Aufnahme: 1977
Die Turmfalken
Die Turmfalken gehören zu einer der beiden Greifvogelarten - zur anderen zählen die Mäusebussarde, die man in unserer Heimat noch regelmäßig beobachten kann. Wir sollten uns darüber freuen, daß es sie noch gibt, und wir sollten dafür sorgen, daß diese Vogelart nicht so dezimiert wird, wie es mit Habicht und Sperber geschehen ist. Auch fast gänzlich ausgestorben ist der Wanderfalke. Im Oberkasseler Steinbruch, wo er früher gelebt und wo nach dem letzten Kriege Heinz Sielmann mit ihm „Das Lied der Wildbahn“, einen seiner berühmten Filme, gedreht hat, ist er schon längst nicht mehr anzutreffen. Aber die Turmfalken sind dort noch zu Hause, allerdings in diesem Jahr auch nicht mehr so zahlreich wie in den früheren Jahren. Aber auch in unseren Dörfern und Städten kann man sie finden. Dort brüten sie in Türmen und in Luken unter Hausdächern. In Königswinter kenne ich ein Haus, wo schon seit Jahren ein Turmfalkenpaar seine Jungen ausbrütet und großzieht.
Ja, Turmfalken kann man in unserer Heimat noch allerorten sehen, wie sie rüttelnd über den Feldern stehend nach Mäusen Ausschau halten. Und an dem Rütteln kann sie auch jeder erkennen, denn außer ihnen macht das kein anderer Vogel in unseren Breiten. (Ab und zu rüttelt auch schon mal ein Mäusebussard, aber das ist sehr selten, und dabei kann man dann ja auch an der Größe sehen, daß es kein Turmfalke ist).
Bei den Turmfalken sind Männchen und Weibchen verschieden gefärbt. Die Unterseite ist bei den Männchen beige und mit schwarzen Sprenkeln versehen, der Rücken ist rotbraun und gefleckt. Der Kopf ist grau, ebenso der lange Schwanz, der aber mit einer breiten schwarzen Binde vor den weißen Endfedern versehen ist. Das Weibchen hat auch eine beige Unterseite, die gefleckt ist. Kopf, Rücken und Schwanz aber sind rostbraun und dunkel gebändert. Turmfalken haben wie alle Falken spitze Flügel und runde, dunkle Augen.
Vom Nestbau halten sie nicht viel. Wenn sie nicht in Felsspalten, Turmnischen oder dergleichen brüten, nehmen sie hoch in den Bäumen alte Krähennester in Beschlag. Bei den Turmfalken ist es so, daß während der Brutzeit das Männchen auch die Nahrung für das Weibchen mitbeschafft.
Wenn wir Turmfalken bei der Nahrungssuche beobachten, sehen wir sie, wie schon erwähnt, rüttelnd über den Feldern. Haben sie mit ihren scharfen Augen eine Maus entdeckt, schießen sie blitzartig zu Boden und greifen das Opfer mit ihren Fängen. Turmfalken brauchen also eine bestimmte Entfernung, um die Beute greifen zu können. Der Ruf des Turmfalken ist ein sich öfter wiederholendes „Kli, kli, kli". Gertrud Müllenholz
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