Aufnahme: 1977

Das Rotkehlchen

Rotkehlchen sind die Vögel, die das Herz eines jeden gleich erobern. Schon allein die Wärme der Stimmlage macht sie sympathisch. Es sind aber auch wirklich hübsche und liebenswerte Geschöpfe.

Sie leben nur in der Brutzeit paarweise, sonst sind sie nie mit ihresgleichen zusammen, immer trifft man sie allein an. Was beim Rotkehlchen außer der roten Kehle noch besonders auffällt, sind die großen, dunklen Augen. Sie befähigen den kleinen Sänger auch dazu, in der Dämmerung noch Nahrung zu finden.

Wer einen größeren Garten mit Baum- oder Strauchbestand hat, kann eventuell ein Rotkehlchen als Brutvogel beobachten, denn es ist bei ihm so wie bei der Nachtigall, beide brauchen Laub für ihren Nestbau. Unter einer alten Baumwurzel, in einem Baumstubben, an einer abgebrochenen Uferböschung oder in einer Ecke nahe dem Boden im Gemäuer einer alten Ruine legen Rotkehlchen sehr verborgen ihre Nester an. Von den weißlichen Eiern mit feinen oder kräftigen rostroten Flecken können vier bis neun in der Nestmulde liegen. Das Weibchen muß die Eier allein bebrüten und wird von dem Männchen während der Brutzeit mit Nahrung versorgt. Beim Füttern der Jungen hilft das Männchen fleißig mit und betreut die Nachkommenschaft oft noch liebevoll, wenn das Weibchen schon auf dem zweiten Gelege sitzt.

Die Jungvögel verlassen das Nest schon, ehe sie noch richtig fliegen können. Sie haben dann noch keine rote Kehle, sondern sind beigefarben und über und über mit dunklen Punkten versehen. Eine gute Tarnfarbe ist das, denn so heben sich diese kleinen Purnnmelchen beim Herumhüpfen kaum vom Waldboden ab.

Daß Rotkehlchen sehr zutraulich sind, wissen wir ja alle, denn sie hüpfen einem oft um die Füße herum. Doch diese Zutraulichkeit kann noch weitergehen, wenn man im Winter einen Futterplatz hat. lch hatte zwei Rotkehlchen, die gleich kamen, wenn ich nur die Türe öffnete. Sie holten sich dann die Mehlwürmer von meiner Hand.

Den trillernden Gesang kann man bei mildem Wetter auch im Winter hören. Anfang dieses Jahres hörte ich gleich drei in nicht allzu großer Entfernung voneinander singen. Aber mit größter Wahrscheinlichkeit sind diese drei nicht zum Brüten in unserer Heimat geblieben, denn Rotkehlchen sind Teilzieher, und unsere Brutvögel dürften sich im Winter etwas nach Süden verzogen haben. Gertrud Müllenholz

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 19 vom 13.05.1977; Bericht: Gertrud Müllenholz
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ) Das Rotkehlchen bei deutsche-vogelstimmen.de - Das Rotkehlchen bei Wikipedia - Das Rotkehlchen bei Microsoft Bing
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