Aufnahme: 1976

Die Türkentauben

Von meinem Fenster aus kann ich fast zu jeder Tageszeit ein Pärchen Türkentauben beobachten, das entweder auf den Leitungsdrähten oder auf den Dächern rundum sitzt. Wenn man bedenkt, daß sie erst vor 20 Jahren in unser Heimatgebiet eingeflogen sind, kann man sich nur darüber wundem, mit welcher Selbstverständlichkeit man sie heute in unserer heimatlichen Vogelwelt zählt. Aus dem Orient kamen sie zu uns, und daß nicht nur allein zu uns nach Deutschland - nein, sie sind bis England und auch nach Skandinavien hochgeflogen und haben sich dort angesiedelt. Im Jahre 1944 wurden für Deutschland die ersten in Nürnberg registriert. Die darauf erfolgte Ausbreitung ist recht interessant. In Godesberg waren sie in unserem Heimatgebiet    am ehesten. Schließlich hörte man Meldungen aus Köln und dann dauerte es noch einige Jahre, bis sie nachgewiesenermaßen in Bonn angekommen sind. Heute begegnet man ihnen in den Wohnsiedlungen auf Schritt und Tritt. Hühnerhöfe, Getreidemühlen und Tiergärten, die Geflügel halten und füttern, sind Anziehungspunkte für größere Scharen von ihnen.
 
Ich habe einmal Türkentauben bei ihrem Brutgeschäft über längere Zeit hin beobachten können. Das Nest besteht nur aus einigen dünnen Reisigzweigen, die kreuz und quer gelegt sind. Auch dünne Drähte habe ich in dem Nest entdeckt. Von irgendwelchem wärmendem Material keine Spur. Die Reisigzweige sind so locker geschichtet, daß man von unten die zwei weißen Eier, die sie jeweils legen, gut sehen kann. Interessant war es dann auch für mich, bei der Fütterung der jungen Tauben zuzusehen. Wenn die Altvögel mit Nahrung kamen, pickten die Jungvögel seitlich an den Schnäbeln der Eltern. Wenn diese dann die Schnäbel öffneten, verschwanden die Kleinen mit ihrem Kopf im Rachen der Altvögel, wo sie die vorverarbeitete Speise entnahmen. Kennt man diese Ernährungsweise nicht, dächte man, die Eltern wollten ihre Kinder verschlingen.

Ja - und wie sehen sie aus, diese Türkentauben, die mit ihrem „Ku-kuu­ ku-Ruf, von manchen Menschen als die Störenfriede der Morgenstunde angesehen werden?  Sie haben staubgraues Gefieder und oberseits einen mit weißen Federchen abgesetzten schwarzen Halsring. Das Bauchgefieder hat einen leichten weinrötlichen Schimmer. Die Augen sind rot und auch die Beine haben einen Anflug von rötlicher Farbe. Wo dieses Paar, welches ich jetzt immer sehe, brüten wird, weiß ich nicht. Jedenfalls haben sie die Absieht zu brüten, denn er steigt des Öftern in die Luft hoch und kommt dann segelnd wieder herunter, um seiner Angebeteten Eindruck zu machen. Ich möchte hinzufügend nur noch bemerken: Mich stört der Ruf der Türkentauben ebenso wenig wie der Gesang der anderen Vögel. Schließlich müssen unsere Gehörnerven durch den Autoverkehr und überhaupt durch die ganze technisierte Welt ganz andere Belastungen aushalten.

Zu den Links - siehe unten.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 24 vom 11.06.1976; Text: Gertrud Müllenholz
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper Die Türkentaube bei www.bing.comm - Die Türkentaube bei Wikipedia - Türkentaube bei www.nabu
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