Aufnahme: 1977

Der Grauschnäpper

Der Grauschnäpper ist ein wenig bekannter Vogel, der aber oft im Bereich unserer Wohnsiedlungen brütet. Ihn, und seine ganze Lebensweise zu beobachten ist recht interessant. Um ihn aber beobachten zu können, muß man ihn erst einmal kennen. Er ist spatzengroß und schlicht gefiedert. Die Unterseite ist schmutzig­ weiß, die Brust etwas gestreift. Das übrige Gefieder ist graubraun, die Kopfplatte leicht gefleckt. Sein Kopf ist etwas rundlich geformt oder besser gesagt: durch seine oft gesträubten Kopffedern wirkt er so. Zur Futtersuche setzt er sich auf einen dürren Zweig, eine Dachspitze, einen hohen Zaun oder Zaunpfahl  - kurz gesagt: an eine Stelle, von wo aus er die ganze Umgebung übersehen kann. Kommt dann eine Fliege, Mücke, ein Schmetterling oder dergleichen, schießt er blitzschnell in die Luft und holt sich das Insekt. Danach setzt er sich wieder auf seine Warte und lauert auf das nächste Opfer. Wenn man in einer Park - oder Gartengegend wohnt, kann man dem Grauen Fliegenschnäpper, wie er auch genannt wird, mit einer Halbhöhle eine Brutgelegenheit anbieten. Die Eier von Grauschnäppern - gewöhnlich umfaßt eine Brut fünf Stück - sind sehr lebhaft gefärbt.

Die grün­ oder blaugrauen Schalen haben lilagraue und rostrote kleinere oder größere Flecke. Es ist ja allgemein bekannt, daß Vögel während der Brutzeit mutig jede Störung oder mutmaßliche Bedrohung der Eier und ihrer Brut abwehren. Einmal konnte ich Grauschnäpper beobachten, die sich einen Brutkasten (Halbhöhle) auf einem Balkon zum Brüten ausgesucht hatten. Nach dem Schlüpfen der Jungen lebten sie mit dem Amselpaar, das ein Stockwerk tiefer auf dem Balkon brütete, in andauerndem Streit; immer wieder griffen sie die Amseln an und suchten sie zu vertreiben. Dann erzählte mir noch eine Ausländerin, auf deren Terrasse sich ein Grauschnäpperpärchen in einer Lampe häuslich niedergelassen hatte, mit netten Worten ihre Beobachtungen: „Oh, es war so hubsch diese kleinen Vogelehen zuzusehen. Es war gar keine Schmutz in die Nest. Die Eltern bringten das Futter an und fütterten die Kleine. Es war dann wie in eine Zirkus: Die Kleine drehten sich herum und die Eltern nahmen die Kotbällchen von die Popo weg." Diese Beobachtung sagt auch aus, wie manche Vögel das Nest sauber halten. Da der Kot der Jungvögel mit einem dünnen Häutchen versehen ist, kann er von den Altvögeln genommen und vom Nest fortgeschafft werden.

Gertrud Müllenholz

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 16 vom 2.04.1976; Bericht: Gertrud Müllenholz
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ) Der Grauschnepper bei www.nabu.de - Der Grauschnepper bei Wikipedia - Der Grauschnepper bei Microsoft Bing
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