 Kinder. Die ehemaligen Lehrerwohnungen erstand Wilhelm Lichtenberg II aus Oberpleis zu einem Preis von 20.000 RM. Die Feierlichkeiten zu Kaisers Geburtstag im 1. Kriegsjahr war für die Kinder erfreulich, denn sie erhielten einen Weck. Natürlich waren alle Eintragungen der nächsten Jahre auf den Krieg bezogen. Am 1. 4. 1934 wurde Rektor Gossen für seine 25-jährige Tätigkeit an der Schule in einer Feierstunde geehrt. Dann ist auch der Wechsel innerhalb der Schuldienerschaft vermerkt. Für Frau Schulz kam Frau Bonna aus Oberpleis. Laut Verfügung wurde den Geistlichen die Erteilung von Religionsunterricht untersagt. 1939 wurden dann alle katholischen Schulen aufgelöst und durch Gemeinschaftsschulen ersetzt. Die in allen Klassen vorhandenen Kruzifixe mußten entfernt werden und jahrhundertealte christliche Tradition sollte verschwinden. Doch in Oberpleis überdauerte die Katholische Volksschule das 3. Reich. Im Jahr 1952 gab es als neue Einrichtung die Klassen- und Schulpflegschaften.

Nach der ersten Wahl setzte sie sich wie folgt zusammen: Felix Bäßgen aus Wahlfeld, Josef Neuhöfer, Wilhelm Weber und Hermann Stockhausen aus Oberpleis, Adolf Bellinghausen aus dem Auel, Joseph Hermes Keth und Frau Klosterhalfen aus Eisfeld. Gemäß dem Auftrag des Gesetzgebers wurden in Oberpleis und Thomasberg im Jahre 1969 zwei Hauptschulen eingerichtet. Alle Schüler der Schulen in Sandseheid, Eudenbach, Ittenbach, Oberpleis sowie der ev. Volksschule Oberpleis wurden ab dem 4. Schuljahr dieser Hauptschule zugeordnet. Bis zum Jahre 1978 führt Rektor Karl Meurer hier Regie. In elf Klassen nehmen unter der Leitung von Rektor Meurer 360 Schulpflichtige den Unterricht auf. Es dauerte eine gewisse Zeit, ehe sich die schulische Ordnung mit der Grundschule (1. bis 4. Schuljahr) eingespielt hatte. Ab dem 16. 8. 1971 gibt es in Oberpleis ein 10. Schuljahr. Konrektor Ludwig Kurenbach war erster Bahnbrecher. Gegen Ende des Schuljahres 1978/79 hat Vorgenannter sieben 10. Schuljahre zur Fachoberschulreife geführt. Im selben Jahr werden insgesamt 51 Schülerinnen und Schüler in zwei Klassen unterrichtet. Das 1971 eingerichtete Schulzentrum Oberpleis mußte kontinuierlich verändert bzw. vergrößert werden.

Derzeit wird allgemein Klage geführt über mangelnde Unterbringung der Schüler bei stetig steigenden Wachstumszahlen. Durch die zahlreichen Aussiedler- und Ausländerkinder und wachsenden Zuzug reichen die Klassenräume nicht mehr aus. Wie man bei der allgemeinen Finanzlage dem Problem beikommen will, ist noch ungeklärt. Nach aktuellen Informationen wurde von der Verwaltung der Plan für eine Erweiterungsbebauung vorgestellt. Die Genehmigung zur Verwirklichung mit einem Baukostenanteil von 2,7 Millionen DM steht allerdings noch aus. Die Grundschüler sind in 13 Klassen untergebracht, während die Hauptschüler sich in 14 Klassen zwängen und der Bedarf bei 18 Unterrichtsräumen liegt. Allgemein ist das Bedauern der Pädagogen über das renitente Verhalten und das Desinteresse der Jugendlichen an der Religion spürbar.

Quelle
Aus der Broschüre "Leben in und um Oberpleis", Seite 40, Kreissparkasse Oberpleis 1995; Bericht: "Das Schulwesen in Oberpleis" von Karl Hermann Uhlenbroch
Zur Verfügung gestellt von
Wilbert Fuhr: Broschüre; Bernhard Gast: Foto; Renate Oswald Alte Schule - Vom Schulwesen älterer Zeit
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