Aufnahme: 1976

Die Stare

Außer Sperlingen und Mauerseglern sind auch Stare Mitbewohner unseres Hauses. Dieser Brutplatz paßt ihnen sehr, denn der Baum, der vor meinem Fenster steht, ist ein Kirschbaum. Wenn die Kirschen reif sind, haben die Stare ein herrliches Leben hier. Ich habe aber gesehen, daß sie bei der Ernte der Kirschen eine ganz andere Taktik anwenden als die Amseln. Die Amseln holen sich die Frucht vom Baum, tragen sie irgendwo hin und verzehren sie dort. Die Stare bleiben an Ort und Stelle sitzen, nehmen das Fruchtfleisch ab und lassen die Kerne hängen. Ihr Gefieder ist bronzegrün bis purpur glänzend überlaufen. Im Winter ist es zudem noch mit weißen Tüpfelchen übersät. Der spitze Schnabel aber, der im Winter dunkel schwarz­braun ist, wird im Frühjahr zitronengelb. Meine Schwester sagt immer: „Sie sehen aus wie Kirmesleute, die sich allen unechten Tand umgehängt haben." Unsere Stare sind sehr gesellig und geschwätzig - kurz gesagt: sehr lebendig. Ein bemerkenswertes Volk sind sie. Am meisten bewundere ich sie, wenn sie in großen Schwärmen fliegen. Da fliegen oft in einer Formation 100, 200 oder mehr Vögel zusammen in eine Richtung.

Plötzlich tritt ein Richtungswechsel ein, und wie zu einer Einheit zusammengeschweißt vollziehen alle den Kurswechsel gleichzeitig, ohne daß auch nur ein Vogel den anderen mit einer Flügelspitze berührt. Die Vögel, die an unserem Haus brüten wie Mauersegler und Spatzen, gelangen manchmal durch irgendwelche Spalten ins Haus. So auch einmal ein Star, der sich ungebührlich benahm. Er war sprunghaft, unruhig und hatte nichts von der Ruhe der Mauersegler oder der ängstlichen Spatzenkinder an sich. Ich bekam ihn nicht in die Hand. Er entwischte mir immer wieder auf- und abfliegend, wenn ich in seine Nähe kam. Als ich schließlich alle Fenster geöffnet hatte, fand er den Weg nach draußen, nachdem er Gardinen und Wände, er ist ja ein Weichfresser, genügend bekleckert hatte. Daß der Star ein guter Nachahmer von anderen Vogelstimmen ist, ist ja bekannt. In diesem Frühjahr hörte ich in der Nähe des Frankenforstes einen, der den Ruf des Pirols nachahmte. Dieser Spottvogel fiel gleich auf, weil ja der Pirol, der auch Pfingstvogel genannt wird, meist erst zu Pfingsten - daher auch der andere Name - mit Gewißheit aus dem Süden zurückgekehrt ist. Gertrud Müllenholz

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 21 vom 21.05.1976; Text: Gertrud Müllenholz
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ) Die Stare bei Wikipedia - Die Stare bei www.bing.com - Die Stare bei www.deutsche-vogelstimmen.de
Räume & Galerien
Flora und Fauna im Oberpleiser Hügelland Mein Steckenpferd Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
Aufrufe
185

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.