Aufnahme: 2014
Eine Kohlmeise in Oberpleis-Herresbach beim Landeanflug
Keine andere Vogelfamilie ist mit so vielen Arten in unserem Heimatgebiet vertreten wie die Meisen. Es gibt Kohl-, Blau-, Sumpf-, Tannen-, Weiden und Haubenmeisen. Nun wird hier und da vielleicht jemand sagen: Aber die Schwanzmeisen hat sie ja vergessen aufzuführen. Dazu kann ich nur sagen, was sicher nicht so allgemein bekannt ist, daß die Schwanzmeisen nicht zur Familie der Meisen gehören.
Nun aber zur Kohlmeise, der größten unserer heimischen Meisen, die ja allerorts bekannt ist. Beide, Männchen und Weibchen, tragen ein gleich gefärbtes Federkleid. Von den anderen Meisen ist sie nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch den schwarzen Streifen, der vom Hals aus über die gelblich gefärbte Unterseite läuft, gut zu unterscheiden. Auffallend ist auch der reinweiße Wangenfleck, der vom Schwarz des Kopfes und der Kehle eingerahmt wird.
Der Gesang der Kohlmeisen umfaßt mehrere Strophen, von ihrem Zizika über ein hartes Zetern bis zum bekannten „Läuten" im Frühjahr. Selbst pink - pink wie ein Fink rufen sie manchmal.
Das Kohlmeisenweibchen bestimmt den Platz, wo es brüten will. Dafür muß es aber auch das Nest allein bauen. Es nimmt Haare, Federn, Frucht- und Tierwolle zum Auspolstern der Nestmulde. Brüten muß es auch allein, und wenn es zur Nahrungssuche das Nest verläßt, deckt es das Gelege schön mit Nistmaterial zu. Die weißen Eier, von denen 8 bis 12 Stück ein Gelege ausmachen, haben auf den weißen Schalen mehr oder weniger ziegelrote Flecken. Der Vater hilft aber nach dem Schlüpfen eifrig beim Füttern der Jungvögel.
Die jungen Kohlmeisen bleiben 15 bis 21 Tage im Nest. Was die Eltern da an Nahrung herbeischaffen müssen, wenn mit dem Heranwachsen der Nachkommenschaft auch der Appetit der Jungvögel immer größer wird, ist kaum zu glauben. Es ist festgestellt worden, daß Kohlmeiseneltern am letzten Tag vor dem Ausfliegen der Jungen bis zu 800-mal füttern. Da muß ich doch sagen, daß eine Meisenbrut im Garten doch besser ist, als die viele Giftspritzerei.
Die Kohlmeisen nehmen als Nahrung Insekten, Körner und auch gerne Fett. In den Kurgärten der Badeorte holen sie das Futter den Spaziergängern von der Hand. Man empfindet dabei ihr Wesen aber nicht als so zutraulich, wie das bei den Rotkehlchen der Fall ist. Es ist in ihrem Wesen mehr eine Portion Bestimmtheit und Keckheit vorhanden, wie die Nahrung nehmen.
Ja, Kohlmeisen wagen schon vieles, um an gutes Futter zu kommen. Einmal ertappte ich eine Kohlmeise dabei, wie sie an einem in einem kühlen Raum abgestellten Butterstück herumpickte. Durch das geöffnete Fenster war sie einfach hereingekommen.
Gertrud Müllenholz
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